Sagen Sie nicht mehr „Erdölverband“, sondern: „Verband für Energie und Mobilität“. Der der Fedil angeschlossene Verband ist unzufrieden. Denn er hat erkannt, dass die Tankstellenbetreiber auf Arbeitgeberseite die einzigen sein werden, die unter dem neuen Gesetzentwurf zu den Öffnungszeiten leiden werden (siehe Seite 11). Der Text von Lex Delles sieht vor, dass Händler, die ihre Öffnungszeiten über den neuen Zeitrahmen (5–22 Uhr) hinaus ausweiten wollen, einen Tarifvertrag abschließen müssen. Zusammen mit der FESS (Fédération des exploitants de stations-services) hat der Verband vor den Feiertagen eine Pressemitteilung verfasst: Der Tarifvertrag sei kein „geeignetes Instrument“, schreiben sie. Anschließend werden „externe Kräfte“ (die Gewerkschaften) und ein „völlig fremdes Instrument“ (der Tarifvertrag) herabgewürdigt. Der Gesetzentwurf würde eine „unbegründete Starrheit einführen, die die Wettbewerbsfähigkeit bremst“.
Der Vorwurf der „Unflexibilität“ ist ziemlich dreist, wenn er von den Tankstellenbetreibern kommt. Denn diese haben jahrzehntelang von großer Flexibilität profitiert. Das ging so weit, dass eine Reihe von Tankstellen ihren Convenience-Store in einer … (rechtlichen) Grauzone betrieb; „und das ist noch milde ausgedrückt“, meint Lex Delles gegenüber dem Land. Zahlreiche Tankstellen in Ortschaften (auf Autobahnen gelten andere Regeln) operierten somit quasi illegal. Denn obwohl das Gesetz von 1995 ihnen erlaubt, ihren Shop über die gesetzlichen Öffnungszeiten hinaus geöffnet zu halten, darf dessen Fläche zwanzig Quadratmeter nicht überschreiten.
Der Vorsitzende des Mineralölverbands (und Geschäftsführer von Aral Luxemburg), Eric Bleyer, bestätigt dies: „Diese Menge wurde nie – oder fast nie – eingehalten. Aber die Art und Weise, wie wir arbeiteten, kam allen entgegen: Mitarbeitern, Kunden, Politikern. Und in diesem Sinne störte es niemanden. “ Ein schönes Beispiel für den luxemburgischen Pragmatismus. Doch als das Verfassungsgericht 2017 entschied, dass eine Ungleichbehandlung zwischen der Tankstelle und dem Bäcker vorliege, die beide Brot verkauften, geriet der Kompromiss ins Wanken. Um unter der Woche nach 22:00 Uhr oder samstags nach 19:00 Uhr öffnen zu dürfen, müssen Tankstellen Tarifverträge abschließen. „Ein Skandal“, findet Bleyer. Die Unternehmen (oftmals unabhängige Betriebe) seien zu klein. Warum sollte die Fedil nicht einen Branchenvertrag für alle Tankstellen aushandeln? Das ist für Eric Bleyer unvorstellbar. Man sei nicht „gerüstet“, solche Verhandlungen zu führen. Allenfalls könne er sich vorstellen, direkt mit den Personalvertretern zu verhandeln: „Warum sollten die Gewerkschaften über die Öffnungszeiten entscheiden und nicht der Chef?“