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Gesellschaft 3 Min. Lesezeit

Wieder eine zum Scheitern verurteilte COP

Chroniken aus der Notaufnahme

Erschienen in Ausgabe Dezember 2022
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Eine COP folgt der nächsten, und alle gleichen sich. Nach der Klimakonferenz auf der Sinai-Halbinsel, deren Ergebnisse äußerst enttäuschend waren, ist vom 7. bis 19. Dezember in Montreal eine Vertragsstaatenkonferenz geplant, um eine Bestandsaufnahme der UN-Konvention über die biologische Vielfalt (CBD) vorzunehmen. Die Prognosen geben kaum Anlass zu Optimismus: Alles deutet darauf hin, dass in Kanada keine Entscheidungen getroffen werden, die das sechste große Artensterben eindämmen könnten.

Die COP-Konferenzen zur biologischen Vielfalt finden zwar weniger Beachtung in den Medien als die der UNFCCC (Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen), sind aber nicht weniger wichtig. Während sich die Anzeichen für einen rasanten Artenrückgang zu einem alarmierenden Gesamtbild verdichten, bereiten sich die Regierungen darauf vor, die Verantwortung abzuschieben und Zeit zu schinden.

Die Bilanz ist jedoch ernüchternd. Die Artenvielfalt bricht vor unseren Augen zusammen – unter dem kombinierten Einfluss von Lebensraumverlust, invasiven Arten, Umweltverschmutzung, Klimawandel und Krankheiten. Wie beim Klima steht der Einfluss des Menschen auf diese Zerstörung, die auf 2,5 Prozent pro Jahr beziffert wird, außer Frage. Wie beim Klima haben die Regierungen ehrgeizige Versprechen abgegeben, um der Dezimierung der Biosphäre entgegenzuwirken. Wie beim Klimawandel scheint auch der nächste Gipfel, der sie retten soll, unweigerlich dazu bestimmt zu sein, an den Klippen des Egoismus und der Kurzsichtigkeit zu zerschellen.

Ein in dieser Woche veröffentlichter UN-Bericht gibt einen Überblick über den schlechten Gesundheitszustand des Great Barrier Reef, des größten Korallenriffs der Welt. Dieses vor der Küste Australiens gelegene, 2.300 km lange, schillernde Naturparadies, das seit 1981 zum Weltkulturerbe gehört, leidet unter der Erwärmung der Ozeane, sowie unter Sediment- und Düngemitteleinträgen, Plastikverschmutzung und Fischerei, die regelmäßig zu Korallenbleiche führen. Während der wissenschaftliche Ausschuss der UNESCO im vergangenen Jahr das Great Barrier Reef auf die Liste des „gefährdeten“ Weltkulturerbes setzen wollte, setzte die australische Regierung durch, dass eine Expertenkommission beauftragt wurde. Deren Fazit: Die Regenerationsfähigkeit dieses einzigartigen Ökosystems ist ernsthaft gefährdet.

Auch wenn sich die Aussichten für diesen Naturschatz seit den Wahlen im vergangenen März, bei denen die Labour-Partei die Konservativen an der Spitze des Inselkontinents abgelöst hat, sich die Aussichten für diesen Naturschatz zwar etwas verbessert haben, symbolisiert sein scheinbar unausweichlicher Verfall doch deutlich die kollektive Unfähigkeit der Menschheit, das Geflecht der Lebewesen zu bewahren, aus dem sie selbst hervorgegangen ist. Nicht nur die Korallen weltweit sind in Gefahr, sondern die gesamte Artenvielfalt auf globaler Ebene ist bedroht. Die Menschheit sägt den Ast ab, auf dem sie sitzt, und die Regierungen weltweit „ sind nicht zur Stelle “, stellt Tanya Steele, die Leiterin der britischen Sektion des WWF, bitter fest.