„Dune“ (1965) von Frank Herbert (1920–1986) ist bis heute der weltweit meistverkaufte Science-Fiction-Roman. Ein literarischer Erfolg, der es nach einem bewährten Hollywood-Rezept zur Verfilmung prädestinierte. Doch in diesem Fall war der Übergang vom Buch zur Leinwand nicht immer von Erfolg gekrönt. Alejandro Jodorowsky, dessen vielfältige Talente bekannt sind (siehe Seite 18), hatte sich Mitte der 1970er Jahre als Erster daran gewagt und zusammen mit seinem Freund Mœbius Tausende von Zeichnungen für das Storyboard angefertigt. Für die Besetzung war Orson Welles für die Rolle des Barons Harkonnen im Gespräch; weitere namhafte Persönlichkeiten kamen hinzu: Mick Jagger, Alain Delon, David Carradine oder auch Salvador Dalí… Zum Soundtrack: Magma und Pink Floyd, zwei Bands, die perfekt zum psychedelischen Universum des französisch-chilenischen Filmemachers passten. Da es ihm jedoch nicht gelang, die Produzenten zu überzeugen, wurde das Projekt schließlich aufgegeben. Bevor es 2013 in Form eines Dokumentarfilms wieder auftauchte, der dessen Entstehungsgeschichte nachzeichnete (Jodorowsky’s Dune, Frank Pavich). Jedenfalls fasziniert Herberts Buch nach wie vor: Davon zeugen die Produktion einer Fernsehserie im Jahr 2000 (Frank Herbert’s Dune, John Harrison) und die jüngste Verfilmung von Denis Villeneuve, die einen durchschlagenden kommerziellen Erfolg verzeichnet und dem Roman von Herbert weitaus näher kommt als die verkürzte Version von David Lynch…
Seit seiner Goldenen Palme in Cannes für „The Elephant Man“ (1980) ist Lynch bei den größten amerikanischen Studios heiß begehrt. So beauftragten ihn der berühmte Produzent Dino De Laurentiis und dessen Tochter Raffaella mit der Regie von „Dune“ (1984), nachdem sie die Rechte daran erworben hatten. Lynch interessiert sich für das Spirituelle und Esoterische. Er ist bekannt als Anhänger der transzendentalen Meditation und unermüdlicher Verfechter des Weltfriedens. Und auch für seinen einzigen Ausflug ins Science-Fiction-Genre denkt er in großen Dimensionen: eine musikalische Untermalung, komponiert von Toto und Brian Eno, der damals nach der Veröffentlichung des Albums „Toto IV“ (1982) auf dem Höhepunkt seiner Karriere stand. Die Besetzung vereint den Sänger Sting, den Bergman-Schauspieler Max von Sydow und den damals noch sehr jungen Kyle MacLachlan in der Hauptrolle, der von „Blue Velvet“ (1986) bis zum dritten Teil der Serie „Twin Peaks“ – The Return (2017). Nicht zu vergessen die majestätische Präsenz von Silvana Mangano, Ehefrau des italienischen Produzenten und vor allem hervorragende Schauspielerin. Dieser Film hat für die Laurentiis eine sehr persönliche Bedeutung, da er ihrem Sohn Federico gewidmet ist, der 1981 bei einem Unfall ums Leben kam.
Lynch lässt sich gerne Zeit, ganz wie der alte Mann in „The Straight Story“ (1999), der auf seinem Traktor durch die Vereinigten Staaten fährt, oder wie Agent Dale Cooper, der in der letzten Staffel von „Twin Peaks“ im Leerlauf herumfährt. „Dune“ hat das Ausmaß eines historischen Epos. Die Handlung selbst – die Suche nach einem Gewürz, das von mächtigen, rivalisierenden Familien begehrt wird – hat etwas Anachronistisches, genau wie die Kopfbedeckungen und Kostüme der weiblichen Figuren (die beispielsweise mit der im Louvre aufbewahrten „Madonna mit dem Kind“ [1452] von Jean Fouquet verglichen werden können). Als hätte sich David Lynch die Zukunft angeeignet, nur um eine weltliche Kathedrale zu errichten, in der verschiedene kulturelle Traditionen (italienische, persische…) zusammenfließen. Wo arabische Klänge (Muad’ Dib, der Deckname von Paul) auf die seltsame Exotik der Kulissen und ihrer Architektur treffen. Trotz der vom Produzenten nach Abschluss der Dreharbeiten vorgenommenen Schnitte erkennt man dennoch die Handschrift des Filmemachers in seiner bildhaften Darstellung des Monströsen, und zwar bereits zu Beginn des Films mit diesem riesigen, lebenden Kleinhirn, das von der Gilde mitgeführt wird. Man begegnet darin den Missbildungen des „Elephant Man“, aufgedunsenen Gesichtern und beunruhigenden Kreaturen, ähnlich denen, die „Eraserhead“ (1977), seinen ersten experimentellen Spielfilm, bevölkern. Das macht Lynch zu einem würdigen Erben von Tod Browning und dessen „Freaks“ (1932). Und „Dune“ zu einem Werk, das sich letztlich gut in das ästhetische Gesamtkonzept seines Autors einfügt.
„Dune“ (USA, 1984, Originalfassung mit französischen Untertiteln, 132’) wird am Freitag, den 5. November, um 20:30 Uhr in der Cinémathèque de la Ville de Luxembourg gezeigt