„The Moon is a Father of Mine“ ist eine Initiationsgeschichte vor dem Hintergrund einer Familientragödie, die zu Beginn des Bürgerkriegs in den georgischen Bergen spielt – ein Film, der zugleich ergreifend, nachdenklich und introspektiv ist. Als sehr persönliches Projekt des renommierten Regisseurs George Ovashvili ist diese neue internationale Koproduktion, die mit luxemburgischen Fördermitteln unterstützt wurde, ein echter filmischer Erfolg.
Herbst 1991: Die UdSSR ist zusammengebrochen, Georgien kämpft ums Überleben. „Toma“ – mit großer Einfühlsamkeit von Giorgi Gigauri inszeniert – ein etwa zwölfjähriger Junge, der von seinen Klassenkameraden verprügelt wird. Eine fast schon alltägliche Szene in einem Land im Umbruch… Der Junge, der von seiner Großmutter in Tiflis großgezogen wird, führt ein tristes und karges Leben, bis sein Vater „Nemo“ — überzeugend dargestellt von Givi Chuguashvili — der nach einem Mord, den er als Unfall bezeichnet, aus dem Gefängnis entlassen wurde. Nach ihrem Wiedersehen kehren Vater und Sohn in ihr Heimatdorf zurück. Zunächst lassen sie sich behutsam im ehemaligen Familienhaus nieder, doch die Geheimnisse der Vergangenheit holen den schweigsamen Vater schnell ein, und eine Flucht in die verschneiten Berge, deren Wächter Nemo einst war, wird unumgänglich. Der Film baut somit auf der Reise der beiden Männer auf, in einem kurzen Zeitraum, in dem Toma sich von seiner Kindheit löst, lernt, in der Feindseligkeit der Natur zu überleben, und sich einem schwer zu tragenden Erbe stellt. Schließlich bringt eine weitere Tragödie den Rhythmus ins Wanken und verleiht dem Titel seine metaphorische Bedeutung: rätselhaft und mächtig ist die Gestalt des Vaters, der die Nacht erhellt und am Morgen wieder verschwindet.
Unterstützt vom Film Fund Luxembourg durch eine selektive Finanzhilfe (AFS) für die Produktion „Cinéworld“, „The Moon is a Father of Mine“besteht zu zwanzig Prozent seines Budgets aus direkten luxemburgischen Mitteln, d. h. 200.000 € bei einem Gesamtbudget von 998.810 €. Mit der Verwaltung dieses stattlichen Betrags wurde die Produktionsfirma Joli Rideau Media betraut, der Ovashvili sein Vertrauen schenkte und die türkische, georgische, deutsche, tschechische und bulgarische Investitionen in das Budget einbrachte. Das verdeutlicht die Bedeutung des europäischen Labels in diesem Projekt, das darüber hinaus einen Anteil an europäischen Fördermitteln in Höhe von 118.000 € bzw. 21,58 Prozent von Eurimages, dem Kulturfonds des Europarats, erhält. Eine multinationale Zusammenarbeit, die man in diesen unruhigen Zeiten nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte und die zweifellos dazu beigetragen hat, den herausragenden Erfolg des Films zu sichern. Luxemburg positioniert sich erneut als Brückenland. Und auch wenn es niemals ein Industriezentrum wie Hollywood, Paris oder London sein wird, entsteht doch eine eigene Szene, die sich vor den Großen nicht zu verstecken braucht und diskret daran arbeitet, komplexe Filme zu verwirklichen, ohne sich um die Rentabilität des Kinos sorgen zu müssen. So entstehen und bestehen diese Art von Autorenfilmen, die künstlerisch unverzichtbar sind und dazu beitragen, ein Kino der Langsamkeit und Zerbrechlichkeit in einer Welt zu ermöglichen, die sich in entgegengesetzte Richtungen bewegt.
Mit „The Moon Is a Father of Mine“ schafft George Ovashvili eine sinnliche, strenge und sehr visuelle filmische Erzählung und setzt damit sein Bestreben fort, ein kontemplatives Kino mit langsamem Rhythmus zu entwickeln. Dieser von Stille geprägte letzte Film fesselt unsere Aufmerksamkeit mühelos mit seinen Bildern von makelloser Bildsprache. Darin liegt die Stärke des georgischen Regisseurs: Er versteht es, die Kraft eines Bildes, einer Stille und von Landschaften so einzuschätzen, dass sie mehr aussagen, als Dialoge jemals hätten stammeln können. Die Absicht wird somit durch Einstellungen umgesetzt, die wie Meisterwerke der Malerei komponiert sind. Unterstützt durch die Kulisse ist „The Moon Is a Father of Mine“ zudem eine herrliche Reise durch ein Land von seltener natürlicher Schönheit. Diese Natur spielt die dritte zentrale Rolle des Werks. Als moralischer Akteur des Films bestimmt sie den Weg der beiden anderen Protagonisten, ohne Rücksicht auf deren persönliche Bestrebungen, setzt ihr Gesetz durch und führt den Menschen zurück zu seiner zerbrechlichen Existenz. Und dieser Kontrast zwischen der gefährlichen und herrlichen Natur einerseits und den emotionalen und schwachen Menschen andererseits ist dramaturgisch äußerst treffend. Ein weiterer Aspekt übrigens, der die Vater-Sohn-Beziehung bereichert, die ohne billige Psychologie erzählt wird – durch vermiedene Blicke, symbolische Gesten und soziale Distanz. All dies wird perfekt inszeniert und hebt diese Beziehung auf eine Ebene der Glaubwürdigkeit, wie man sie im zeitgenössischen Kino selten findet.
Manche werden es vor diesem Film, der für moderne Kinogewohnheiten frustrierend ist, nicht einmal zwei Minuten aushalten, denn er besinnt sich auf das Wesentliche: rohe Emotionen ohne Schnickschnack. Mit einer Inszenierung von großer Reinheit präsentiert Ovashvili einen Film, der fast in Echtzeit abläuft, in dem jedes Detail zählt und in dem uns jeder Gefühlszustand innerlich zu berühren scheint. Der Anspruch liegt darin, dass dieser Film den Mut hat, uns nicht verführen zu wollen, sondern vielmehr daran zu erinnern, dass das Erwachsenwerden von unvergleichlicher Brutalität ist und dass das Kino diesen Schock nach wie vor erzählen kann.