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Bücher 4 Min. Lesezeit

Verflucht seien sie!

Das Autorenduo Arnaud Delalande und Éric Liberge kehrt mit einer historischen Biografie in die Buchhandlungen zurück: „Fritz Lang, der Verfluchte“. Ein großartiges Album, das Comic-Fans, Filmfans und Liebhabern der Zeitgeschichte gleichermaßen gefallen wird.

Erschienen in Ausgabe April 2022
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Fritz Lang. Schon allein die Erwähnung dieses Namens lässt Filmfans gewöhnlich erschauern. Der „Meister der Finsternis“, der 1890 in Wien geboren wurde und 1976 in Beverly Hills starb, hinterließ ein beeindruckendes filmisches Werk: „Der müde Tod“, „Doktor Mabuse, der Spieler“, „Die Nibelungen“ oder auch „Metropolis“ und „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“. Sein Name bleibt somit für immer mit dem deutschen Expressionismus verbunden. Eine Filmografie voller Meisterwerke, die Filmstudenten unbedingt gesehen haben müssen, die Kritiker gerne zitieren und denen Regisseure gerne Tribut zollen … Filme, die vor allem fest in ihrer Zeit verankert sind. Wenn die Filme interessieren, dann natürlich Arnaud Delalande und Éric Liberge, die Autoren von „Fritz Lang, der Verfluchte“, der Drehbuchautor (Le Dernier Cathare, Surcouf, Aliénor oder in jüngerer Zeit Après la rafle, Arnaud Beltrame und Musidore) und der Zeichner (Camille Claudel, „Les Corsaires d’Alcibiade“, „Le Suair“…), interessieren sich jedoch mehr für das Leben von Fritz Lang als für sein Werk.

Die Geschichte beginnt am 25. September 1920. Ein besonderes Datum im Leben von Lang, denn an diesem Tag, kurz nachdem sie ihren Mann mit der Drehbuchautorin Thea von Harbou im Bett erwischt hatte, wurde seine Frau Elisabeth Rosenthal tot aufgefunden – mit der Browning ihres Mannes neben sich und einer Kugel in der Brust. Selbstmord, Mord, Unfall? Genau wie die offizielle Version bleibt auch die Darstellung der Autoren in dieser Hinsicht vage, doch diese makabre Tatsache ermöglicht es Delalande und Liberge, die Kulisse zu schaffen und ihre Erzählung ausgehend von diesem Ausgangsmaterial zu verweben: Tod und Schuld, die das Werk von Lang prägen werden.

Diese Tragödie, die sich bereits auf der zweiten Seite der Erzählung ereignet, veranlasst auch einen Polizisten, der gekommen ist, um diesen gewaltsamen Tod zu untersuchen, zu der Aussage: „Diese beiden sind verflucht. Manchmal frage ich mich, ob wir das nicht alle sind, auf die eine oder andere Weise. Das muss an Deutschland liegen. Und zweifellos auch an der Zeit.“ Die Geschichte wird diesem Kommissar leider Recht geben. Die kleine Geschichte, die von Fritz Lang und Thea von Harbou, aber auch die große Geschichte: Der Erste Weltkrieg liegt noch nicht lange hinter ihnen, und die Anfänge des Nationalsozialismus liegen nicht weit vor ihnen.

Auf 112 Seiten begleiten die Autoren Fritz Lang, zunächst anhand mehrerer Rückblenden: 1909 in Wien, als er mit seiner Familie und vor allem mit seinem Vater brach, der wollte, dass er Architekt wird, in Paris im Jahr 1913, als er „Fantômas“ von Louis Feuillade entdeckte, dann erneut in Wien im Jahr 1914, als der Kriegsausbruch ihn auf französischem Boden zum Feind machte, sowie später in den Schützengräben in den Jahren 1915 und 1916 – wo der junge Mann siebenmal ausgezeichnet wurde, jedoch die Sehkraft seines rechten Auges verlor, was ihn später in den exklusiven Kreis der „Einäugigen von Hollywood“ zusammen mit John Ford und Raoul Walsh – und schließlich in Berlin, der zerstörten Hauptstadt, aber vor allem der Hauptstadt der deutschen Filmkunst, wo „Kinos und Produktionsfirmen rund um die Friedrichstraße florieren“.

Dort sammelte Lang erste Erfahrungen: Zunächst als Drehbuchautor, wurde er bald zum Regisseur. Erfolge und Misserfolge folgten aufeinander, und schon bald erwarb sich Lang am Set den Ruf eines Diktators. Für die Autoren des Albums ist dies ideal, um eine Parallele zum Aufstieg und schließlich zur Machtübernahme eines anderen Diktators zu ziehen, der sich nicht damit begnügen wird, Figuren in Filmen zu töten. Ein Aufstieg, der Lang, dessen Mutter jüdischer Herkunft war, sofort beunruhigte – er zögerte übrigens nicht, den Nationalsozialismus in seinen Filmen anzugreifen –, der Thea von Harbou jedoch faszinierte.

Die von Delalande und Liberge erzählte Geschichte endet im Jahr 1934, als Fritz Lang Deutschland verlässt, um sich endgültig in den Vereinigten Staaten niederzulassen. Eine spannende Erzählung. Im Nachhinein denkt man sich, dass Lang daraus einen Erfolgsfilm hätte machen können. Dank des Geheimnisses, das den Tod der ersten Frau des Filmemachers umgibt, verwandelt Delalande diese Geschichte in einen spannenden historischen Thriller und zugleich in eine äußerst gut recherchierte Noir-Erzählung. Nichts ist überflüssig, nichts ist zufällig, alles fügt sich perfekt in das Puzzle von Langs Leben ein. Nur die Exkurse über die Vergangenheit von Thea von Harbou scheinen unnötigerweise aus dem Rahmen zu fallen. Ansonsten scheint alles einem wunderbar inszenierten und filmischen roten Faden zu folgen. Ein Aspekt, der natürlich durch die Szenen von Langs Dreharbeiten und Filmen, aber auch durch das Tempo, die Schnitte, die Bildkompositionen und die Farbgebung von Liberge noch verstärkt wird. Das Album ist textlich dicht und besticht zudem durch die Fülle seiner Zeichnungen.

Ein Album, das Filmfans, Comic-Fans, aber auch Geschichtsinteressierte in seinen Bann ziehen wird. Eine Erzählung über Fritz Lang natürlich – über sein Leben und sein Werk –, aber auch über die Geschichte jenes Deutschlands, das Hitler und den Nazis die Machtübernahme ermöglichte.

„Fritz Lang, der Verfluchte“ von Arnaud Delalande und Éric Liberge. Les Arènes BD