Der staatliche Begleitausschuss folgte dem Krisenstab von PWC. Das ist im Wesentlichen das, was man aus der Aussage von Michel Scholer, dem „dircab“ von Frieden, am Montag vor dem Sonderausschuss „Caritas“ mitnehmen sollte. Der aus einer Reihe hochrangiger Beamter bestehende Begleitausschuss hatte zwei Aufgaben: die Aufrechterhaltung der Aktivitäten und Arbeitsplätze zu gewährleisten und gleichzeitig die öffentlichen Gelder zu schützen. Die Rettung der Caritas gehörte nicht zu seinem Aufgabenbereich. Es überrascht nicht, dass die Opposition den Mangel an Ehrgeiz kritisierte. Franz Fayot (LSAP) ist der Ansicht, dass der Begleitausschuss einen „sehr wenig interventionistischen“ Ansatz verfolgt habe: „ Der politische Impuls bestand offenbar darin, den Restrukturierern von PWC freie Hand zu lassen und die beiden Banken nicht in Frage zu stellen. “ Djuna Bernard (Déi Gréng) kritisiert eine „äußerst passive“ Beobachterrolle, die die hohen Beamten eingenommen hätten: „Es gab überhaupt keine qualitativ hochwertige Begleitung.“ Marc Baum (Déi Lénk) sieht darin den typischen Fall „eines staatlichen Eingriffs im Zeitalter des Neoliberalismus“.
Doch die Opposition unterschätzt möglicherweise einen entscheidenden Faktor: die Zeit. Von dem Moment an, als Luc Frieden erklärte, dass die Caritas „keinen Euro mehr“ erhalten würde, wurde die Suche nach einer Lösung zu einem Wettlauf gegen die Zeit. Dieser Druck verstärkte eine Pfadabhängigkeit, die ein Zurückrudern erschwerte. Die erste Weggabelung erwies sich daher als entscheidend. Die Regierung konnte (oder wollte) jedoch die Abtretung von Forderungen aus staatlichen Zuschüssen durch die Caritas – oder vielmehr durch ihre Finanzdirektorin – zugunsten der Banken nicht anfechten. Auch Luc Frieden suchte nicht nach alternativen Finanzierungswegen. Dies war eine politische Entscheidung, die die Option einer Rettung von vornherein zum Scheitern verurteilte.
An diesem Montag gab HUT eine überraschende Ankündigung bekannt. Philippe Schrantz (57), der Generaldirektor der Polizei, der bei Léon Glodens Amtsantritt in den Ruhestand getreten war, wird den neuen Sozialdienstleister leiten. HUT lobt seine „umfangreiche Managementerfahrung in komplexen Strukturen“ (neben der Polizei leitete Schrantz fünf Jahre lang die Personalabteilung der CFL). Doch die Neupositionierung des ehemaligen Polizeichefs sorgt für Unbehagen. Auf der linken Seite stellt man die repressive Symbolik der Ernennung in Frage. Auf Seiten der Liberalen will man wissen, ob der Pensionär Schrantz eine „Genehmigung“ einholen musste, bevor er seine neue Stelle antreten durfte. Die Abgeordneten Cahen und Hartmann (beide DP) befragen „die Herren Minister“ Wilmes und Gloden (beide CSV), ob sie „es für normal halten, dass ein pensionierter Beamter eine Vollzeitstelle annimmt?“