Vor dem Gesetz sind alle, sollen alle gleich sein. In der Realität sind insbesondere Frauen weitaus mehr sexueller Gewalt in jeder erdenklichen Form ausgesetzt als Männer. Das sehen nicht alle Männer so, sie glauben an ein Gleichhandlungsprinzip im absoluten Sinne. Wie diese Art von gesellschaftlichem Missverständnis weiterhin Entscheidungsprozesse beeinflusst, zeigt ein rezentes Beispiel. Seit dem 1. Mai setzt das Freizeitbad Les Thermes in Strassen seinen halben Frauentag aus – vier Stunden an einem Dienstagmorgen, die nun wie alle anderen Zeitfenster für alle zugänglich sein werden. Stattdessen gibt es nun einen kleinen exklusiven Frauenbereich mit einer finnischen Sauna, einem Dampfbad und einer Dusche, für dessen Nutzung frau den gleichen Eintrittspreis bezahlt.
Dass die meisten Frauen Dienstag morgens ohnehin arbeiten, ist das Eine. Trotzdem zeugte das Angebot von einer gewissen Sensibilität. Die Entscheidung, nun gar keine Frauenzeiten mehr anzubieten ist deshalb problematisch, weil das Wellnessbad in der Vergangenheit aufgrund von übergriffigem, sexualisiertem Verhalten von Männern gegenüber Frauen in der Kritik stand. Das Wort sowie das Land berichteten von Saunagängern, die von Starren hin zur Masturbation alle Regeln der Hausordnung brachen und manche Frauen dazu bewegten, sich überhaupt nicht mehr in die Sauna zu bewegen, wenn gemischt sauniert wird. Obwohl die Direktion der Thermes auf ihre „Null-Toleranz-Strategie“ verweist, habe sich die Situation kaum gebessert, berichten Saunagängerinnen.
In der Vergangenheit habe es „verstärkt“ Rückmeldungen vom Centre d’égalité pour le traitement (CET) gegeben, antwortet die Direktorin des Schwimmbads, Jutta Kleiber, dem Land auf Nachfrage. Die Entscheidung, den Tag abzuschaffen, sei jedoch „keinesfalls frauenfeindlich motiviert“, sondern ein Versuch „der Gleichbehandlung aller Geschlechter gerecht zu werden“. Frauenfreundlichkeit bedeute für Les Thermes nicht, „ein Geschlecht zu bevorteilen, sondern alle Gäste fair und gleichberechtigt zu behandeln“.
Das CET teilt mit, dass es zwischen 2020 und 2025 insgesamt von neun Personen kontaktiert wurde, die sich aufgrund von „geschlechtsspezifischen Zugangsregelungen“ in Saunen und Schwimmbädern diskriminiert fühlten. Es waren fünf Männer und eine Frau, drei gaben keine Daten an. Die meisten Beschwerden, fünf an der Zahl, gingen für die Pidal in Walferdingen ein, wo 2023 drei Männer vors Friedensgericht zogen, weil sie im Frauentag eine große, vor allem finanzielle, Ungerechtigkeit sahen (d‘Land, 01.11.2024). Lediglich zwei Personen beschwerten sich beim CET über Les Thermes. Dass aufgrund von zwei – mutmaßlichen – Männern, die sich ausgegrenzt fühlen und rechtliche Schritte androhen, weitaus mehr Frauen ein geschützter Rahmen verwehrt wird, ist absurd. Dass kein Geschlecht beim Abschluss eines Abonnements Nachteile haben sollte, ist dabei ein Nebenschauplatz und ein lösbares Problem. Das CET hatte 2010 ein Empfehlung verfasst, die auf die finanziellen Nachteile eingeht, die geschlechtsspezifische Zeiten haben können. (Das Ministerium für Gleichstellung und Diversität gibt keine Empfehlungen ans CET, heißt es auf Nachfrage.)
Es sei schwer, es allen recht zu machen, erklärt Nico Pundel, CSV-Bürgermeister von Strassen und Präsident der Thermes. Das C.N.I Les Thermes ist ein Syndikat, die Schöffen der schwarz-rot-grünen Gemeinde, die sich weltoffen und progressiv gibt, sitzen in seinen Gremien, die Gemeinde steuert den Thermen genau wie Bartringen jährlich jeweils 1,5 Millionen Euro bei. „Ob die Entscheidung zum Frauentag richtig und gerecht ist, da bin ich mir selbst nicht so sicher“, sagt Nico Pundel. Dass der Frauentag aufgrund von Finanzen abgeschafft würde, bestreitet Nico Pundel. Man verdiene nicht mehr oder weniger Geld mit oder ohne Frauentag. Die Bilanz aus den vergangenen Jahren zeigt wachsende Besucherzahlen für die Sauna – eine Aufschlüsselung nach Geschlecht gibt es nicht.
Männer sind übrigens auch gerne mal unter sich – auch das ist legitim. Die Männersauna am Freitagabend wurde in Bonneweg kürzlich ausgesetzt und mit gemischtem Saunieren ersetzt. Aus welchem Grund? Lydie Polfers Pressestelle kommentiert: „Das Benehmen von verschiedenen Besuchern hat zu Veränderungen geführt, um einen respektvollen Umgang für alle zu ermöglichen.“ Hinzu käme, dass es eine große Nachfrage von Besucherinnen gegeben habe, auch freitags „gut ins Wochenende starten zu wollen“.