Nur auf den Ball schauen, nur auf den Ball, sonst gar nichts, da steht ein Tor und da steht ein Tor und dazwischen spielt es sich ab, nur darauf fokussieren, das ist Zen-Buddhismus, was brauche ich die Welt, die kein Mensch mehr kapiert, nicht mal die KI gibt brauchbare Weltanweisungen, ein KI-Karussell sind unsere Köpfe. Auf den Ball schauen!
Da spielt es sich ab, wer braucht den Rest des stümperhaften Welttheaters? Hier geht es um Tore und Toren, das ist beruhigend, es gibt Regeln, also theoretisch, sie sind zwar auch flexibel, immer flexibler, wie alles immer flexibler wird, je subtiler die Untersuchungstechnik gehandhabt wird, desto komplexer wird die Diagnosestellung. Tor oder kein Tor? Foul oder keins? Die Scharf- und Schiedsrichter adleräugen, aber wie tröstlich, es ist egal was dabei rauskommt, der Große Deregulator spricht das Machtwort. Macht es einfach! Das macht alles einfach.
Zwischen all den als Trinkfläschchenpäuschen getarnten Werbepäuschen. Wo bleibt das Pipipäuschen? sorgt sich ein Facebook-Freund. Einen Yogabreak gibt es leider immer noch nicht, und wo ist der Safe Space für zwischendurch? Aber dafür pinke Schühchen und jede Menge Tränen, hört auf, meine mütterlichen Gefühle zu strapazieren! Die deutschen Männer verlassen das Stadium aber ohne herzerweichendes Schluchzen, die würdige grabsteinerne Trauer des deutschen Mannes imponiert mir, was mir gleich zwei Rügen meines feministischen Sohnes einbringt. Außer Tränen war, schluchz, früher alles mehr. Mehr Lametta! Mehr Rotz mehr Spucke, mehr Schweiß mehr Schmerz mehr Greifen ans Gemächt! Mehr Allah, mehr Haupt voll Blut und Wunden! Das Christentum hat zwar die Arena betreten, aber noch sind die Kreuzzeichen eher verschämt. Und warum sind die O-Beine ausgestorben?
Die Paraguayer brüllen zähnefletschend ihre Hymne, im Finale beschwört der ARD-Moderator „die dunklen Künste Argentiniens“. Die haben es ihm angetan, er ist besessen von der „dunklen Kunst des argentinischen Fußballs“. Aber wo ist der Kettensägemassaker-Boss? Gottseidank ist Papa Messi da, gar nicht dunkel kommt er angeschlurft, immer, immer wieder, der Papa wird’s schon machen. Nein. Der Papa weint.
Die weltgrößten und weltstärksten Länder spielen gar nicht mit, z.B. welche mit Kriegen und Atom, dafür winzige und welche die es nicht mal gibt. Wie interessant ist dieser Geografieunterricht, ein im Ozean treibendes Inselchen mit pastellfarbener Kolonialarchitektur und süßscharfem Likör, wie Wikipedia lehrt, ist dabei, wie märchenhaft! Der Schiedsrichter von Somalia wiederum leider nicht, und viele aus Afrika und Asien auch nicht, das Märchen von der völkerbindenden Kraft des Sports ist leider hihi nur ein Märchen. Der Platz an der Sonne, bzw. der im Schatten, ist nicht für alle da.
Dort thronen schon die grinsenden Kaiser des Kapitals, deren Schatztruhen sich märchenhaft füllen, fasziniert werden die Summen in den Medien kolportiert, Abertausende und Abermillionen sind es, die Geldströme fließen wie die Schweißbäche der Gladiatoren unter unserm Applaus.
Dagobert Trump schüttelt Widersacher Sanchez artig die Hand, Dagobert Trump verteilt artig Medaillen an die Sieger. Herr Trump tanzt nicht mal den beliebten Bärentanz in der Showeinlage, er überlässt die Bühne dem weltberühmten Dirigenten Dudamel, der einst das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker dirigierte und jetzt die Muppets. Robbie Williams im Campingpapa-Joggeranzug, der brav antänzelnden Madonna und all den willigen und nicht billigen Stars. Und nichts leuchtet, es ist alles nur Glitzerschrott, und die vor den Bildschirmen gehen mit dem Hund spazieren und aufs WC. Bald schon wird der Pokal geherzt und geküsst, die güldene Geschwulst, der König tätschelt die Jungs, und dann ist sie vorbei, die WM.