Dieses Jahrzehnt wird das Jahrzehnt aller Wetterrekorde sein, darin sind sich die Wissenschaftler, die das Erdklima erforschen, einig. Extreme Wetterereignisse werden zunehmen und zumindest zu einem quälenden Hintergrundrauschen im Informationsfluss werden, wahrscheinlich aber sogar regelmäßig für Schlagzeilen sorgen. Starkregen, Dürren, heftige Winde und deren Folgen wie Überschwemmungen, Erdrutsche oder Heuschreckenschwärme sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Dennoch werden diese Nachrichten meist als vereinzelte, unerwartete und vielleicht außergewöhnliche Ereignisse dargestellt, die jedoch implizit den als unkontrollierbar geltenden „Naturgewalten“ zugeschrieben werden.
Für Journalisten mag es mühsam und kontraproduktiv erscheinen, systematisch auf die eigentliche Ursache dieser Extremereignisse einzugehen, nämlich den Klimawandel, der durch vom Menschen verursachte Treibhausgasemissionen hervorgerufen wird. Das ist die berühmte Frage der Zuordnung, die sich sowohl auf wissenschaftlicher als auch auf medialer Ebene stellt.
Zahlreiche Klimaforscher haben inzwischen erkannt, dass der Öffentlichkeit rasch klare und verlässliche Informationen über den Zusammenhang – sofern dieser nachgewiesen werden kann – zwischen den verschiedenen Katastrophen, die uns heimsuchen, und der Erderwärmung zur Verfügung gestellt werden müssen. Etwa 160 von ihnen haben sich im Climate Science Rapid Response Team (climaterapidresponse.org) zusammengeschlossen, das Fachwissenschaftler mit Journalisten zusammenbringt, die mitten im Geschehen eine Expertenmeinung einholen möchten. Vier „Matchmaker“ dieses Netzwerks, selbst Klimaforscher, greifen „sofort“ ein, um die Medien mit ihren Kollegen in Verbindung zu bringen, die über das „am besten geeignete Fachwissen“ verfügen. Ein weiterer Verband, die American Society for the Advancement of Science (AAAS), hat ebenfalls eine Plattform (sciline.org) eingerichtet, die es ermöglicht, schnell auf Anfragen von Journalisten zu Fragen der Zuordnung zu reagieren.
In den sozialen Netzwerken wird diese Initiative von der Plattform EndClimateSilence.org unterstützt, die von der Aktivistin Genevieve Gunther geleitet wird und sich bemüht, jedes Mal einzugreifen, wenn Medien darauf verzichten, den klimabedingten Ursprung der von ihnen berichteten Katastrophen zu erwähnen.
Auf seiner Website führt Gunther das sehr anschauliche Beispiel der Waldbrände an, die im Dezember 2019 weite Teile der australischen Bundesstaaten New South Wales und Victoria verwüstet haben. Diese forderten mindestens 33 Todesopfer, darunter vier Feuerwehrleute, und zerstörten mehr als 110.000 Quadratkilometer Buschland, Wälder und Parks, wobei schätzungsweise eine Milliarde Tiere ums Leben kamen.
Von 95 Fernsehberichten aus den USA über diese große Katastrophe haben jedoch nur zwei deren Ursache erwähnt. In Europa ist die Leistung der Medien kaum besser. Mit anderen Worten: Die Mehrheit der Medien verschweigt Tag für Tag die sehr realen Folgen unseres Beharren darauf, weiterhin fossile Brennstoffe zu verbrennen. Es mag sich wiederholend anhören, jedes Mal erneut auf die Kette von Ursachen hinzuweisen, die zu diesen Katastrophen führen. Tatsächlich ist dieses „Klimaschweigen“, wie Gunther es nennt, schlicht und einfach eine Form der Verleugnung.