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Bücher 4 Min. Lesezeit

Ein Rückblick auf diese poetischen Werke

Nach etwa vierzig Jahren

Erschienen in Ausgabe Juli 2023
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Es geschah im Frühjahr 1983: Mit seinem ersten Manuskript unter dem Arm betrat Jean Portante die Rue de l’Arbalète in Paris, um es dem Verleger Bruno Durocher zu übergeben. Und wenige Wochen später wurde „Feu et boue“ – so der Titel des Gedichtbands – angenommen und erschien im Rahmen einer Vorbestellungsaktion. Vierzig Jahre sind vergangen, erinnert sich Jean Portante, und er liefert mit „Le pain n’est pas encore pétri“ – einem soeben erschienenen Gedichtband (bei Caractères) – einen eindrucksvollen Beweis seiner Treue. Darin greift der Dichter fünf Ausgaben auf, die seinerzeit in Frankreich nicht erschienen sind, eine Art ganz persönliche Anthologie, die sich auf nur etwa zehn Jahre erstreckt, von 1999 bis 2010.

Er selbst hat im Titel das Bild des Brotes gewählt, mit dieser Feststellung, die dennoch einen Blick in die Zukunft eröffnet. Und dabei klargestellt, dass es ebenso sehr um die Sprache und die Worte geht – die man kneten und formen muss, so wie man es mit dem Teig in der Knetmaschine tut, bevor man ihn in den Ofen schiebt. Und dass die Backwaren nacheinander folgen, im Laufe der Tage, Monate und Jahre bei unserem Lieblingsbäcker, immer wieder neu begonnen, wieder aufgenommen, immer wieder neu. Genauso verhält es sich mit dem Dichter: Die Stimme bleibt da, präsent, vertraut, aber sie spricht anders zu uns, findet immer wieder etwas, um uns zu überraschen.

Damit sich die Sprache formen lässt, setzt sie eine sehr große Aufmerksamkeit voraus, ja sogar eine innige Verbundenheit, und genau das kommt in diesem Gedichtband von Anfang bis Ende zum Ausdruck, ganz gleich, um welche Momente es sich handelt. Bezeichnenderweise stehen zu Beginn Texte aus dem Jahr 2010, Auszüge aus *Je veux dire*, und diese Wiederaufnahme, um weiter und tiefer zu gehen, taucht in jedem Gedicht mindestens einmal, wenn nicht sogar zweimal auf. Eine Art, sich an einen Gesprächspartner – den Leser oder einen anderen – zu wenden, der einem näher steht, ist die Aussage: „ Alles ist wahr und alles ist falsch an diesen Seilen, die/ zu den intimen Worten führen. “ Zu den richtigen Worten – und diese Besessenheit vom richtigen Wort ist das Markenzeichen von Jean Portante.

Mit diesem Anteil an Experimentierfreudigkeit, an spielerischer Übung, die auch die Begegnung mit dem Gegenüber einbezieht und sich wie ein roter Faden durch die Texte des Bandes zieht – mal eher dezent, mal direkter, mal ausweitend, um den Gedichten ihre Form zu geben. „Ist es …“, fragen alle Gedichte aus „Point d’appui“ von 1999 gleich zu Beginn: „ Ist es hier, wo sich wie Himmel/ und Trauer der verheilte Schnee der Kindheit bewahrt “, mit einem Bild von großer Wirkung, das von Bedauern, ja sogar von Verzweiflung zeugt). Und wenn solche Texte wie Reisen wirken, die mitnehmen, fortführen, dann liegt darin vielleicht eine Spur von Migration, sicherer noch, radikaler noch, von Existenz: „ Das Tier ging fort und du mit einem Koffer in der Hand “.

Betrachtet man die Form als eine Art Bewährungsprobe, den kreativen Akt selbst, so führt uns dies – bei all den Anspielungen auf Erschöpfung oder Resignation – zu folgender Feststellung: „ wir sind besiegt/ schon im Voraus. Es bleibt nur noch, das letzte Wort zu sagen… “ Die Worte werden nun seltener, ebenso die Verse; das Sonett verschwindet, verliert auf jeder Seite eine Zeile, bis es schließlich zur leeren Seite gelangt („ minus alles “), der jener seltene Glücksfall vorausgeht, den uns die Poesie bescheren kann: „ manchmal entblößt sich hinter der Tür eine Stille. “

Man wird nebenbei bemerkt haben, dass sich in diesen Texten so viele miteinander verbundene Themen zeigen, die sich schließlich zu einem Zopf verflechten – um noch einmal auf das Bild des Brotes zurückzukommen, es sei denn, man zieht das Bild des Haares vor. Und wie die Kinder aus dem Märchen der Brüder Grimm könnten wir uns beispielsweise daran machen, die auf den Seiten verstreuten Steine aufzuspüren und einzusammeln – diese kleinen Kieselsteine, die übrigens mit Brotkrumen in Verbindung gebracht werden. Oder, allgemeiner gesagt, könnten wir uns bemühen, in den fünf ausgewählten Gedichtbänden die einzelnen Teile zu erkennen und zu identifizieren – den einen als Nocturne, einen anderen als Scherzo, so wie die Sätze eines großen musikalischen Werks. Und zum Abschluss, beim Übergang von einer Kunstform zur anderen, werden diese Teile vorgestellt, die jeweils durch die kraftvollen Gemälde von Robert Brandy bereichert werden: Mit ihren breiten schwarzen Strichen im Vordergrund, während sich darunter oder weiter entfernt farbige Flächen verteilen, begeistern sie wie Blitze.