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Stil 4 Min. Lesezeit

Spielholz

Der vom Atelier Ligna gewählte Name leitet sich von einem lateinischen Begriff ab, den man mit „aus Holz“ übersetzen könnte – ein schlichter Name, der den Geist der Tischlerei und des Möbelbaus treffend widerspiegelt…

Erschienen in Ausgabe März 2024
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Der vom Atelier Ligna gewählte Name leitet sich von einem lateinischen Begriff ab, den man mit „aus Holz“ übersetzen könnte – ein schlichter Name, der den Geist der Tischlerei und des Möbelbaus treffend widerspiegelt: das Streben nach Authentizität. Verarbeitet werden vor allem einheimische Massivhölzer wie Eiche, Buche, Ahorn, Kirschbaum oder Esche. Das 1995 von Jang Feinen gegründete Atelier diversifizierte sich 2005 auf Initiative von Edith Feinen, die sich damals ihrem Mann angeschlossen hatte. Zu dieser Zeit waren ihre Kinder noch klein, und Edith hatte Kritik an den wenigen Spielplätzen, die es damals im Großherzogtum gab. Als Agrarwissenschaftlerin hatte sie sich schon immer für die Gestaltung von Außenanlagen interessiert, und so nahm das Ehepaar den Bau von Spielplätzen in sein Angebot auf. Spielplätze aus Robinienholz. Auch wenn sich die Verwendung dieses europäischen Holzes in den letzten zwanzig Jahren gut etabliert hat, war die Idee damals noch neuartig. Robinienholz ist widerstandsfähig und benötigt keinerlei chemische Behandlung, was den Bau von Spielgeräten mit gewundenen, knorrigen Formen ermöglicht – ganz anders als die traditionellen, geometrischen Spielplätze. Genau darin liegt ihr ganzer Charme. Wenn ein Spielplatz fünfzehn bis zwanzig Jahre nach seiner Errichtung saniert wird, kann das natürlich behandelte Holz zudem verbrannt werden, ohne dass dabei umweltschädliche Substanzen freigesetzt werden.

Der erste Spielplatz, der diesen Namen wirklich verdiente, soll 1876 in Chicago entstanden sein, doch ein Jahrhundert später gab es in Luxemburg noch immer nur sehr wenige davon. Damals spielten die Kinder auf der Straße oder in den Gärten ihrer Familien. Schulhöfe beschränkten sich oft auf … einen Hof. Heutzutage verbringen Kinder viel mehr Zeit in der Schule und in Kindertagesstätten. Daher entstehen immer mehr Projekte für themenbezogene Spielplätze. So hat das Atelier Ligna unter anderem den Spielplatz in Berdorf zum Thema Wald mit seinen kleinen Häuschen und Tieren realisiert, die Lokomotive in Bergem, die an die ehemalige Eisenbahnlinie erinnert, die dort verkehrte, oder auch den zweistöckigen Spielplatz in Itzig, der von Afrika inspiriert ist und auf dem die Kinder Fußball und Basketball spielen können.

Die kleineren Spielplätze werden in der Regel gemeinsam mit den Technikern der Gemeinde errichtet. Bei den größeren Projekten arbeitet die Werkstatt mit Architekten, Landschaftsarchitekten und Bauunternehmern zusammen. Das bewilligte Budget muss vom Ministerium genehmigt werden, und die Meinung der Lehrer sowie gegebenenfalls auch die der Eltern wird berücksichtigt. Die Realisierung von Spielplätzen dauert somit ein bis zwei Jahre, und es kommt vor, dass die Feinens glauben, ein Projekt sei endgültig begraben, bevor ein Kunde sie schließlich doch noch zurückruft. Der letzte Schritt vor der Inbetriebnahme eines Spielplatzes ist die Überprüfung durch eine Sicherheitsbehörde, da die europäischen Normen seit den 1980er- und 1990er-Jahren immer strenger geworden sind.

Im Bereich Tischlerei und Möbelbau hat sich seit der Gründung der Werkstatt einiges getan. Da die Immobilienpreise gestiegen sind, ist das Budget für Möbel stark geschrumpft. Die Kunden von Edith und Jang Feinen sind in der Regel in den Vierzigern und führen eher Renovierungen durch als eine Erstausstattung, wie es in der Vergangenheit der Fall war. Bei der Gestaltung der Möbel schildern die Kunden ihre Bedürfnisse und Wünsche, woraufhin die Werkstatt Ligna einen Kostenvoranschlag erstellt, bevor sie das erforderliche Material bestellt und das Projekt umsetzt.

Die größte Freude für Edith Feinen ist es, wenn ein Kunde wiederkommt – ein Beweis für die Wertschätzung ihrer Arbeit. Ähnlich wie bei den Spielplätzen gestaltet das Atelier Ligna auch Lernparcours mit Informationstafeln oder Drehspiele, die die Form von Tieren annehmen können. Stolz auf ihre Werkstatt, die auf eine fast dreißigjährige Geschichte zurückblickt, betrachten Edith und Jang Feinen jedes Projekt als neue Herausforderung. Während Jang sich um die eher technischen Aspekte kümmert, übernimmt Edith die Verwaltung und die Buchhaltung. Neben dem ökologischen und originellen Charakter ihrer Spielplätze ist auch die Langlebigkeit von Ligna ein Vertrauensbeweis für die Kunden. Da die Feinens ihre Werkstatt auch nach ihrem Ruhestand weiterführen möchten, machen sie sich Gedanken über ihren Nachfolger. Bis zur Stabübergabe wird es dem Paar jedenfalls sicherlich nicht an Arbeit mangeln, da ihr Terminkalender bereits bis zu den Sommerferien ausgebucht ist.