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Kino 3 Min. Lesezeit

Hollywood aus der Sicht von Hollywood

Cinémasteak

Erschienen in Ausgabe Januar 2022
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Der Filmemacher Félix Farmer (Richard Mulligan), der seit langem daran gewöhnt ist, die Kinocharts anzuführen, verfällt nach dem Flop seines letzten Films, dem unglückseligen und kitschigen „Night Wind“, dem Wahnsinn. Seine Frau, die Schauspielerin Sally Miles (Julie Andrews), die darin die Hauptrolle spielt, beeilt sich ihrerseits, ihn zu verlassen. Und da in Hollywood ein Unglück selten allein kommt, suchen seine Produzenten aktiv nach Félix, um seinen Flop in die Hände zu bekommen und den Vertrieb sofort zu stoppen… Warum also, nach so vielen Rückschlägen, nicht ein für alle Mal Schluss mit dem Leben machen? Das versucht Félix zweimal, doch vergeblich: Ein Gag rettet ihn jedes Mal vor dem Selbstmord. Bis zu dem Tag, an dem er beschließt, seinen Film in den größten Porno der Filmgeschichte umzuwandeln! Parallel zu diesem Anfall von Depression und Wahnsinn erleidet ein Unbekannter beim Joggen einen Herzstillstand, unweit von Félix’ Haus, das den Ozean überragt. Auf dem heißen Sand von Los Angeles kriecht der verzweifelte Mann so gut es geht auf der Suche nach möglicher Hilfe. Doch vergeblich: Niemand bemerkt ihn am Strand, wo er im Sterben liegt. Der Mann stirbt schließlich elendig, begleitet nur von seinem treuen Hund, der den Ort nicht verlässt. Eine wahre Lektion in Menschlichkeit, die dieser kleine Vierbeiner den unmenschlichen Figuren erteilt, denen man im Film begegnet (mit wenigen Ausnahmen). Innerhalb weniger Sekunden stehen das Anonyme (das Unsichtbare) und das Berühmte (das bereits Gesehene), das Ernste und das Lächerliche nebeneinander, ohne sich jedoch jemals zu berühren. Man wechselt hier ständig von einem Register zum anderen, in einer permanenten Instabilität, die die Fülle und die Vergänglichkeit des Lebens widerspiegelt.

So beginnt „S.O.B.“ (1981), die bissige Komödie von Blake Edwards, die ein vernichtendes Bild der Sitten und Gebräuche dieses Berufsstandes mitten im Mekka des Kinos zeichnet. Mit seiner Besetzung aus alten Stars, deren Gesichter entweder chirurgisch überarbeitet (Marisa Berenson) oder durch Ausschweifungen und die kalifornische Sonne allzu sehr mitgenommen sind – William Holden, Robert Preston, Robert Vaughn oder auch Larry Hagman (ja, ja, der berühmte J.R. aus der Serie „Dallas“) –, verwandelt der Filmemacher den amerikanischen Traum in eine Hölle aus verdorbenem Fleisch, in der es nur um Klatsch, Einspielergebnisse und die eigenen unantastbaren Karrieren geht. Selten hat ein Film der Branche einen so verzerrenden Spiegel vorgehalten und dabei auf ihre eigenen Elemente zurückgegriffen: die Schauspieler, die, obwohl sie im Laufe der Handlung durch die Mangel gedreht werden, durch ihn eine gewisse Selbstironie gegenüber sich selbst und dem, was aus ihnen geworden ist, zum Ausdruck bringen. Darin liegt auch die große Weisheit und Reife Hollywoods.

S.O.B. (steht für „Son of a Bitch“ oder „Standard Operational Bullshit“ oder „Sexually Oriented Business“?) erfüllt zudem die Fantasie jedes Filmemachers, einen bereits fertiggestellten Film neu schreiben zu können… Jean-Pierre Melville hatte davon geträumt; Coppola ließ sich dazu verleiten (von den verschiedenen Director’s-Cut-Versionen von „Apocalypse Now“ bis hin zu den letzten Korrekturen an der „Godfather“-Trilogie). Blake Edwards hingegen produziert diese zweite Version innerhalb desselben Films und verwandelt einen sterilen ersten Schnitt in einen skurrilen und urkomischen Porno, der Fassbinder oder Kenneth Anger würdig ist. Als Sahnehäubchen obendrein: die nackten Brüste der sonst so keuschen Julie Andrews!

S.O.B. (USA, 1981), Blake Edwards, Originalfassung mit französischen Untertiteln, 121’, wird am Donnerstag, den 20. Januar
um 18:30 Uhr in der Cinémathèque de la Ville de Luxembourg gezeigt