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Gesellschaft 5 Min. Lesezeit

Das eine ist der Grund, das andere nicht

Die sogenannten „Yvan-Beschwerden“

Erschienen in Ausgabe Februar 2026
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Haben Sie in den letzten Monaten etwas vom Umweltminister gehört? Wahrscheinlich kaum, denn der Betroffene zeichnet sich durch seine Zurückhaltung aus. „Um gut zu leben, muss man im Verborgenen leben“, muss er sich wohl sagen, wenn er sich weigert, auf bestimmte Anfragen der Presse einzugehen. Indem er sich aus dem Wald heraushält, den er eigentlich schützen soll, kann er in gutem Einvernehmen mit seiner Kollegin aus dem Landwirtschaftsressort leben und steht nicht im Schatten des Credos der neuen CSV, die die sogenannten Verbote der Grünen durch ein „Mach, was du willst“ und „Lass es einfach laufen“ ersetzt. Es stimmt zwar, dass sich die CSV lediglich dem neuen Zeitgeist anpasst, der das zunichte macht, was das vergangene Jahrzehnt zaghaft in Gang gesetzt hatte.

Haben Sie schon von dem Chirurgen gehört, dem die Gesundheitsministerin das Operieren untersagt hat, der aber bereits zuvor von seinem eigenen Krankenhaus suspendiert worden war? Wahrscheinlich viele. Denn der Betroffene wehrt sich heftig – was für einen Chirurgen ja auch das Mindeste ist – und verkündet seine Empörung lautstark auf allen Dächern und im gesamten Internet: Auf seiner Website ruft er seine Freunde, Kollegen und vor allem seine Patienten zur Solidarität auf, da er der Ansicht ist, dass diese ebenso wie er selbst Opfer einer „Hexenjagd“ seien, die von der Ärztekammer und der Gesundheitsministerin inszeniert werde. Seine Patienten für einen Kampf zu mobilisieren, der bisweilen an Paranoia grenzt, gegen das, was als Ungerechtigkeit oder gar Rache empfunden wird, ist ein zutiefst unmedizinisches Vorgehen, das jeglicher Berufsethik widerspricht. Indem er seine Patienten in seinen Kampf einbezieht, beweist der Arzt kaum Empathie für deren Leiden.

Empathie ist jedoch die wichtigste Eigenschaft eines Arztes, selbst wenn er Kniechirurg ist. Das „Ich-Wir“ ist in der Tat das Paradebeispiel für die Beziehung, die das „Ich“ solidarisch mit der Gemeinschaft des „Wir“ verbindet. Sei es das persönliche Gespräch, das die Arzt-Patienten-Beziehung begründet, oder das multidisziplinäre Team, das den Patienten im Krankenhaus versorgt. In einem solchen Rahmen den Premierminister einzuschalten, zeugt bestenfalls von schlichter Unkenntnis der Funktionsweise unserer Institutionen, schlimmstenfalls von Unaufrichtigkeit und Größenwahn. Es sei hier lediglich daran erinnert, dass die Ärztekammer und damit auch die Ministerin dem Chirurgen vorwerfen, Kniebänder ohne echte Indikation operiert zu haben. Erinnern wir uns auch daran, dass die Robert-Schuman-Krankenhäuser den Betroffenen bereits vor diesen Vorsichtsmaßnahmen vom Dienst suspendiert haben und dass die Anzeigen nicht anonym sind, sondern von sechs kompetenten und anerkannten Fachärzten unterzeichnet und verantwortet werden.

Da der Unterzeichner ebenso wie die Öffentlichkeit keine Fachkenntnisse auf dem Gebiet der Orthopädie besitzt, müssen nun die Experten und die Justiz in aller Ruhe ihre Arbeit verrichten können; doch der Betroffene sollte bedenken, dass das Gefühl täuscht, anstatt sich darüber zu beschweren, dass die öffentliche Meinung, die er doch selbst geweckt hat, ihn nun beschuldigt, mit den Knien herumzuspielen, um sich die Taschen zu füllen und seine Kieselsteine in Juwelen zu verwandeln, und damit gewissermaßen nach Haaren in der Suppe sucht. Und hüten wir uns davor, Verfahrensfehler mit möglichen medizinischen Fehlern in einen Topf zu werfen.

Wie Sie sicher schon erraten haben, ist der „berühmte Unbekannte“ der leibliche Bruder des „berühmten Bekannten“. Aus Enttäuschung darüber, dass Ersterer nicht zum Vorsitzenden ihrer gemeinsamen Partei gewählt wurde, hat Letzterer die CSV verlassen, um sich der DP anzuschließen. Während der Erstere sich weigert, die Presse zu empfangen, wenn das Interview nicht zu einer „Win-Win“-Situation führt, hat der Zweite die Dienste einer Kommunikationsagentur in Anspruch genommen, um für seine Sache zu werben. Doch Medizin ist keine Frage der Kommunikation, ebenso wenig wie sie eine Frage des großen Geldes ist. Heute droht sie in Luxemburg jedoch in solche Abgründe abzudriften. Die einseitige Kündigung der Vereinbarung zwischen den Gesundheitsdienstleistern und der CNS durch die AMMD, den Ärzteverband, sowie das Projekt der Findel-Clinic (zu deren Förderern der suspendierte Chirurg gehört) gehen in Richtung der vielgeschmähten Zwei-Klassen-Medizin.

Als Psychiater sehe ich darin das Symptom einer Gesellschaft, die den Sinn für Solidarität und Maß verloren hat und in Bürgern wie auch in Patienten keine echten Menschen mehr sieht, sondern Konsumenten und Nutzer. In den letzten Wochen haben die Presse und die sozialen Netzwerke einen regelrechten „Wilmes-Skandal“ inszeniert. Auf der einen Seite stehen die „Wilmesards“, die eher rechtsstehend sind und eine ultraliberale Medizin bejubeln, die sich solidarisch mit demjenigen zeigen, der für eine solche Praxis kämpft, und auf der anderen Seite die „Antiwilmesards“, die eher linksorientierten Verfechter des solidarischen Systems, wie wir es noch kennen, die sich im Großen und Ganzen an die von den Robert-Schuman-Krankenhäusern, der Ärztekammer und der Ministerin empfohlenen Vorsichtsmaßnahmen halten.

Doch die Medizin in Luxemburg verfügt noch über Trümpfe, um den kommerziellen Auswüchsen Einhalt zu gebieten. Allen voran die überwiegende Mehrheit ihrer Ärzte und Pflegekräfte. Und während manche nach Findel gehen, um dort eine Klinik zu eröffnen, deren Anglizismus an den angelsächsischen Produktivismus erinnert, so gehen andere dorthin, um ins Flugzeug zu steigen und in Krisengebiete zu reisen, um dort Opfer zu versorgen – wovon insbesondere das sehr aufschlussreiche Buch „Ärzte ohne Grenzen“ zeugt, das Gaston Carré gerade anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Organisation veröffentlicht hat. Was ihre „Konkurrenten“ von „Médecins du Monde“ betrifft, so kümmern sie sich um die Benachteiligten (nicht nur) unseres Gesundheitssystems. Sie alle legen stets den Eid des Hippokrates mit nur einem „i“ und nicht mit zwei ab. p