In den Weiten des Internets übt TikTok eine enorme Anziehungskraft aus. Die Plattform zählte im Jahr 2022 nicht weniger als 1,7 Milliarden Nutzer, und bis zum Jahresende werden es sicherlich zwei Milliarden sein. 72 Prozent der Nutzer sind jünger als 24 Jahre. Das soziale Netzwerk bietet nicht nur Tanz- und Comedy-Videos sowie Koch- und Basteltipps, sondern prägt auch die Art und Weise, wie seine Nutzer Aspekte des realen Lebens wahrnehmen. Dazu gehört insbesondere die Sichtweise auf verschiedene Länder, darunter auch Luxemburg.
Das Land leidet oft unter einem wenig attraktiven Image, insbesondere bei jungen Menschen. Seien wir ehrlich: Wenn man Luxemburg nicht kennt – was bei vielen der Fall ist –, klingen Reiseziele wie Barcelona, Paris oder Amsterdam einfach viel verlockender. Doch auf der chinesischen App geht der Trend dahin, kleine Geheimtipps zu entdecken. Viele Content-Ersteller, egal ob sie viele Follower haben oder nicht, suchen nach der Perle unter den Reisezielen. Luxemburg bietet sich daher als ideales Thema an. Diese Videos tragen dazu bei, das Image des Landes aufzupolieren und es bekannter zu machen. Oft vergessen junge Internetnutzer, dass es nicht auf die Größe ankommt und dass es nicht nur um Geld oder Banken geht. Viele glauben, Luxemburg sei lediglich ein Anhängsel Frankreichs oder Deutschlands, das man an einem einzigen Tag durchqueren kann.
Es gibt eine Vielzahl von Formaten und Ansätzen für die Erstellung solcher Videos, doch das Prinzip ist immer dasselbe. Da ist zunächst das „Vlog“-Format, bei dem der Videomacher oder die Videomacherin einfach seinen bzw. ihren Alltag filmt. Die Person zeigt dabei, was sie isst, was sie sieht und was sie tut, und kommentiert das Ganze dabei. Man findet auch Ranglisten, zum Beispiel „Fünf Gründe, Luxemburg zu besuchen“ oder „Fünf Dinge, die Sie noch nicht über Luxemburg wissen“. (Fünf scheint auf TikTok die Zahl zu sein, die besonders gut ankommt). Außerdem werden Geheimtipps geteilt, also gute Bars oder Restaurants (oft die fotogensten, nicht unbedingt die besten), Sonderangebote, Orte, die man nicht verpassen sollte, oder auch Festivals. Dieses Gefühl, etwas Einzigartiges oder Besonderes zu entdecken, regt die Internetnutzer dazu an, sich mit dem Angebot Luxemburgs auseinanderzusetzen, sich dafür zu interessieren und vielleicht auch dorthin zu reisen. So bietet Janina Madeleine ihrer Community einen Leitfaden für Unternehmungen in Luxemburg in sieben Schritten an: einen Kuchen und eine heiße Schokolade im Chocolate House genießen, anschließend einen Spaziergang durch die Altstadt, vor allem im Stadtteil Grund, machen, dann die Philharmonie besuchen (was eigentlich nicht möglich ist, da der Ansatz der TikTok-Nutzer eher oberflächlich bleibt) und schließlich das Mudam. Danach schlägt sie vor, noch einmal spazieren zu gehen, diesmal jedoch unter der Adolphe-Brücke hindurch, bevor man die Architektur der Stadt erkundet und den Tag mit einem Besuch des Schlosses Vianden abschließt.
Diese TikTok-Videos, in denen immer wieder dieselben, sich leicht im Kopf einprägenden Melodien verwendet werden, preisen das Beste, was das Land zu bieten hat. In vielen dieser Videos sieht man oft dieselben Bilder des Großherzogtums: seine beeindruckende Architektur, seine Schlösser (das von Vianden, Beaufort und Clervaux), unerwartete Panoramen (der Aufzug von Pfaffenthal, das Müllerthal, die Schleifen der Sauer, das Petruss-Tal), seine Restaurants, die Tatsache, dass dort mehrere Sprachen gesprochen werden, seine europäische Geschichte und schließlich der Zugang zu erschwinglicher, ja sogar kostenloser Kultur. Was jedoch am häufigsten hervorgehoben wird, ist eindeutig die Kostenfreiheit der öffentlichen Verkehrsmittel, was im Rahmen einer touristischen Reise ein echter Vorteil ist. Davon zeugt der Kanal „ Voyage in Europe “ mit rund 100.000 Abonnenten. Mit einem Beitrag über den kostenlosen öffentlichen Nahverkehr erzielte er 3,5 Millionen Aufrufe und 320.000 Likes.
TikTok hat Luxemburg, seinem Image und seinem Tourismus wahrscheinlich bereits gutgetan. Diese viralen Videos stellen bestimmte Stereotypen in Frage und könnten dem Tourismussektor Auftrieb geben. Und das hat „Luxembourg for Tourism“ (LfT) sehr wohl erkannt. Deshalb geht die Organisation auf die Anfragen dieser Influencer ein und lädt sogar einige von ihnen ein, wie uns die Pressestelle bestätigte. LfT wählt die Content-Ersteller anhand ihrer Reichweite, des Formats ihrer Inhalte und ihrer Zielgruppe aus. Die Organisation bietet an, die Kosten für Transport, Verpflegung und Unterkunft des Gastes zu übernehmen – im Gegenzug für die Erstellung von Inhalten, genau wie bei Journalisten traditionellerer Medien. LfT seinerseits nutzt diese Inhalte in seinen sozialen Netzwerken Instagram, Facebook, Twitter und LinkedIn. Die Einrichtung eines TikTok-Kontos steht derzeit nicht auf der Tagesordnung, was jedoch bei einem jungen Publikum Anklang finden könnte.