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Kino 3 Min. Lesezeit

Allein gegen alle

Cinémasteak

Erschienen in Ausgabe Juli 2021
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Nach „Les Petites marguerites“ (1966) und „Mimi métallo blessé dans son honneur“ (1972) wird die Reihe „Female Gaze“ in der Cinémathèque de Luxembourg diese Woche mit Kathryn Bigelows Film „Zero Dark Thirty“ (2012) fortgesetzt, der sich der Jagd auf Osama bin Laden widmet. Mit diesem kraftvollen Spielfilm, der von den neuesten, von der CIA entwickelten Technologien angetrieben wird, greift die ehemalige Lebensgefährtin von James Cameron ein heikles Thema auf – angesichts der zahlreichen Opfer und trauernden Familien –, das zugleich kommerziell vielversprechend ist, da jeder noch die schrecklichen Live-Bilder des brennenden World Trade Centers vor Augen hat. Das Ereignis hat nicht nur das Bewusstsein der Menschen geprägt, sondern auch eine neue Ära eingeläutet: In dem Maße, wie sich die terroristische Bedrohung weltweit ausbreitete, drangen Überwachungskameras immer stärker in den öffentlichen Raum vor. Seitdem wurde der Begriff „Unsicherheit“ noch nie so häufig für politische Zwecke instrumentalisiert…

Obwohl dieses dramatische Gründungsereignis leider allen bekannt ist, wird es hier in keiner Weise dargestellt. Kathryn Bigelow zieht es vor, „Zero Dark Thirty“ mit einer Trauerphase auf einem schwarzen Bildschirm zu beginnen, auf dem allein der Ton die Katastrophe wiedergibt, indem er die letzten Worte eines unter den Trümmern begrabenen Opfers zu hören gibt. Zwei Jahre später, im Jahr 2003, wird der Zuschauer in das streng bewachte Gelände der „ Black Sites “ der US-Regierung geführt, von denen die bekannteste zweifellos die in Guantánamo (Kuba) ist. Dort wie auch anderswo hatte die Bush-Regierung Praktiken angewandt, die zweifelhaft und aus Sicht der US-Verfassung illegal waren, wie beispielsweise die „verstärkten Verhörmethoden“ (enhanced interrogation techniques), die die Filmemacherin unverblümt zeigt. So sieht man einen Häftling, der einer Scheinertränkung ausgesetzt und anschließend wie ein Hund an der Leine geführt wird – eine kaum verhüllte Anspielung auf ein Foto, das aus der Hölle des Abu-Ghraib-Gefängnisses im im Irak (auf das auch die Serie „Homeland“ Bezug nimmt, die der Veröffentlichung von „Zero Dark Thirty“ um ein Jahr vorausging). Was Barack Obama, nachdem er das Präsidentenamt übernommen hatte, schlicht und einfach als Folter bezeichnete.

Solche Bilder, die wiederum die Empfindsamkeit des Zuschauers verletzen, dienen keinem anderen Zweck, als die schädliche Politik von George W. Bush anzuprangern. Der Rest des Films konzentriert sich darauf zu zeigen, dass Intelligenz, Geduld und Beharrlichkeit bei der Arbeit – allesamt Tugenden, die der von Jessica Chastain brillant dargestellten Protagonistin zuzuschreiben sind – wirksamer sind als jegliche Zwangsmaßnahmen oder körperliche Verstümmelungen. Sie ist also der Kopf der CIA, die einzige Frau inmitten von Männern in Anzügen oder GI-Uniformen, die so oft allein darum kämpft, das Versteck des Feindes Nummer eins der Vereinigten Staaten aufzuspüren. Durch das Porträt dieser Figur zeichnet sich im weiteren Sinne auch das der Filmemacherin ab, die 2010 als erste einen Oscar für „The Hurt Locker“ (2008), die ebenfalls die Aufgabe hat, mit ihrem Fachwissen die ihr am Set zur Verfügung stehenden technischen und kreativen Teams zu koordinieren. Der Erfolg der „sanften“ Methoden des amerikanischen Geheimdienstes stellt schließlich eine klare Unterstützung von Kathryn Bigelow für die Politik Obamas dar, der diese missbräuchlichen Praktiken anprangerte und beendete, ohne jedoch das Lager in Guantánamo schließen zu können. So kommt in diesem Hightech-Film, der formal etwas konventionell anmutet, darüber hinaus der Gegensatz zwischen zwei Denkweisen über die Würde und die Führung der Menschen zum Ausdruck.

Zero Dark Thirty (USA, 2012), Originalfassung mit französischen Untertiteln, 157’, wird am Freitag, den 23. Juli, um 19 Uhr in der Cinémathèque de la Ville de Luxembourg gezeigt