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Kino 7 Min. Lesezeit

Eine Liebesgeschichte

Der junge Regisseur Lukas Grevis wagt sich an Filme mit komplexen Themen, denen er eine poetische Note verleiht

Erschienen in Ausgabe Dezember 2025
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Lukas Grevis, der aus Luxemburg stammt, kam bereits als Teenager zum Film. Dank seiner früh entwickelten Klarheit gelang es ihm, seinen kreativen Geist schnell zu zügeln und ihn zur herausragenden Eigenschaft seiner Produktionen zu machen. Um seinen intellektuellen Weg und die Stimmen seiner Filme zu finden, durchstreift er die Flure der Sarajevo Film Academy, um ein Kino zu schaffen, in dem die Realität durch das Bild zerschnitten wird, als wäre sie in die Poesie des Wahren gemeißelt. In seinen Filmen sind die Schweigepausen magnetisch und setzen sich durch, so beunruhigend sind die Themen, mit denen er sich auseinandersetzt – von den Traumata des Zerfalls des ehemaligen Jugoslawiens über Fremdenfeindlichkeit bis hin zur Radikalisierung der Jugend, insbesondere in „The Land in the Shadows“, seinem ersten Spielfilm, der beim FilmPräis in der Kategorie „Bestes Drehbuch“ nominiert wurde. Und dann kommt „Fuck, I just fell in love“, ein fast schon Feel-Good-Musical, das er gemeinsam mit Alyne Fernandes inszeniert und das eine impulsive Freude in den Mittelpunkt seines Schaffens rückt. Grevis erforscht, sucht, gestaltet und erweckt ein Kino zum Leben, das eines Tages dieselbe Wirkung haben wird wie der Flügelschlag eines Schmetterlings…

Lukas Grevis begann bereits in der Oberstufe, an Filmen zu arbeiten, und realisierte anschließend eigene Projekte wie „The Song of the Shells“. Ein kreatives Umfeld motivierte ihn dazu, schon in so jungen Jahren mit dem Regieführen zu beginnen. „Meine Eltern haben mir die Welt der Geschichten, des Theaters und der Bücher nähergebracht. Schon sehr früh wollte ich Geschichten erfinden, schreiben und erzählen.“ Er erkannte schnell, dass das Kino eine der kooperativsten und kollektivsten Formen des Erzählens ist. Und genau das reizt ihn. Zusammen mit seinen Freunden, die zu Komplizen seiner Projekte wurden, versteht er, was Filmregie bedeutet: „Ich glaube, ein Film muss in der Gruppe gedreht werden, auf abenteuerliche, neugierige und mutige Weise. Das Kino ist für mich der Ausdruck einer Gruppe, die eine bestimmte Geschichte erzählt. “

Über sein filmisches Schaffen sagt Grevis: „In meinen Filmen versuche ich, einfache Situationen des Alltags zu finden und sie unter einem poetischen und filmischen Blickwinkel zu zeigen.“ Eine Sensibilität, die in seinem Innersten und in seiner Arbeit durch die Beobachtung der ihn umgebenden Welt entstanden ist. Für ihn kann jeder Augenblick, jeder Ort, jedes Objekt zu einer Geschichte werden. „Ich liebe es, die Einfachheit zu erforschen, indem ich meinen eigenen Blickwinkel suche und ihn visualisiere, indem ich mir eine filmische Realität vorstelle, die das beleuchtet, was wir vielleicht nicht sehen“, erklärt der Regisseur. Er betrachtet das Kino als „einen dunklen Saal, der zur Kontemplation einlädt und in dem wir in die Vision eines Fremden eintauchen“.

So prägen Stille, Langsamkeit und Kontemplation den recht persönlichen Ansatz von Lukas Grevis. Er treibt diesen Gedanken so weit, dass er sein Kino als Schöpfer von Räumen definiert, in denen das Publikum selbst nachdenken und meditieren kann. „Letztendlich entsteht der Film im Kopf eines jeden Einzelnen. Es ist eine einzigartige Idee, die sich in eine kollektive Idee verwandelt. “ Einerseits versucht er zu verstehen, was aus dem Film werden könnte, andererseits sieht er sich mit den Realitäten der Dreharbeiten konfrontiert. Unerwartete Ereignisse nutzt er als Chancen für den Film und für eine authentische Geschichte. „Ich glaube wirklich, dass sich ein Film ab einem bestimmten Moment wie von selbst entwickelt. Er wird zu einer unaufhaltsamen Kraft, sobald die Idee mit Mitarbeitern geteilt wird, die ebenso leidenschaftlich sind.“

Heute bewegt sich Lukas Grevis zwischen Musikvideos und längeren Erzählformaten. Die prägnante Form des Musikvideos und eine Ästhetik, die die Dramaturgie und das Universum seiner längeren Projekte bereichert: „ Musikvideos sind wie eine andere Form des Kurzfilms, in der Geschichten gewagter und experimenteller erkundet werden können “. Deshalb arbeitet er gerne mit Musikern zusammen, um seine Geschichten mit musikalischen Elementen anzureichern, die die Handlung vorantreiben können.

