In diesem großen Gemetzel, das Mario Bava in dem weitläufigen Herrenhaus von „A Bay of Blood“ (1971) inszeniert, steckt ein wenig von Kubricks „The Shining“ (1980). Und der italienische Untertitel, „Ecologia del delitto“ (Ökologie des Verbrechens), erinnert uns daran, dass dieser Film auch ein hochaktuelles Plädoyer für die Natur ist, in diesem Fall für eine herrliche, unberührte Bucht im Besitz der Gräfin Federica Donati, die Immobilienentwickler zubetonieren wollen, um dort einen Tanzclub zu errichten. Nur um diesen begehrten Ort in ihren Besitz zu bringen, bringen sich Männer und Frauen über eine Stunde lang ununterbrochen gegenseitig um. In diesem Bestiarium menschlicher Leidenschaften, das „A Bay of Blood“ darstellt, herrschen somit Habgier, Neid, Korruption …
Mario Bava, geboren am 31. Juli 1914, mitten im europäischen Kriegsgemetzel, war geradezu prädestiniert dafür, einer der Vorreiter des Gore-Kinos zu werden: Abgetrennte Köpfe, erwürgte Kehlen, durchbohrte Brustkörbe, entblößte Eingeweide – all das gehörte zum Alltag der Soldaten in den Schützengräben. Diese aufgerissenen, zerfetzten Körper sollten später auch zu den Symbolen seiner Filme werden, die er mit wenigen Mitteln und einer gehörigen Portion Einfallsreichtum drehte. Als Sohn von Eugenio Bava, einem Bildhauer, der in der Stummfilmzeit zum Kameramann wurde, führte Mario dieses künstlerische Erbe fort, indem er ein Studium der Bildenden Künste aufnahm. Als ausgebildeter Maler beherrscht er zudem die Kunst des Lichts, die er von seinem Vater gelernt hat: Eine Vielseitigkeit, die ihm wiederum einen festen Platz in der Filmwelt verschafft. Nachdem er mit den meisten bedeutenden Filmemachern jener Zeit zusammengearbeitet hatte – von Sergio Leones Vater über Roberto Rossellini bis hin zu Mario Monicelli –, wechselte er Ende der 1940er Jahre hinter die Kamera. Als berühmter Erfinder von Spezialeffekten ist Mario Bava zudem, ähnlich wie Roger Corman, der Wegbereiter von B-Genre-Filmen, die beim Publikum immer größere Beliebtheit erlangen: zunächst der Giallo, zu dessen Begründern er mit „Das Mädchen, das zu viel wusste“ (1963) zählt; der „Poliziottesco“ in den 1970er Jahren, ein Genre, das sich mit den Polizeifällen befasste, die damals während der „ bleiernen Jahre “ die Halbinsel erschütterten ; oder auch der Slasher, eine Unterkategorie des Horrorfilms, mit der „A Bay of Blood“ häufig in Verbindung gebracht wird. Das zeigt, wie umfangreich das Vermächtnis von Mario Bava ist.
Der Stil von Mario Bava ist leicht zu erkennen, was zum Teil auf die begrenzten finanziellen Mittel zurückzuführen ist, die ihm zur Verfügung standen. Zu einem expressionistischen Umgang mit Farbe kommen schwindelerregende Aufnahmen aus der Vogelperspektive und aus der Froschperspektive hinzu, die mal die dramatische Spannung der Situationen steigern, mal die Brutalität der begangenen Verbrechen betonen. Scharfe Blickwinkel stehen im Kontrast zu Schwenks und eleganten seitlichen Kamerafahrten, die die Schönheit und Harmonie der Schauplätze unterstreichen. Morbide Verbrechen und sexuelle Begierden verflechten sich ständig, um sich schließlich zu einer düsteren und stets perversen Wonne zu vereinen. Amputierte Körperteile werden hier fetischisiert, obwohl an ihrer Künstlichkeit kein Zweifel besteht, ebenso wie der Schrecken blutiger Ausgüsse bei ihm durch eine Darstellung, die an Kitsch grenzt, abgewandt wird. Die Kamera steht im Dienst eines wilden, unersättlichen, verschlingenden Voyeurismus: Alles, was vor ihr vorbeizieht, landet auf dem Schneidetisch, untermalt von der Musik von Stelvio Cipriani. Auf seine Weise hat Mario Bava die Literatur von Sade und des Grafen von Lautréamont in das italienische Populärkino eingeführt. Der gute Geschmack muss sich warm anziehen…
A Bay of Blood. Ecologia del delitto
(1971, Originalfassung mit französischen Untertiteln, 84’), von Mario Bava,
wird am Freitag, den 7. April, um 20:30 Uhr
in der Cinémathèque de la Ville de Luxembourg gezeigt