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Gesellschaft 3 Min. Lesezeit

Ein Amerikaner in Rom

Die sogenannten „Yvan-Beschwerden“

Erschienen in Ausgabe Mai 2025
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Wetten, dass Gershwin es sich nicht nehmen lassen hätte, aus dem gerade zu Ende gegangenen Konklave ein Musical zu machen? Stellt euch 133 Tänzer vor, allesamt Männer und eher älter (aber nicht zu alt), in Gewändern und Kappen, die sich gegenseitig mustern und zu einem wilden Gospel-Rhythmus herumstolzieren. Am Ende der Sequenz jedoch kein weißer Rauch für einen schwarzen Papst. Nach dem argentinischen Papst hätte ein afrikanischer Gewählter doch durchaus Eindruck gemacht und hätte nebenbei die Progressiven – die in einem Papst aus dem Globalen Süden eine Öffnung gegenüber der Welt der Armen gesehen hätten – mit den Konservativen versöhnt, die die reaktionäre Ausrichtung eines afrikanischen Kardinals begrüßt hätten. Der ehemalige Abbé Robert Francis Prevost, der nun Papst Leo XIV. ist, dürfte eher der Oper zugeneigt sein, wenn man sich auf seinen Namensvetter aus dem 17. Jahrhundert bezieht, der Puccini zu „Manon Lescaut“, einer seiner ersten Opern, inspirierte.

Wo Rauch ist, ist auch Feuer, Herr Papst, und ob mit oder ohne Konklave – seit zwei Jahrtausenden vernebeln die Händler des Opiums des Volkes die Welt. Im Gegensatz zu den anderen monotheistischen Religionen hatte der Katholizismus den Geniestreich, sich von einem einzigen Oberhaupt leiten und vertreten zu lassen – einer idealen Identifikationsfigur für die Gläubigen und einer Projektionsfläche für all ihre antiklerikalen Fantasien für die Ungläubigen. Muss man noch erwähnen, dass zu letzteren eine ganze Reihe von Getauften gehört, die die Kirche schamlos zu ihren 1,4 Milliarden Anhängern zählt, die der Papst angeblich vertritt?

„Darunter ich und ich und ich“, hätte Jacques Dutronc singen können. Es stimmt, dass ich am Tag von François’ Tod um ein Jahr gealtert bin. Seht darin keinen Kausalzusammenhang, sondern vielmehr das Gesetz der Kontingenz, jene Kontingenz, die die Kirche unablässig bekämpft. Bei den Katholiken wird die Kontingenz – unter Insidern auch „Zufall“ genannt – vom Heiligen Geist an sich gerissen, jenem, der eigentlich die Wahl der im Konklave versammelten Kardinäle leiten soll. Nach Ansicht der meisten Beobachter und Beobachterinnen (denn Frauen haben in der Kirche zumindest das Recht zu beobachten, ja sogar zu kommentieren) hat sich der Heilige Geist ziemlich gut aus der Affäre gezogen. Auch wenn es unseren Landsleuten nicht passt: Er hat den Amerikaner dem Luxemburger vorgezogen, Lance Armstrong vor Charlie Gaul.

Nach dem Jesuiten nun der Augustiner! Wird er ein linker Papst sein? Da kann man genauso gut vom Wein verlangen, dass er sich in Weihwasser verwandelt! Aber nicht jeder kann Jesus sein! Es kostet zwar nichts, (willkommene und notwendige) Reden zu halten, in denen Krieger zum Frieden, Reiche zur Nächstenliebe und Umweltverschmutzer zum Klimaschutz aufgerufen werden, doch ganz anders sieht es aus, wenn es darum geht, gesellschaftliche Reformen zu predigen. Die Exegeten diskutieren nach wie vor über die Haltung von Franziskus gegenüber Homosexuellen: Homophilie oder Homophobie? Wer bin ich, dass ich über sie urteilen könnte, vertraute er einmal den Journalisten an, während er ihre Praxis weiterhin als Sünde betrachtete. Aber Vorsicht: Eine Sünde wie jede andere auch, zum Beispiel Ehebruch. Und da die Kirche die Ehe für alle weiterhin verbietet, ist die Argumentation jesuitisch und unumstößlich. Q.E.D. Denn der Papst ist der Papagei des Evangeliums. Er blendet alles aus, was die Bruderschaft der Apostel und anderer Jünger an latenter und unausgesprochener Homosexualität nahelegt, und beschränkt sich darauf, das Fehlen von Frauen in diesen Zirkeln hervorzuheben und damit ihre Nichtweihe zu rechtfertigen. Q.E.D. bis. In der Welt der Kardinäle hat die Frau nicht die Hosen an.