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Musik 5 Min. Lesezeit

Ähnlichkeitsspiele

Das Opéra-Théâtre de Metz bringt Mozarts „Così fan tutte“ auf die Bühne, eine Oper, die eine Synthese zwischen den fröhlichen, schelmischen und revolutionären „Figaros Hochzeit“ und dem düsteren, bedrückenden und fast…

Erschienen in Ausgabe Februar 2025
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Das Opéra-Théâtre de Metz bringt Mozarts „Così fan tutte“ auf die Bühne, eine Oper, die eine Synthese zwischen den fröhlichen, schelmischen und revolutionären „Figaros Hochzeit“ und dem düsteren, bedrückenden und fast mystischen „Don Giovanni“ bildet. Es greift deren binäre Strukturen auf, indem es die Stile „seria“ und „buffa“ so weit miteinander verschmilzt, dass sie fast wie Zwillinge wirken, das Orchester so verfeinert, dass es eine äußerst subtile, seidige Textur erhält, und die Rezitative und Arien zu einem fast ununterbrochenen Klangfluss verschmilzt.

Auch in der stimmlichen Gestaltung ist diese Oper ein Meisterwerk. Er lässt seine Erzählung mit allen möglichen Kombinationen der verschiedenen Stimmlagen zusammenfallen. Auf der Grundlage von sechs Paaren, darunter zwei, die ihre Partner tauschen, zeigt er, wie das Paar Don Alfonso/Despina die Paare Ferrando/Fiordiligi und Guglielmo/Dorabella manipuliert. Dorabella ist die ältere Schwester von Fiordiligi, daher kann sie in Richtung Mezzosopran tendieren, um den Altersunterschied zwischen den beiden zu verdeutlichen. Dieses Konzept erfordert eine sehr ausgewogene Besetzung, damit kein Duett, Trio, Quartett oder Sextett an Qualität einbüßt. Eine der großen Stärken dieser Inszenierung ist gerade die mehr als gelungene Verschmelzung der Stimmen, und zwar bereits in den ersten Duetten zwischen dem italienischen Bariton Antonio Mandrillo als Ferrando und dem tschechischen Tenor Jiří Rajniš als Guglielmo. Auch das erste Duett zwischen der Dorabella, gesungen von der norwegischen Sopranistin Lilly Jørstad, und der aus Kasachstan stammenden italienischen Sopranistin Maria Mudryak zeigt diese Harmonie, die das Werk tragen muss. Leider war die ukrainisch-russische Sängerin Ekaterina Bakanova bei der Vorstellung am 2. Februar erkrankt. Doch glücklicherweise wurde sie durch Maria Mudryak ersetzt. Auch wenn die Stimmen der beiden unverwechselbar sind, sind ihre Stimmlagen ähnlich. Und in dieser Geschichte des Rollentauschs ist jede Ähnlichkeit willkommen. Auch das leicht säuerliche Timbre der sizilianischen Sopranistin Francesca Cucuzza als Despina zieht die Aufmerksamkeit auf sich, ebenso wie ihr spitzes und schelmisches Spiel, das bis zur sympathisch-grotesken Wirkung reicht, wenn sie als Notar verkleidet auftritt. Die feste Stimme mit gelegentlich amüsiertem Unterton des italienischen Bassisten Matteo Loi als Don Alfonso zeigt auf hinterhältige Weise, dass dieser Manipulator sich mit seinen Freunden amüsiert. Er versteht es auch, sich kühl zu geben, wenn sie die Wette beenden wollen, und charmant zu sein, wenn er Despina besticht. Antonio Mandrillo als Ferrando zeigt eine feste, sehr artikulierte und klare Stimme; Jiří Rajniš als Guilermo strahlt eine Lebendigkeit aus, die die Jugend seiner Figur offenbart. Die Gesangsbesetzung ist hier insgesamt spritzig, lebhaft, harmonisch und fließend.

Das Gleiche gilt für das Orchester, das einen sicheren, geschmeidigen und gerne verspielten Spielstil beibehält. Eine der größten Schwierigkeiten in einer Mozart-Oper besteht darin, das richtige Tempo zu finden. Der belgische Dirigent David Reiland findet es auf Anhieb. Weder zu schnell, damit sich die Sänger entfalten können, noch zu langsam, um diesen lebhaften, scherzhaften Ton beizubehalten – jenen Schwung, der Mozarts orchestrale Kunst wie von selbst zur Geltung bringt. So sorgt er dafür, dass die Freude beim Zuhörer stets aufrechterhalten bleibt. Lob verdient auch die Arbeit mit den Streichern, die strahlend, frisch und spritzig klingen, sowie mit den Holzbläsern und vor allem den Klarinetten, Mozarts Lieblingsinstrument, die einen sehr angenehmen, weichen Klang bewahren.

Neben den Gesangsstimmen bleibt auch die schauspielerische Leitung des Regisseurs Stefano Vizioli locker. Sie lässt die Protagonisten in ihrer Natürlichkeit bleiben und verleiht ihnen trotz des Dramas einen angenehmen Humor. Davon zeugen die Begegnungsszenen zwischen den Frauen und Männern, ob sie nun verkleidet sind oder nicht. So zum Beispiel die Szene mit dem Fisch oder jene, in der Fiordiligi den Albanern die Tür verschließen will, während Dorabella und Ferrando sich bereits näherkommen.

Auch die Kostüme von Milo Manara sind sehr gut durchdacht. Während Fiordiligi und Dorabella leichte Kleider und pastellfarbene Strumpfhosen tragen – aufreizende Kleidungsstücke, die sich leicht ausziehen lassen –, sind die Uniformen ihrer männlichen Partner weiß und mit rosa Akzenten versehen. Vor allem aber wirken die albanischen Freier absolut lächerlich mit ihren Turbanen, die bei der kleinsten Bewegung herunterrutschen, und ohne jegliches Make-up. Die Farce wirkt dadurch umso derber und offenbart so, dass die Paare doch nicht so fest zusammenhielten, wie die Männer dachten. Die schwarzen Gewänder von Don Alfonso erinnern an die des Grafen Almaviva aus „Die Hochzeit des Figaro“ und „Don Giovanni“ und unterstreichen damit die Kontinuität der drei Opern von Mozart und Da Ponte.

Eine weitere herausragende Eigenschaft dieser Inszenierung sind die vom Comiczeichner Milo Manara bemalten Kulissen. Sie erinnern an die Wandmalereien in den Palästen des 18. Jahrhunderts, unterstreichen hier aber auch die Erotik dieser Oper. Zeus, Apollon und ein Satyr verfolgen himmlische Nymphen. Naiadinnen trinken aus einem Brunnen und ruhen sich im Wald aus. Die Farben sind lebhaft und fröhlich, die Bewegungen leichtfüßig. Die Faltenwürfe verbergen, was verborgen bleiben soll, und betonen die Schlankheit der Figuren. Der Betrachter denkt bei den Nymphen an die Dianen von François Boucher oder bei den Engelchen an Puvis de Chavannes. Was die Hintergründe angeht, so ist es ein Blau, das Hokusai würdig ist…

André Breton sagte über seinen Freund, den Fotografen Man Ray: „Man Ray, ein Synonym für Freude, Spiel und Genuss.“ Diese Darstellung könnte dazu führen, dass man sagt: „Mozart, ein Synonym für Spiel, Freude und Genuss.“

Eine Koproduktion des Opéra-Théâtre de Metz
zusammen mit der Fondazione Teatro di Pisa, der Fondazione Pergolesi Spontini di Jesi, der Fondazione Teatro Comunale Luciano Pavarotti di Modena und
dem Teatro Sociale di Rovigo