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Bildende Kunst 4 Min. Lesezeit

In der Sache

Fünf Ansätze – eine Sommerausstellung in der Galerie Reuter Bausch

Erschienen in Ausgabe Juli 2023
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Wo soll man mit dem Betrachten anfangen? Soll man sich die Talismane in den „Keramiken-Rocailles“ von Viki Mladenovski im vorderen Bereich der Galerie genauer ansehen oder lieber nach hinten gehen, um die drei großen Schwarz-Weiß-Gemälde von Anne-Sophie Loos zu betrachten? Der Besucher ist hin- und hergerissen. Das Besondere an den drei großformatigen Ölgemälden (120 x 80 cm), die man von der Rue Notre-Dame aus im hinteren Teil der Galerie erblickt, ist, dass es sich um ein reines Spiel aus Licht und Schatten handelt. Anne-Sophie Loos hat die Veränderungen des Sonnenlichts auf einem Schal im Abstand von vier Stunden an ein und demselben Tag eingefangen. Als autodidaktische Malerin ist sie auf dem Weg zur technischen Meisterschaft der alten flämischen und italienischen Meister bei der Wiedergabe der prächtigen Gewänder, die die Darstellungen der Jungfrau Maria tragen. Hier jedoch ohne die prächtigen und sinnlichen Effekte, die früher durch die Farben und die reichhaltigen Muster der Stoffe erzielt wurden, denn „Moments, 8:26 Uhr, 12:26 Uhr, 16:26 Uhr“ sind Ölgemälde in Schwarz-Weiß. Zeitgenössisch sind sie auch dadurch, dass sie nach Fotos entstanden sind. Die Bewegung des Stoffes ist auf allen drei Leinwänden dieselbe; es handelt sich um ein Standbild, dessen Erhebungen und Vertiefungen im Laufe des Tages immer mehr verblassen, wodurch sie sich von ihrer materiellen Form lösen und der Abstraktion entgegenstreben.

Der Stoff ist auch in den Gemälden von Julie Wagener zu sehen. Hände wickeln ihn um das Handgelenk anderer Hände. Der weiße Stoff sticht umso mehr hervor, als er flächig dargestellt ist, wie eine leere Fläche. „This is just The Beginning I, II, III“ (drei längliche Gemälde im Format 120 x 50 cm) ist nicht der Beginn ihrer Arbeit mit Ölfarben auf Holz, der sich die junge Frau seit einigen Jahren widmet. Sie stellt hier, wie sie sagt, den Punkt dar, an dem das Unbehagen der heutigen Welt die Menschen erfasst. Auch wenn die pflegenden Hände noch etwas ungeschickt dargestellt sind, sind die schwarzen Ärmel im Vordergrund dieser Szene der gegenseitigen Hilfe und die ockerfarbenen im Hintergrund gelungen. Dennoch mag man Julie Wageners Talent in der Lithografie und im gotischen Stil vielleicht mehr schätzen.

Da sie ohnehin gegen einen gewissen Trend zur Magersucht schwamm, hat Nina Gross anlässlich eines Aufenthalts in Wien die traditionellen Desserts des „Kaffee und Kuchen“ auf kleinen Formaten (22 x 26 cm) aufgeführt. Schwarzwälder Kirschtorte, Sacher mit Schlag, Mohnstrudel und andere typische Köstlichkeiten der K&K-Tradition (Königlich und Kaiserlich), die in den örtlichen Konditoreien und Cafés nach wie vor im Trend liegen – und das nicht nur bei Touristen auf der Durchreise. Es bleibt ein Moment des Miteinanders und der Geselligkeit.

Das Entrecôte, das heute als skandalös gilt und doch der Star der sonntäglichen Familienessen ist, vervollständigt diese Serie, in der Nina Gross Alltagsgegenstände wie Zahnbürste, Gabel und Messer sowie einen Kugelschreiber in Kunstwerke verwandelt. Meret Oppenheim war mit der Tasse, der Untertasse und dem Löffel ihres „Frühstücks im Pelz“ zwar provokanter und sinnlicher … Das war im Jahr 1936.

Angesichts der aktuellen Zeitlage tragen die beiden Radierungen „Géologie d’un résidu I“ und „VI“ von Nathalie Noé Adam ihren Namen zu Recht, da sie an driftende Kontinente erinnern. Nur Viki Mladenowski widmet sich in dieser Sommerausstellung mit Freude und Fantasie der Darstellung ihrer feministischen Überzeugungen. Es sei daran erinnert, dass es sich um eine Gruppenausstellung von fünf Künstlerinnen im Alter zwischen 25 und 40 Jahren handelt. In „Fragmented Dialogue“ (Pastell- und Buntstifte auf Leinwand) wirken die Oberschenkel, der Oberkörper, die Brüste, die Ansätze von Armen und ein Kragenhals wie Figuren eines Schachspiels.

Als multidisziplinäre Künstlerin versteht es Viki Mladenovski ebenso gut, mit Keramik zu arbeiten. Zu nennen sind hier die Lippenstift-Tube und ihr Spiegelbild in „Mirror Memory“, die Kerzenhand und die fliegende Hand, der Hofnarr und der Reiter. Fundstücke und Talismane. Das Schachspiel wird als „König der Spiele“ bezeichnet. Auch wenn es das Werk von Viki Mladenovski dominiert, bleibt doch Raum für den Zufall der Fundstücke, die auf Regalen voller Kuriositäten angeordnet sind: die Muscheln und Talismane von „Sea Shelf I, II, III“. Das ist belebend.

Die Gruppenausstellung mit Werken von Viki Mladenovski, Anne-Sophie Loos, Nina Gross, Nathalie Adam und Julie Wagener ist noch bis zum 22. Juli in der Reuter Bausch Art Gallery, 14 rue Notre-Dame in Luxemburg, zu sehen