Immer mehr Hochschulabsolventen gehören zu den bei der Adem gemeldeten Arbeitssuchenden. Dieser Anteil lag am 31. Mai 2024 bei 30 Prozent aller Gemeldeten, gegenüber nur 15 Prozent vor zehn Jahren. Dies geht aus der jüngsten Antwort des Arbeitsministers Georges Mischo (CSV) auf eine parlamentarische Anfrage der sozialistischen Abgeordneten Georges Engel und Claude Hagen hervor.
Laut Inès Baer, der Leiterin der Statistikabteilung bei der Adem, sei diese Situation nahezu unvermeidlich: „Dieser Anteil steigt stetig an, es handelt sich um einen gesellschaftlichen Trend.“ Das steigende Bildungsniveau in der Gesamtbevölkerung – sei es durch den Erwerb eines Hochschulabschlusses, eines BTS oder einer Promotion – führe naturgemäß zu einem Anstieg der Zahl der Hochschulabsolventen unter den Arbeitssuchenden.
Diese Statistiken müssen jedoch im Kontext betrachtet werden. Inès Baer weist darauf hin, dass nur 27 Prozent der bei der Adem gemeldeten Arbeitssuchenden mit Hochschulabschluss länger als zwölf Monate arbeitslos bleiben. Mit anderen Worten: Trotz der steigenden Zahl der bei der Adem gemeldeten Hochschulabsolventen verlassen diese die Agentur schneller als Personen mit niedrigerem Bildungsniveau. Im Vergleich dazu sind 51 Prozent der Arbeitssuchenden mit einem niedrigeren Bildungsabschluss nach einem Jahr weiterhin bei der Adem gemeldet.
Aus der Analyse der von Arbeitslosigkeit betroffenen Fachrichtungen ergibt sich eine überraschende Tatsache: Die Wirtschaftswissenschaften (1.570 Arbeitssuchende), die angewandten Wissenschaften (800) sowie die Sozial- und Erziehungswissenschaften (538) sind besonders stark vertreten. Diese Bereiche werden in Luxemburg oft mit Arbeitskräftemangel in Verbindung gebracht, garantieren jedoch nicht unbedingt Beschäftigungssicherheit. Inès Baer erklärt, dass diese Fachrichtungen zwar tatsächlich gefragt sind und Absolventen aus diesen Bereichen gesucht werden, sie aber auch zu den am häufigsten studierten gehören. Folglich herrscht in diesen Bereichen paradoxerweise trotz des Bedarfs an spezifischen Kompetenzen weiterhin eine Übersättigung.
Darüber hinaus zeigt eine eingehendere Analyse, der „Zoom Emploi“ vom Dezember 2023, dass der Anstieg der Zahl der Arbeitssuchenden mit Hochschulabschluss hauptsächlich auf den Zustrom von Bewerbern aus Drittländern wie der Ukraine, Indien oder den Maghreb-Ländern zurückzuführen ist. Diese Personen haben oft Schwierigkeiten, ihre Abschlüsse anerkennen zu lassen. Inès Baer erklärt: „Für Arbeitgeber ist es manchmal schwierig, ausländischen Abschlüssen zu vertrauen, da diese einfach nicht so bekannt sind wie europäische Abschlüsse, auch wenn sie relevant sind.“ Die Herausforderungen variieren je nach Fachrichtung. Im Bereich der Sozialwissenschaften sind die Anforderungen an die Anerkennung von Abschlüssen besonders streng, insbesondere aufgrund der mit der öffentlichen Finanzierung verbundenen Bedingungen. In den Wirtschaftswissenschaften hingegen sind die Möglichkeiten zur Weiterqualifizierung (Upskilling) und zur beruflichen Umschulung (Reskilling) zahlreicher und flexibler.
Die größte Herausforderung für Absolventen aus Drittländern besteht jedoch oft darin, „mehr als eine der drei Amtssprachen Luxemburgs“ zu beherrschen – ein wichtiger Vorteil für den Einstieg ins Berufsleben. Um dem entgegenzuwirken, hat die Adem mehrere Initiativen ins Leben gerufen: Sprachprüfungen, Intensivkurse in Zusammenarbeit mit dem Institut National des Langues sowie eine kürzlich geschlossene Partnerschaft mit der App „Babbel“, durch die mehr als 5.000 Lizenzen kostenlos zur Verfügung gestellt werden, um den Erwerb der erforderlichen Sprachkenntnisse zu erleichtern.
Was die Luxemburger mit Hochschulabschluss betrifft, die weiterhin bei der Adem gemeldet sind, lassen sie sich in zwei Hauptkategorien einteilen. Da sind zum einen diejenigen, die zwar luxemburgische Staatsbürger sind, ihren Abschluss jedoch in Drittländern erworben haben und/oder nicht alle Verwaltungssprachen beherrschen. Dann gibt es diejenigen, die einer höheren Altersgruppe angehören, Stellen als Sekretäre oder Sachbearbeiter/Buchhalter suchen, denen es jedoch oft an digitalen Kompetenzen mangelt.