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Kino 4 Min. Lesezeit

Der Kurzfilm sagt viel aus

Als unverzichtbares Highlight des Luxembourg City Film Festivals und der luxemburgischen audiovisuellen Branche präsentierte der Kurzfilmabend neun Projekte unterschiedlichster Genres und Qualitäten

Erschienen in Ausgabe März 2022
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Der traditionelle Abend zur Präsentation der Kurzfilme beim Luxembourg City Film Festival wird ebenso sehnlich erwartet wie gefürchtet. Als Moment des Austauschs und der Begegnung innerhalb der luxemburgischen Filmwelt verspricht der Abend stets, lang und manchmal auch mühsam zu werden. Da die Veranstaltung in diesem Jahr wieder vor Ort stattfindet, ist das Publikum zahlreich erschienen, der Saal ist fast voll, und ein Teil der Elite der luxemburgischen Filmwelt ist anwesend, bestehend hauptsächlich aus den Filmteams der verschiedenen vorgestellten Filme. Fast dreieinhalb Stunden lang werden uns neun Projekte vorgestellt, die jeweils zwischen zwei und dreißig Minuten lang sind und von Regisseuren stammen – ob Debütanten oder nicht –, die sehr unterschiedliche Genres und Herangehensweisen verfolgen. Auch wenn die manchmal fragwürdige Qualität der in den vergangenen Jahren gezeigten Filme diesem Abend einen zweifelhaften Ruf eingebracht hat, lässt uns diese Ausgabe das Gegenteil sagen. Vielleicht ist der Kurzfilm für die Produzenten endlich zu einer eigenständigen Form geworden, die ebenso zu berücksichtigen ist wie der Spielfilm und nicht nur als Entwurf ? Vielleicht ist diese Form für einige einheimische Autoren zu einer eigenständigen kreativen Ausdrucksweise geworden? Jedenfalls war die Qualität der Projekte in diesem Jahr insgesamt gegeben.

Wir haben über die Ironie in „And He Said Yes!“ der Schauspielerin und Regisseurin Gintare Parulyte gelacht, der es mit einer einfachen, manchmal fast schon simplen Erzählweise dennoch gelungen ist, uns in eine rasante Liebesgeschichte voller kultureller Verwicklungen zwischen Greta, der Isländerin, und Thanos, dem Griechen. Auch in „Nucléaire“, dem Debütfilm der Drehbuchautorin, Regisseurin und Casting-Direktorin Roxanne Peguet, geht es um ein Liebesdreieck. Darin inszeniert sie den jungen Jules Waringo, der sich nach und nach auf der Leinwand als unverzichtbarer Schauspieler zu etablieren scheint. Auch wenn der Film noch nicht ganz überzeugt, offenbart Roxanne Peguets Debüt einen ausgeprägten Charakter und eine klare künstlerische Intention in diesem ersten Projekt, das eine Jugend porträtiert, die den Gründen der Liebe ausgeliefert ist, die der Verstand nicht versteht.

In der Reihe der Kinodebüts konnten wir den ungewöhnlichen Animationsfilm „Bright“ von Camille Haumont entdecken, der uns in nur zwei Minuten auf eine psychedelische Reise mitnimmt, die uns – wie sie selbst sagt – dazu einlädt, „ zum Licht zu blicken “. Jonathan Becker, Cousin des Regisseurs Julien Becker, gibt sein Debüt auf der großen Leinwand mit „Bellevue“, einer schwarzen Komödie und einem dramatischen Kammerspiel, das leider die Erwartungen einer vielversprechenden Besetzung – darunter insbesondere Luc Schiltz und Sophie Mousel (Capitani) – nicht erfüllt und dabei das wesentliche Element der Filmproduktion, nämlich die Schauspielführung, außer Acht lässt. Was die erfahreneren Filmemacher betrifft, so bot uns Emile V. Schlesser, der beim letzten Filmpraïs mit seinem Kurzfilm „Vis-à-Vis“ nominiert war, mit seinem Film „Kowalsky“ einen sehr gelungenen Moment familiärer Satire, gekonnt inszeniert und besonders bissig. Ironie und Satire schienen einer der roten Fäden des Abends zu sein, die sich auch in dem Film „Caroline est sur le toit“ von Alejandro Bordier wiederfinden, der uns in ein kleines Dorf an den Ufern der Mosel entführt, dessen Ästhetik ausgefeilter ist als das Drehbuch. Der sehr gelungene Film „Nice not to meet you“ von Sirvan Marogy, der wie jedes Jahr aus dem Wettbewerb „Crème fraîche“ hervorgegangen ist, verbindet ästhetische und dramaturgische Qualitäten mit der Entdeckung einer Reihe von Schauspielern. Auch hier ist Ironie am Werk und zeichnet ein etwas beunruhigendes Bild der Unternehmenswelt.

Dann gibt es noch „Porzellan“ von Felix Keilen mit seiner Ästhetik der Achtzigerjahre und einer ziemlich angespannten Atmosphäre. Es ist mehr als nur ein Kurzfilm, man könnte meinen, es handele sich um eine Szene aus einem Thriller. Und schließlich ein Werk, das sich keiner Kategorie zuordnen lässt – so wie das Kurz- oder in diesem Fall das sehr kurze Format selbst: „Meng Hoer (My Hair)“ des Regisseurs Max Jacoby, der in nur drei Minuten das Porträt eines jungen Mädchens, Olivia, zeichnet – anhand ihrer Beziehung zu ihrem Haar und dessen Aussagekraft hinsichtlich des Verhältnisses zur Andersartigkeit. Dieser Abend, der zwar nach wie vor sehr lang war und nach der Vorführung keinen Raum für Austausch bot, hat uns in diesem Jahr einen schönen Überblick über das aktuelle und zukünftige Filmschaffen geboten und gleichzeitig ein Versprechen darauf gegeben, wie das luxemburgische Kino von morgen aussehen könnte.