Im Rahmen der Reihe „Mafiosi & Mobster Movies“, die derzeit in der Cinémathèque de Luxembourg stattfindet, wird der 50. Jahrestag des Kinostarts von „Der Pate“ (1972) gebührend gefeiert, dem Meisterwerk, das Marlon Brandos Karriere wiederbelebte und Coppola zu einem der größten Filmemacher der internationalen Szene machte. Man könnte fast die unglaublichen Hintergründe dieses Films vergessen und wie sehr die Realität oft schon das Drehbuch vorweggenommen hat. Angefangen bei den abenteuerlichen Dreharbeiten, die von Anfang bis Ende von Joe Colombo überwacht wurden, einer der Bosse der New Yorker Cosa Nostra, der die Gelegenheit nutzte, sich als großzügiger Philanthrop auszugeben, indem er 1970 die Liga zur Verteidigung der Bürgerrechte der Italo-Amerikaner gründete. Eine Medienpräsenz, die jedoch nicht jedem gefiel. Am 28. Juni 1971 wurde der Gangster durch einen Kopfschuss niedergestreckt, überlebte jedoch noch einige Jahre. So wie auch Vito Corleone (Brando) trotz der drei Schüsse, die er am Rande eines Marktes abbekam, davonkam.
Viele weitere Filme haben das Erbe von „Der Pate“ fortgeführt und neu interpretiert. Zu dieser Auswahl gehören Jean-Pierre Melville („Le Deuxième Souffle“, 1966), John Boorman („Point Blank“, 1967) und Park Hoon-jeong („New World“, 2013). Aber auch mehrere italienisch-amerikanische Regisseure, von Scorsese („The Departed“, 2006) über den unvermeidlichen Sergio Leone („Once Upon a Time in America“, 1984) bis hin zu Brian De Palma („Scarface“, 1983). Wie Francis Ford Coppola stammt auch Abel Ferrara aus einer Familie aus Kampanien, der Region um Neapel, in die er 2009 reiste, um „Napoli Napoli Napoli“ zu drehen. Der Filmemacher, der den Ruf hat, so paranoid zu sein, dass er sich in seinem New Yorker Wolkenkratzer einschließt, ist ein seltsamer Vogel, der zum Besten wie zum Schlechtesten fähig ist – ganz wie seine uneinheitliche Filmografie, deren zwei Pole Trash und Anmut bilden, ohne dass es dabei einen Bruch gibt. Daher rührt auch die moralische Unruhe, die seine Figuren quält, die unaufhörlich zwischen Sünde und Erlösung hin- und hergerissen sind, zwischen der Hure und der Heiligen Mary (Juliette Binoche in der Titelrolle von 2005). Ferraras Katholizismus, geprägt von Zweifeln und Schwächen, hat nichts Dogmatisches an sich. Sein gesamtes Werk zeugt im Gegenteil von einem widersprüchlichen Verhältnis zum Glauben, wie es jeder Mensch hat, der mit den vielfältigen Prüfungen des Lebens konfrontiert wurde – vielleicht umso mehr für einen Jungen, der in der wimmelnden Bronx der späten 1950er Jahre aufgewachsen ist. Das Gleiche gilt für Scorsese und die orientierungslosen Jugendlichen in „Mean Streets“ (1973), gespielt von De Niro und Harvey Keitel. Im fernen Hintergrund, aber im Geist der Filmemacher mit italienischen Wurzeln doch so nah, die Leitfigur Pier Paolo Pasolini (1922–1975), dessen hundertsten Geburtstag wir in diesem Jahr mit den restaurierten Fassungen von „Accattone“ (1961) und „Mamma Roma“ (1962) feiern.
Seltsamerweise gehört „The Funeral“, einer der besten Filme von Ferrara, voll und ganz zu den Werken seiner italienisch-amerikanischen Landsleute. Sein düsterer Katholizismus, seine Hell-Dunkel-Beleuchtung, sein häuslicher Fetischismus (Heiligenfiguren, Kruzifixe, Kerzen, Tischsets) fügen sich nahtlos in den Geist des Genres ein. Ebenso wie das Spiel seiner jungen Schauspieler (Vincent Gallo, Benicio del Toro), die alle neben dem gespenstischen Christopher Walken, dem Ältesten einer verfluchten Geschwistergruppe, eine bemerkenswerte Leistung zeigen.
„The Funeral“ (USA, 1996), Originalfassung mit französischen Untertiteln, 98 Min., wird am Montag, den 11. Juli, um 18:30 Uhr in der Cinémathèque de Luxembourg gezeigt