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Kino 4 Min. Lesezeit

Tief im Inneren der Mosel

Sechs Jahre nach dem Kinostart seines ersten Spielfilms Mammejong und gerade einmal ein Jahr nach den Dreharbeiten zur Serie Coyotes, die in Belgien großen Anklang fand und in Luxemburg derzeit leider nicht zu sehen…

Erschienen in Ausgabe Juli 2021
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Sechs Jahre nach dem Kinostart seines ersten Spielfilms Mammejong und gerade einmal ein Jahr nach den Dreharbeiten zur Serie Coyotes, die in Belgien großen Anklang fand und in Luxemburg derzeit leider nicht zu sehen ist, hat uns der luxemburgische Regisseur Jacques Molitor einen Einblick in die Dreharbeiten zu seinem neuen Film Kommunioun (Produktion: Les Films Fauves) im Herzen der luxemburgischen Moselregion gewährt.

Zu den Klängen einer Blaskapelle treffen wir am Drehort des mit Spannung erwarteten zweiten Spielfilms des Regisseurs Jacques Molitor ein, der ein ganz eigenes Universum erschafft. Sein erster Spielfilm „Mammejong“, in dem er eine inzestuöse Beziehung zwischen einer Mutter und ihrem Sohn inszenierte, hatte uns tief bewegt. Im Herzen der Mosel, zwischen zwei Regenschauern, erleben wir mitten im malerischen Dorf Wellenstein ein wahres Weinfest. Alles ist da, um sich davon mitreißen zu lassen: die Blaskapelle, der in Strömen fließende Crémant, der Duft von „Wäinzoossiss“, der Festwagen, der die Weinkönigin und ihre Anwärterinnen unter den fröhlichen Blicken der Dorfbewohner transportiert. Der Motor wird abgestellt, alle Statisten setzen ihre Masken wieder auf – Covid will es so – und suchen Schutz vor dem Regenschauer. Jacques Molitor kommt aus seinem Zelt, um der Kamerafrau (Amandine Klee) einige Anweisungen zu geben, und die Szene wird fortgesetzt, sobald sich das Wetter beruhigt hat.

Die Stimmung am Set ist trotz aller Maßnahmen, die für Dreharbeiten in Zeiten von Covid getroffen wurden, ausgelassen und fröhlich; zwischen den Szenen könnte man fast vergessen, dass dieses Fest nur Film ist. Eine Atmosphäre, die im Kontrast zum Genre des Films steht, nämlich dem Horror. „Es ist ein Film, der mit Genres und Konventionen spielt, den ich als Autoren- und Genrefilm beschreiben würde. Ein naturalistischer Film, realistischer, als man vermuten würde. Ich spreche vor allem über die Gesellschaft durch eine Sprache, die von den Codes des Horrorfilms geprägt ist“, erklärt der Regisseur zwischen zwei Szenen. Inmitten der zahlreichen Statisten, die die Dorfbewohner darstellen, entdecken wir die Schar einheimischer Schauspieler, von denen einer prestigeträchtiger ist als der andere, die seine Besetzung bilden: Marja-Leena Junker, Marco Lorenzini, Jules Werner, Charles Muller. An ihrer Seite umarmt sich ein im luxemburgischen Kino unbekanntes Paar zwischen den Szenen, lacht laut und tauscht zärtliche Gesten aus. Die belgische Schauspielerin Louise Manteau und der junge Victor Dieu scheinen ihre Hauptrollen als Mutter und Sohn vor und hinter der Kamera perfekt zu verkörpern. „Die Besetzung der Rollen für Jules, Marco, Marja-Leena und Charles war für mich angesichts ihrer Charaktere eine Selbstverständlichkeit. Bei der Besetzung der Mutter und des Sohnes hat es etwas länger gedauert, aber ich hatte unglaubliches Glück – sie sind großartig. Victor war bereits 2019 für den Teaser des Films ausgewählt worden; ich hatte nicht vor, ihn für die Dreharbeiten zu behalten, doch schließlich hat er sich als außergewöhnlich erwiesen – er ist ein geborener Darsteller. Louise Manteau war eine Entdeckung – ich kannte sie vor dem Casting noch nicht, aber auch sie ist eine Schauspielerin, die man unbedingt im Auge behalten sollte“, fügt der Regisseur hinzu.

In die Höhle des Löwen

Da die Dreharbeiten vor etwas mehr als einem Monat begonnen haben, haben sich die Gerüchte über die exklusive Mitwirkung einer etwas ungewöhnlichen Besetzung verdichtet: zwei Wölfe. Nachdem das Dorffest zu Ende ist, werden wir eingeladen, diese außergewöhnliche Figur nur ein paar Schritte weiter in einem Waldstück zu treffen. Schon auf dem Parkplatz werden wir gebeten, still zu sein und ruhig zu bleiben; der Darsteller wirkt heute nervös und ist nicht bereit, die von ihm geforderte Szene zu spielen. Auf der anderen Seite des Teams, in einem aus Sicherheitsgründen – und vor allem, um die Flucht eines der Hauptdarsteller des Films zu verhindern – gut abgeschlossenen Gehege, stehen wir Auge in Auge mit Phébus, der auf und ab läuft, anstatt den Hügel hinunterzugehen. Wie man weiß, gibt es am Set zwei Dinge, die Produzenten mehr als alles andere fürchten: Dreharbeiten mit Kindern und Tieren, die beide gleichermaßen unberechenbar sind. Was die Kinder angeht, läuft es diesmal mit dem jungen Victor Dieu wunderbar, doch während sich Phébus bei seinen vorherigen Szenen noch sehr kooperativ gezeigt hatte, macht er an diesem Tag, was er will – abgelenkt durch Aas im hohen Gras oder einfach mit den Gedanken ganz woanders. Die Spannung im kleinen Team vor Ort wird immer greifbarer, während die Trainer immer wieder versuchen, Gehorsam zu erzwingen, doch schließlich gelingen die gewünschten Aufnahmen doch noch. Es ist ein riskantes Unterfangen, man muss akzeptieren, dass sich die Natur manchmal nicht an den Menschen anpassen kann, und genau das werden wir voller Vorfreude in Kommunioun entdecken.