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Gesellschaft 3 Min. Lesezeit

Luxus, Ruhe und Genuss

Die sogenannten „Yvan-Beschwerden“

Erschienen in Ausgabe September 2023
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Reporter.lu hat Luxemburgs am schlechtesten gehütetes Geheimnis gelüftet, und Déi Lenk hat in einer kürzlich abgehaltenen Pressekonferenz den Nagel in den – wie sie hoffen – Sarg des Staatsrats geschlagen, dessen – man muss es wohl so nennen – Funktionsstörungen sie aufgezeigt haben. Hier ist endlich eine Partei, die das Kind beim Namen nennt, denn das, was man weiterhin als „Haute Corporation“ bezeichnet, spielt Katz und Maus mit unserer Demokratie. Wir erfahren unter anderem, dass sich der Bauträger Becca den Luxus leistet, dort mindestens einen Maulwurf in seinen Diensten zu haben. Dass dieser hochkarätige Berater in einem Parallelleben auch als Berater für eben diesen einen Kunden tätig ist, der ihm im vergangenen Jahr Dividenden in Höhe von rund 289.000 Euro einbrachte. Eine (schwarze) Kasse, die sich wirklich lohnt! Die Partei „Déi Lénk“ wirft dem Berater „Korruption“ vor, weil er dem Bauträger wenige Stunden vor Ablauf der Abstimmungsfrist eine ergänzende Stellungnahme des Staatsrats zu einem Aspekt des Krankenhausgesetzes übermittelt hat. Und wie es der Zufall so will, würde Becca gerne medizinische Außenstellen in Räumlichkeiten ihres Imperiums ansiedeln. Flav, wie ihn seine Vertrauten nennen, kann sich somit rühmen, den Staatsrat in einen Berater seines eigenen Imperiums verwandelt zu haben. Verflucht sei, wer Böses dabei denkt! Aber vielleicht wollten die ehrenwerten 21 Korporatisten einfach nur beweisen, dass ihre Institution nicht dieses „geschlossene Haus ist, in dem nur große intellektuelle Diskussionen geführt werden“, wie Agny Durdu einmal auf RTL-Radio behauptete.

In unseren Nachbarländern hätte dieser regelrechte Skandal den Berater zum Rücktritt gezwungen. In unserer Finanzmonarchie ist davon jedoch nichts zu spüren, wo alle anderen Parteien die berühmten Makaken nachahmen, die sich Augen, Ohren und Mund zuhalten. Yvan seinerseits zieht es vor, sich angesichts dieses Dufts, der das, was von unserer Demokratie noch übrig ist, durchzieht, die Nase zuzuhalten. Denn Déi Lénk haben noch viele weitere Interessenkonflikte innerhalb eines Rates angeprangert, der nach wie vor fest in den Interessen der besitzenden und herrschenden Klasse verankert ist. Was schließlich seine Rolle ist, die nie wirklich grundlegend reformiert wurde. Denn man muss wissen, dass er 1856 von König Großherzog Wilhelm III. ins Leben gerufen wurde, um die Interessen derer zu verteidigen, die man damals noch nicht als Eliten bezeichnete, angesichts der vermeintlichen revolutionären Bestrebungen der Abgeordnetenkammer. Es gab eine Zeit, in der die Sozialisten zu den leidenschaftlichsten Verfechtern einer Reform dieser „ hohen “ Institution zählten. Heute stehen sie an ihrer Spitze. Was die Grünen betrifft, die in längst vergangenen Zeiten ebenfalls lautstarke Kritiker dieses Gremiums waren, so kommen sie heute sehr gut mit den Grünen in diesem Gremium zurecht.

Wir möchten jedoch warnen: Solange in der Rue Sigefroi Nr. 6 weiterhin Luxus, Ruhe und Genuss herrschen, werden Populisten und Verschwörungstheoretiker Stimmen einfahren, die dort eigentlich nichts zu suchen haben.

Ceterum censeo : In einer Zeit großer gesellschaftlicher Debatten über den Beginn und das Ende des Lebens sowie über Geschlechterfragen wäre es sinnvoll, mehr Philosophen und Fachleute aus dem Gesundheitswesen in einen reformierten Staatsrat zu berufen. Übrigens hatte Yvan vor nicht allzu langer Zeit vor, sich selbst auf einen „langen Marsch durch die Institutionen“ zu begeben, wobei er den berühmten Satz von Groucho Marx etwas abwandelte: Er bewirbt sich immer nur bei Vereinen, die ihn nicht aufnehmen.

Ceterum censeo bis : Das „Panachage“ bei den Wahlen ist das, was das „Panaché“ beim Bier ist: ein „Weder-noch“, ein Geschmacksvergehen !