Auch wenn er sich selbst nicht als Musiker bezeichnet, übernimmt er bei seinen jüngsten Projekten mehrere Rollen – vom Drehbuch über die Regie bis hin zum Schnitt und zur Produktion. Diese Vielzahl an Aufgaben nimmt er auf sich, da sie ihm unerlässlich erscheinen, um einen Film zum Leben zu erwecken und den Prozess von der Idee bis zum fertigen Film zu begleiten. „Die Tatsache, dass ich in mehrere Aufgabenbereiche involviert bin, insbesondere in Regie und Produktion gleichzeitig, hilft mir, den Film sowohl in kreativer als auch in praktischer Hinsicht besser zu verstehen, vor allem wenn man mit knappen Budgets arbeitet.“

Seine Vorgehensweise wird in „The Land in the Shadows“ (D’Land am Schiet) deutlich, seinem ersten Spielfilm aus dem Jahr 2024, in dem er die Polarisierung eines Dorfes angesichts der Ankunft von Flüchtlingen thematisiert. Die Themen Fremdenfeindlichkeit und Radikalisierung verankern ihn in einem zwangsläufig politischen Kino. „Als Filmemacher dokumentieren wir menschliche Interaktionen und die aktuelle Situation, ganz gleich, welche Geschichte wir erzählen.“ Er ist sich bewusst, dass jede inszenierte Interaktion auf eine bestimmte Weise Vorstellungen hinterfragt: „Nicht alle Geschichten sind auf den ersten Blick unbedingt politisch, aber sie spielen immer eine gesellschaftliche Rolle. In einer Welt, in der Ideen polarisiert sind, betrachte ich das Kino als einen Raum, in dem man diskutieren und Stellung gegen Ungerechtigkeiten und den Aufstieg autoritärer und ausgrenzender Politik beziehen kann.“

In Fortsetzung seines kreativen Schaffensrauschs entwickelte er kaum ein Jahr nach der Veröffentlichung seines ersten Spielfilms das Projekt „Fuck, „I just fell in love“, in Co-Regie mit der Schauspielerin Alyne Fernandes, mit der er bereits an seinem Kurzfilm „Drive Trough Time“ oder zuletzt bei den Dreharbeiten zu „Apples & Pears“ zusammengearbeitet hatte – seinem zweiten Spielfilm, der nächstes Jahr erscheinen wird und in dem sie die Rolle der Joan spielt. „Ich habe es geliebt, gemeinsam mit Aline Geschichten zu erzählen und zu erfinden, und im Laufe des letzten Jahres haben wir mehrere Projekte gemeinsam entwickelt und geschrieben, nachdem wir beide nach mehreren Jahren im Ausland nach Luxemburg zurückgekehrt waren. Die Zusammenarbeit zu zweit ist eine wunderbare und bereichernde Herausforderung. Man lernt viel mehr über sein Projekt und über sich selbst.“

„Fuck, I just fell in love“ ist der erste luxemburgische Musik-Kurzfilm. Er entstand im Rahmen der „Filmreakter Lost Weekend Film Challenge“ des Luxemburger Filmfestivals und ist Teil eines größeren und ehrgeizigeren Projekts: der Produktion eines Musik-Spielfilms mit dem Titel „Fuck, I just fell in love“. Für das Duo Grevis/Fernandes gab es die Idee, ein Musical zu drehen, schon seit einiger Zeit. Anlässlich der von Filmreakter ins Leben gerufenen 48-Stunden-Challenge stellten sie ein Team aus Filmemachern und Musikern wie Tun Tonnar, Sixo und Barkissa zusammen und drehten „Quartier Italien“, der zwei Preise gewann, darunter ein Stipendium, mit dem sie „Fuck, I just fell in love“ mit demselben Team drehten. „Wir haben die Kurzfilme vor allem gedreht, um die Mechanismen des Musicals zu verstehen. Wie man mit den Schauspielern arbeitet, die Darbietung, die Musik, die Kamera. Das ist eine Herausforderung, und es war ein lehrreiches Jahr. Mit Hilfe eines Autorenstipendiums des Film Fund Luxembourg und im Rahmen von Workshops am CNA entwickeln wir derzeit das Drehbuch für den Spielfilm“, erzählt der Regisseur.

Eine unglaubliche Produktionskraft, die durch die öffentliche Förderung einer produktiven Filmindustrie ermöglicht wird. „Jeder Film hat seine eigenen Anforderungen, Ziele und seinen eigenen Umfang und erfordert spezifische Finanzierungspartner. Die öffentliche und private Finanzierung hat meine Herangehensweise an Projekte geprägt, ebenso wie die Art und Weise, wie diese gemeinsam mit den Partnern betreut und begleitet werden. Ich glaube, dass es große Freiheit und den Willen gibt, Luxemburg als wichtigen Faktor im europäischen Kino weiterzuentwickeln.“

Der junge luxemburgische Filmemacher ist sich der Herausforderungen des zeitgenössischen europäischen Kinos bewusst und fürchtet sie: „Die größte Bedrohung für das Kino ist der Verlust des Raums, für den diese Kunst geschaffen wurde: der Kinosaal. Das Kino ist ein Ort, an dem sich Menschen verlieben, Freunde treffen, neue Freundschaften schließen, sich trennen, lachen, streiten, lieben. Wir müssen dort ein neues Publikum gewinnen und Filme drehen, die unserer heutigen Welt entsprechen.“ Und bei der Lösung dieser Probleme, die eng mit der Darstellung oder Neudefinition der Filmkunst verbunden sind, verliert sich Lukas Grevis nicht. Er beteiligt sich an den neuen Filmclubs im Land wie dem Schlappekino und dem Bouneweger Kino, „die deutlich zeigen, dass reale Räume, in denen man sich treffen, austauschen und gemeinsam Erfahrungen machen kann, nach wie vor wichtig sind“, schließt er.