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Bücher 4 Min. Lesezeit

Know-how

Die BnL entdecken. Ihr Selbstporträt ist ein Beispiel für die Vermittlung von Wissen an die Öffentlichkeit.

Erschienen in Ausgabe Januar 2022
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Aber wo sind die „Bananekeschten“ geblieben? Wenn man sich die Ausstellung ansieht, die mit hochmodernen visuellen Technologien inszeniert wurde, ist die Ära der legendären Pappkisten endgültig vorbei. Das war einst ein sympathischer Spott über die veralteten Transport- und Aufbewahrungsmethoden der Nationalbibliothek von Luxemburg (BnL), als sie noch in der Stadt im ehemaligen Athénée untergebracht war und als Lagerraum das stillgelegte ehemalige Eurocontrol-Gebäude am Kirchberg nutzte.

Es ist nun schon zwei Jahre her, dass das BnL (Bolles & Wilson, Architekten) an der Avenue Kennedy in Kirchberg eröffnet wurde. Nach der von Monique Kieffer erfolgreich geleiteten Bau- und Einrichtungsphase sowie der Einlaufphase präsentiert sich nun im ersten Stock das „Selbstporträt einer modernen Bibliothek“ unter der Leitung ihres neuen Direktors Claude Conter (lesen Sie sein Interview im „Land“ vom 21.05.2021).

Die Ausstellung ist eine angenehme Überraschung, die das Know-how bei der Vermittlung des beeindruckenden Instrumentariums einer modernen Bibliothek verdeutlicht, zu deren Beständen auch jene Sammlung gehört, die den Lesern des „Lëtzebuerger Land“ und seiner gleichnamigen Rubrik wohlbekannt ist: „ Luxemburgensia “, den Bestand an luxemburgischen Publikationen.

Die räumliche Gestaltung und die Lesbarkeit der Ausstellung (konzipiert von Bunker Palace) werden durch Diagramme (beispielsweise die soziokulturellen und beruflichen Kategorien der Bibliotheksnutzer), Zahlenangaben (wie die Gesamtzahl der ausgeliehenen Dokumente, nämlich 55.424) und andere statistische Aufstellungen (insbesondere die 44.042 E-Book-Downloads, was 1,5 Terabyte entspricht). Man spürt, dass das Team der BnL mit Begeisterung daran gearbeitet hat, der Öffentlichkeit die Arbeit seiner Abteilungen näherzubringen. Denn im Hintergrund, hinter der Auswahl der Ausleihmedien und der vor Ort einsehbaren Werke, stehen 118 Mitarbeiter (ohne externe Personen, die nicht von der BnL verwaltet werden), die an der Pflichtexemplarablieferung des luxemburgischen Bestands und der Ankaufspolitik für nicht-luxemburgische Bestände arbeiten.

Natürlich ist und bleibt Papier in der neuen BnL das bevorzugte Medium. Man kommt hierher, um in dem prächtigen Lesesaal Bücher, wissenschaftliche Publikationen, Zeitschriften und andere Recherchequellen einzusehen. Liegt es vielleicht daran, dass Lernen, Wissen und Gelehrsamkeit etwas Geheiligtes an sich haben? Dass das Halten des Objekts in der Hand unter der passenden Beleuchtung und in Stille diesen Ort immer zu einem Ort mit einer besonderen Atmosphäre macht? Was in Bezug auf eine „tatsächliche“ Zeitersparnis sehr angenehm ist, ist natürlich die Online- und Fernrecherche von zu Hause aus sowie die Möglichkeit, Werke über a-z.lu, eluxembourgensia.lu und die „Luxemburgische Nationalbibliographie“ auszuleihen und vor Ort einzusehen. Die BnL verfügt zudem über eine Website zur Einsichtnahme in das luxemburgische Webarchiv, in dem alle „.lu“-Websites Themen (wir nennen hier als Beispiel) „aus umfangreichen Web-Harvesting-Kampagnen in Zusammenarbeit mit der Stiftung ‚Internet Archive‘“.

Die BnL begann „im Kleinen“ in einem ungewöhnlichen Lagerraum. So erfährt man im Rahmen der Ausstellung, dass die erste öffentliche Bibliothek Luxemburgs – die 1899 zur Nationalbibliothek wurde – im Jahr 1798 unter französischer Herrschaft gegründet wurde. Sie vereinte die aufgelösten Bestände der ehemaligen luxemburgischen Staaten, der Jesuiten und anderer religiöser Orden aus Echternach, Luxemburg und Orval, die im Dachgeschoss des ehemaligen Athénée untergebracht waren… In der Ausstellung ist, natürlich hinter Glas, auch ein kostbares und kurioses Buch zu sehen, das als „Gürtelbuch“ oder „Almosenbeutel“ (Pergamentpapier, Holz und Leder), das einige schwindelerregende Zeitsprünge ermöglicht: zwischen der mittelalterlichen Reise von Guillaume de Baskerville, dem Helden aus Umberto Ecos „Der Name der Rose“, und der virtuellen Form der heutigen Übertragungsgeschwindigkeit im Internet.

Heute verteilen sich die Lagerräume in Kirchberg auf fünf Etagen, die jeweils in elf Lagerbereiche unterteilt sind: Handschriften, seltene und wertvolle Druckwerke, Bestände an Karten, Plänen, Atlanten und Ansichten, Plakat- und Ansichtskartensammlungen, Musikbestände, illustrierte Bücher, Künstlerbücher und Druckgrafiken sowie Bestände zur Bibliotheks- und Buchgeschichte in Luxemburg. In den Vitrinen der Ausstellung „Selbstporträt einer Bibliothek“ stellt die BnL natürlich ihre nationale Besonderheit in den Vordergrund sowie die „Werkzeuge“ zur Wissensvermittlung wie die Kulturvermittlung und den Bicherbus sowie das Netzwerk bibnet.lu. Zu erwähnen sind auch die Veröffentlichungen der BnL im Verlagsbereich – „d’Land“ berichtete über die Ausstellungen zu ihren alten Fotografien aus Ägypten, die Stiche von Künstlern und illustrierte Kunstbücher (in den Ausgaben vom 05.02.2021 und vom 14.05.2021). Wir warten immer noch auf einen Beitrag über den bekanntermaßen spannenden Plakatbestand. Eines dieser Plakate bildet den Abschluss der Ausstellung und scheint unseren Wunsch zu unterstützen.

Die Ausstellung „BnL – Selbstporträt einer Bibliothek“
ist noch bis zum 26. Februar zu sehen