Peter Bogdanovich, 1939 in New York geboren, ist kürzlich, am 6. Januar 2022, verstorben. Als Kritiker, Schauspieler und Programmgestalter für die Filmabteilung des MoMA griff er Ende der 1960er Jahre zur Kamera und drehte 1969 den Film „Targets“, in dem Boris Karloff seine letzte Filmrolle spielte. Als unermüdlicher Vermittler gelten seine Gespräche mit seinem Freund Welles und vielen anderen amerikanischen Filmemachern heute als Standardwerk (Les Maîtres d’Hollywood, Capricci-Verlag). Beflügelt durch die Publikumserfolge, die er Anfang der 1970er Jahre feierte (The Last Picture Show, 1971; „What’s Up Doc?“, 1972) gründete Bogdanovich zusammen mit William Friedkin und Francis Ford Coppola in Partnerschaft mit Paramount die Director’s Company. „Paper Moon“ (1973), der das frühreife Talent von Tatum O’Neal (Addie) offenbarte, war der erste Film, der aus dieser kurzlebigen Zusammenarbeit hervorging.
Nach der Kurzgeschichte von Joe David Brown (Addie Pray, 1971), basiert „Paper Moon“ auf einem liebenswerten Duo: einem Gauner mit großem Herzen, Moses Pray (Ryan O’Neil, der spätere Barry Lindon von Kubrick), und der kleinen Addie, damals neun Jahre alt, von deren Existenz er anlässlich der Beerdigung ihrer Mutter erfährt. Da Moses ein Auto besitzt, wird er beauftragt, das Mädchen zu ihrer Tante zu fahren, die in Missouri lebt. So beginnt eine lange Reise, auf der sich die beiden Figuren zwischen Streichen, Streichen und Betrügereien aller Art kennenlernen. Das Leben gleicht einem großen Spiel, trotz der schwierigen Zeiten. Addie wird zur idealen Komplizin, um Moses’ illegale Geschäfte florieren zu lassen…
Wie üblich entscheidet sich Bogdanovich für einen entschieden anachronistischen ästhetischen Ansatz. Auch wenn der Einsatz von Schwarz-Weiß zum Teil durch die Handlung gerechtfertigt ist, die sich Mitte der 1930er Jahre während der Weltwirtschaftskrise abspielt, so ist diese technische Entscheidung auch ein Mittel, sich vom „New Hollywood“ abzugrenzen und seine Verbundenheit mit der großen Tradition des klassischen amerikanischen Kinos der 1930er und 1940er Jahre zu bekräftigen. Bestimmte am Straßenrand gedrehte Sequenzen verweisen beispielsweise auf „Früchte des Zorns“ (The Grapes of Wrath, 1939), geschrieben von Steinbeck und im Jahr darauf von John Ford verfilmt. Manche Bildkompositionen erinnern an die Architekturfotografien, die Walker Evans zur gleichen Zeit aufgenommen hat. Der vom Filmemacher gewählte Stil verdankt zudem viel Orson Welles, dem Bogdanovich nahesteht und über den er zahlreiche Werke verfasst hat. Es war übrigens Welles, der ihm empfahl, einen Rotfilter zu verwenden, um die Kontraste zwischen Schwarz und Weiß zu verstärken. Ähnlich wie in „Citizen Kane“ (1941) findet sich in „Paper Moon“ ein Spiel mit Schärfe und Tiefenschärfe, das die Wahrnehmung des Zuschauers fördert. Bogdanovich bevorzugt wie sein Mentor Plansequenzen und den Einsatz von Weitwinkelobjektiven, die die Gesichter strecken.
Wie so oft bei Geschichten, in denen zwei Protagonisten aus unterschiedlichen Generationen im Mittelpunkt stehen, ist „Paper Moon“ eine Initiations- und Schelmenfabel. Während sie einen Vater findet, entdeckt die junge Addie gleichzeitig ihre Weiblichkeit. Ihre schauspielerische Leistung brachte ihr im Alter von zehn Jahren den Oscar als beste Nebendarstellerin ein (1974). Ein neuer Star war geboren.
„Paper Moon“ (USA, 1973, 102 Min.), Originalfassung mit französischen Untertiteln, wird am Donnerstag, den 7. April, um 20:30 Uhr
in der Cinémathèque der Stadt Luxemburg gezeigt