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Stil 3 Min. Lesezeit

Unterrichtsformen

Wenn man am ersten Samstag des Monats um 12:39 Uhr in den Zug „Luxembourg-Nancy“ einsteigt, begibt man sich auf eine ganz besondere Reise. Aufgrund seiner zahlreichen Haltestellen, die das gesamte Fensch-Tal und darüber…

Erschienen in Ausgabe November 2024
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Wenn man am ersten Samstag des Monats um 12:39 Uhr in den Zug „Luxembourg-Nancy“ einsteigt, begibt man sich auf eine ganz besondere Reise. Aufgrund seiner zahlreichen Haltestellen, die das gesamte Fensch-Tal und darüber hinaus abdecken, ist dieser Zug das ideale Transportmittel für Eimer mit Tabak zum Selbstdrehen, abgenutzte Cora-Tüten voller Zigarettenstangen und vielleicht noch das eine oder andere Produkt, das auf unserer Seite der Grenze deutlich weniger Steuern kostet.

Zu Beginn des Monats ist das eine gute Möglichkeit, sich einzudecken oder sogar etwas dazu zu verdienen, um das Einkommen aufzubessern, das gerade so zum Leben reicht. Angesichts der Mengen hofft man in der Tat, dass es sich nicht nur um den Eigenverbrauch handelt. Es ist zweifellos eine Lösung für diejenigen, die zu müde sind, um mit dem Fahrrad Mahlzeiten auszuliefern – ein kleiner Trick, um ein paar Krümel vom großen Kuchen des freien Warenverkehrs abzuschöpfen.

Um das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden, könnte man doch die Gelegenheit nutzen und sich ein „Extra“-Menü bei Burger King oder einen „Big Tasty“ im McDonald’s an der Avenue de la Gare gönnen, das man dann auf dem Heimweg essen kann. Die Pommes werden zwar etwas matschig sein, der Burger etwas abgekühlt, aber der unverkennbare Geruch von Fast Food hat immer noch diesen kleinen „Madeleine-de-Proust“-Effekt. Auch für die anderen Fahrgäste im Waggon. Wenn der Burger immer noch zu teuer ist, reicht auch eine Dose Monster Energy Drink, um durchzuhalten.

Es ist nicht so voll wie sonst unter der Woche, wir sitzen nicht wie Pendler auf Tuchfühlung. Jeder kann seine Tabakvorräte auf den Nebensitz legen. Die Marke Elixyr ist ein voller Erfolg. Vielleicht wegen ihres poetischen Namens, der an eine wundersame Heilung oder gar übernatürliche Wirkungen erinnert, wahrscheinlicher jedoch wegen ihres unschlagbaren Preises.

Niemand schaut aus dem Fenster, das Handy ist interessanter. Viele unternehmen die Reise mit der Familie. Uckange, Hagondange, Pagny-sur-Moselle – die für die Woche vorgesehenen Parkplätze sind menschenleer. Die stillstehende Achterbahn von Walygator und die Reihen der Bergarbeiterhäuser tragen zu der bedrückenden Stimmung bei, die durch den Herbsthimmel und den allgegenwärtigen Untergangssinn in den Bereichen Politik, Haushalt, Klima, Diplomatie und sogar Fußball geprägt ist. Man hat den Eindruck, in eine Facebook-Gruppe namens „Railway to Hell“ eingetaucht zu sein, der sich Mitglieder mit unterschiedlichen Beweggründen angeschlossen haben: körperliche Nikotinabhängigkeit, das Bedürfnis, den eigenen Konsum zu finanzieren, banale Wochenendlangeweile, die durch die Aussicht auf eine mehr als einstündige Hin- und Rückfahrt nicht abgeschreckt wird.

Gleichzeitig wirbt Luxair seit einigen Wochen mit einer Anzeige für sein neues Kaviar-Menü auf Business-Class-Flügen nach Dubai. Der Kontrast ist frappierend, doch die Parallele liegt auf der Hand. Man bringt von dort sicherlich keine Eimer voller Tabak mit, geschweige denn Zwei-Liter-Flaschen Martini oder Label 5. Eher Chanel Nr. 5. Und warum nicht Taschen voller iPhones, Rolex-Schachteln oder Goldschmuck. Jedem sein Gepäck, jedem seine Droge, jedem das Gefühl, ein Schnäppchen gemacht zu haben. Ob man nun eine Gibson aus New York, einen Maßanzug aus Bangkok oder Zigaretten aus Rumelange mitbringt.