Beide Publikationen sind zeitgleich erschienen, was uns die Gelegenheit bietet, zwei Künstler (die gelegentlich auch in unserem Land zu Gast sind) miteinander in Verbindung zu bringen, bei denen sich, wie wir sehen werden, mehr Gemeinsamkeiten zeigen, als man auf den ersten Blick annehmen könnte oder wollte. Pierre Buraglio gibt uns durch den Titel, unter dem er die Auswahl an Werken aus seinen Skizzenbüchern zusammengefasst hat, einen ersten Hinweis. Oder vielmehr Pierre Watt, der in seinem Einleitungstext auf das alte Brauchtum des „Glanage“ eingeht – ein weit zurückreichendes Recht, auf den Feldern die Ähren aufzulesen, die den Erntearbeitern entgangen sind. Für dieselbe Geste sprechen wir heute von Aneignung: Man sammelt hier und da, man leiht sich etwas aus, man stöbert, um daraus seinen eigenen Honig zu machen.
Seine Skizzenbücher sind für Pierre Buraglio ein Ort der Orientierung, vor allem aber der Übung; dort trainiert er seine Freiheit und zugleich seine Hand, die er nicht verlieren darf. So wie der Pianist, der seine Tonleitern übt. Natürlich geht es, wie manche Zeichnungen zeigen, auch darum, Dinge festzuhalten, und es ist kein Zufall, dass er dort den Satz von Baudelaire notiert hat, der sagte, er habe mehr Erinnerungen, als hätte er tausend Jahre : Die Zeichnung, in der Reinheit ihrer Striche, filtert heraus, was angesichts der Zeit, die uns verschlingt, übrig bleibt (diesmal ein Zitat von Chateaubriand). Das ist zum einen eine Orientierung für diese Zeichnungen aus den Skizzenbüchern.
Diese Übung, die Pierre Buraglio auch von seinen Studenten verlangte, beinhaltet noch etwas anderes, viel mehr. Sie führt dazu, mit dem Bleistift in der Hand zu verstehen, und gilt somit den Alten, den Großen, dem, was sie hinterlassen haben und was man in Museen findet ; das nennt man dann „nach… um… mit… gemäß“ und besteht darin, zum Wesentlichen vorzudringen, das Wesentliche freizulegen und hervorzuheben, das, was grundlegend ist.
Auf diese Weise entsteht ein Dialog. Eine weitere Form des Sammelns oder der Aneignung zeigt sich ab 1963 in der Verwendung einfacher, gefundener Materialien. Diese reichen von blauen Zigarettenpapieren bis hin zu Fensterrahmen oder auch Fragmenten fremder Malerei, die er in seine eigenen Arbeiten integriert. Und genau in diesem Ansatz finden Buraglio und Meuser zueinander. Beide arbeiten mit dem, was sie finden: Meuser, ein Kind des Ruhrgebiets, genauer gesagt aus Essen, und Sohn eines Ingenieurs; Buraglio, Sohn eines Architekten; Meuser also, indem er die Schrottplätze, sozusagen die Friedhöfe der Industriewelt, durchstreift.
Doch beide sind weit entfernt von Duchamp und dem Ready-made. Sie sind eher Bastler, die Dinge zerschneiden und neu zusammensetzen. Auf dem Einband hat Pierre Buraglio einen Winkel, einen Zirkel und eine Säge abgebildet – das sagt viel über die Suche nach der Form aus. Und dieses Anliegen, diese Sorge sind bei Meuser nicht geringer. Beide streben nach der minimalistischen Geste, jedoch mit radikaler Präzision. Das Bild oder das Objekt sind nicht geschwätzig, sie sprechen einfach, ohne die autobiografischen, sozialen und kollektiven Aspekte, die sie beinhalten, besonders hervorzuheben. Pierre Watt hat Recht, wenn er in Buraglios Geste etwas Politisches erkennt; er fügt hinzu: aber auf leise Weise.
Ähnlich verhält es sich bei Meuser, natürlich mit der doch erheblichen Wirkung der Skulptur, die ganz andere Dimensionen annehmen kann. Bruchstücke der Realität, eines Augenblicks, einer Geschichte der Stahlindustrie, aus dem Wirtschaftskreislauf herausgelöst, mehr oder weniger geformt, zu solchen Kompositionen angeordnet. In dem anlässlich Meusers 75. Geburtstags erschienenen Buch, das Werke der letzten zehn Jahre versammelt, betonen alle Kommentatoren die sehr tiefe Verbundenheit des Künstlers mit dem Material, das umfunktioniert und veredelt wird. Ebenso wie – neben der plastischen Kraft – auf den Zauber, zu dem oft die Titel, „zwischen der Banalität eines Kneipenwitzes und bildgebender Poesie“, eine Note von Humor, ja sogar Ironie beitragen. „Ob er auf das Vergangene Licht wirft, ist unwichtig. Er und sein Werk sind Gegenwart und Präsenz, hier und jetzt und für immer.“ (Peter Pakesch).
Skizzenbücher : Glane, Pierre Buraglio,
Hrsg. Ceysson-éditions d’Art, 2023
MEUSER – Werke 2012–2023, DCV Books, 2023