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Kino 4 Min. Lesezeit

Brot der Tränen und Lebensfreude

Film aus Luxemburg

Erschienen in Ausgabe Mai 2022
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Nach „Solas“ (1999), „Habana Blues“ (2005), „La voz dormida“ (2011) und „Intemperie“ (2019) kehrt Benito Zambrano mit „Pan de limón con semillas de amapola“ – für den internationalen Markt übersetzt als „Lemon and Poppy Seed Cake“ – in die Kinos zurück. Der Film, eine Koproduktion mit dem luxemburgischen Unternehmen Deal Productions, kommt am 1. Juni in die Kinos. Der Film handelt von Marina, einer Spanierin in den Vierzigern, die ebenso brillant wie nonkonformistisch ist. Eine Frau, die zugleich stark und kühl ist und eine etwas schwerere Last mit sich trägt als der Durchschnitt. So sehr, dass sie ihre Schwester Anna seit vierzehn Jahren nicht mehr gesehen hat und die Heiratsanträge ihres Lebensgefährten Mathias regelmäßig zurückweist. Sie lebt im Senegal, wo sie als Gynäkologin in einem Zentrum für mittellose Frauen arbeitet, muss sich jedoch aufgrund einer Familienangelegenheit dazu durchringen, in ihre Heimat, ein kleines Dorf auf der Insel Mallorca, zurückzukehren. Ein unerwartetes Erbe von einer Unbekannten macht Anna und Marina zu den neuen Besitzerinnen der Dorfbäckerei.

Vor Ort angekommen, beginnt eine überraschende Schnitzeljagd. Während Anna das Geld braucht, um die finanzielle Durststrecke ihres Mannes zu überwinden, möchte Marina vor allem eines: verstehen. Wer ist diese Frau, die ihnen dieses Erbe hinterlassen hat? Was verbindet sie mit ihnen? Diese Rückkehr nach Hause ist eine Gelegenheit, Brücken wieder aufzubauen, sich ihrer Schwester anzunähern und ihre rebellische, jugendliche Nichte kennenzulernen. Das veranlasst sie, den Aufenthalt zu verlängern. Einziger Wermutstropfen: Kurz vor ihrer Rückkehr brachte sie ein kleines Mädchen zur Welt, dessen Mutter in der Entbindungsklinik gestorben war. Marina hat das Baby so sehr ins Herz geschlossen, dass sie beschließt, es zu adoptieren. Dazu muss sie nach senegalesischem Recht so schnell wie möglich in den Senegal zurückkehren und Mathias heiraten.

Nun beginnt ein Wechselbad widersprüchlicher Gefühle, mit denen Marina so gut wie möglich zurechtkommen muss – mit Hilfe ihrer ehemaligen Kollegen und der Leiterin des Waisenhauses im Senegal sowie der Unterstützung ihrer Schwester, ihrer Nichte und ihrer temperamentvollen Vermieterin. Erst dank der Ratschläge ihrer Vermieterin gelingt es Marina nach und nach, von der schweigsamen und jähzornigen Catalina akzeptiert zu werden, der einzigen Angestellten der Bäckerei und offenbar der Einzigen, die Antworten auf die Fragen der beiden Schwestern hat.

Ein Sandkorn, das ein vorgezeichnetes Schicksal durcheinanderbringt, ist ein Klassiker des Kinos und der Literatur. „Pan de limón con semillas de amapola“ ist übrigens die Verfilmung des Bestsellers von Cristina Campos. Dass die durch dieses Sandkorn ausgelösten Veränderungen das Leben letztendlich verbessern, ist ebenso klassisch. Und Geschichten, die eine Rückkehr zu den Wurzeln und zu einfachen Werten – wie zum Beispiel dem Brotbacken – predigen, gibt es wie Sand am Meer. Der Film hat daher nicht viel Revolutionäres oder Innovatives an sich. Wir befinden uns in einem Kino, das akademischer nicht sein könnte. Aber alles ist gut gemacht! Von der – überwiegend weiblichen – Besetzung über die Tonmischung bis hin zur Kameraführung, den Kulissen, dem Rhythmus und natürlich der Erzählung fesselt der Film den Zuschauer und lässt ihn keine Sekunde los. Der Regisseur dosiert gekonnt kleine Informationshäppchen, die die Handlung auf ihr bittersüßes Ende hinführen. Unglaublich tränenreich und zugleich ein absolutes Wohlfühl-Erlebnis!

Der Film wurde in Spanien mit einem überwiegend spanischen Team gedreht und von Luxemburg koproduziert. „Die Geschichte hat uns sehr gut gefallen“, erklärt die großherzogliche Koproduzentin Alexandra Hoesdorff. Sie fährt fort: „ Uns hat gefallen, dass er auf einem Bestseller basiert, dass er in Spanien spielt – einem Land, mit dem wir noch nie zusammengearbeitet hatten – und dass es sich um eine Familiengeschichte und eine Frauengeschichte handelt. Geschichten über Frauen, und vor allem Geschichten über Frauen in diesem Alter, sind ziemlich selten “, betont sie.

Dieser Film entspricht dieser Definition perfekt. Luxemburg hat somit seine Kompetenzen in den Bereichen Maske (Jasmine Schmit), Kostüme (Magdalena Marczynska), Spezialeffekte (Raoul Nadalet) und Postproduktion im Allgemeinen (Espera und Philophon) in den Film eingebracht ; aber das Publikum wird darin auch einige Worte in Dicks’ Muttersprache hören können. Die Figur des Mathias – der sich hauptsächlich auf Englisch ausdrückt – wird nämlich von dem luxemburgischen Schauspieler Tommy Schlesser gespielt. „ Mathias war von Anfang an als ausländische Figur vorgesehen“, fährt Alexandra Hoesdorff fort. „Der Regisseur suchte nach einer Figur, die sich vom üblichen spanischen Typ unterscheidet. Er wollte jemanden, der groß und blond ist. Wir haben einige Schauspieler vorgeschlagen, und es war schnell klar, dass Tommy wie geschaffen für die Rolle war “. Zwar eine Nebenrolle, aber gleichzeitig eine zentrale Figur in diesem Film, dessen Geschichte so schön ist wie die Liebe zwischen Marina und Mathias. Eine starke und allumfassende Liebe, die jedoch nicht um die Turbulenzen des Lebens herumkommt.