Die Regierungschefs Frankreichs und Luxemburgs bemühen sich, ihre jeweilige Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass das Rentensystem reformiert werden muss – kurz gesagt: dass man länger arbeiten muss –, um sicherzustellen, dass die Renten auch in Zukunft weitergezahlt werden können. Auch wenn sich die vorgeschlagenen Änderungen im Detail unterscheiden, haben diese Reformen doch denselben Mangel: Sie gehen davon aus, dass die derzeit auf diesem Planeten herrschenden Bedingungen – jene, die es heute ermöglichen, die für die Rentenzahlungen notwendigen Überschüsse zu erwirtschaften – in fünf, zehn, zwanzig oder dreißig Jahren unverändert bestehen bleiben werden. Man setzt darauf, dass das heute eingezahlte Geld in Zukunft eine vergleichbare Kaufkraft haben wird und dass die Beträge ohne Fehlerrisiko übertragen werden können.
Angesichts des derzeitigen Stands der Klimapolitik – sei es auf nationaler, europäischer oder globaler Ebene – handelt es sich hierbei um ein mehr als riskantes Unterfangen. Denn die angebliche wirtschaftliche Rationalität, mit der sich die Regierungen brüsten, lässt die geophysikalischen Realitäten außer Acht. Anstatt sich auf den ökologischen Wandel vorzubereiten, wird die Gesellschaft dazu aufgefordert, sich in hochtechnische Debatten über die Finanzierung der Renten zu stürzen – was den Regierungen nebenbei die Gelegenheit bietet, die eine Arbeitnehmergruppe gegen die andere auszuspielen und so vom Wesentlichen abzulenken.
Länger arbeiten – ein Konzept, das als buchhalterische Selbstverständlichkeit dargestellt wird – ist in Wirklichkeit eine Absurdität, die auf dem Mythos des unendlichen Wachstums und dessen Gegenstück, dem übermäßigen Konsum, beruht. Ganz zu schweigen davon, dass es grundsätzlich ungerecht ist, ältere Menschen, die besonders schutzbedürftig sind, dazu zu zwingen, länger im Arbeitsalltag zu schuften.
In Frankreich hat die Regierung argumentiert, dass die Reform nicht nur die Nachhaltigkeit der Renten gewährleisten, sondern auch Handlungsspielraum für ihre Politik in den Bereichen Bildung, Gesundheit und ökologischer Wandel schaffen würde. Doch diese Behauptung ist nicht stichhaltig: Die angeblich aus der Reform resultierenden Überschüsse sollen gar nicht für diese anderen Politikbereiche zur Verfügung stehen. Zudem ist es unverständlich, den ökologischen Wandel durch eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit finanzieren zu wollen, während die Regierungen weiterhin fossile Energien subventionieren, indem sie beispielsweise die Steuerbefreiung für Kerosin beibehalten oder – wie in Luxemburg – den Ausstieg aus dem Tanktourismus endlos hinauszögern. Die Debatten über die Renten sind ein Aspekt der Obsession unserer Gesellschaften, um jeden Preis einen Status quo aufrechtzuerhalten, der doch unhaltbar ist.
Ein weiterer klimazerstörerischer Aspekt der sowohl in Frankreich als auch in Luxemburg geplanten Reformen besteht darin, dass sie einen wachsenden Teil der Arbeitnehmer dazu ermutigen oder sogar zwingen könnten, auf kapitalgedeckte Systeme umzusteigen. Wenn man bedenkt, wie schwierig es in Luxemburg ist, den Ausgleichsfonds dazu zu bewegen, auf Investitionen in fossile Energien zu verzichten, kann man sich vorstellen, wie schwer es sein wird, private Pensionsfonds dazu zu zwingen, solche Anlagen aufzugeben.
An Instrumenten mangelt es jedoch nicht, um die Arbeitswelt und die Altersversorgung mit den ökologischen Erfordernissen in Einklang zu bringen. Im Gegenteil: Gerade durch die Entscheidung, weniger zu arbeiten – sei es pro Woche, pro Jahr oder über die gesamte berufliche Laufbahn hinweg –, können sich Gesellschaften den Handlungsspielraum verschaffen, den sie benötigen, um die erforderlichen Veränderungen einzuleiten. Man muss neu überdenken, was man produziert, zu welchem Zweck und unter welchen Bedingungen, anstatt mit allen Mitteln zu versuchen, die Kassen zu füllen. Ein weiterer, allzu oft vernachlässigter Ansatz ist das garantierte Grundeinkommen, das, logischerweise auch auf Senioren ausgeweitet, den Bürgern eine minimale finanzielle Sicherheit bieten würde, damit sie sich persönlich an den gewaltigen Vorhaben der Dekarbonisierung und der Wiederherstellung der natürlichen Systeme beteiligen können, anstatt darauf zu warten, dass diese ausschließlich von den Behörden initiiert und verwaltet werden.