Auch die Gastronomie bleibt von Moden und Trends nicht verschont. In den letzten Jahren hat sich Sushi immer mehr in der breiten Masse durchgesetzt, während Burger im Gegensatz dazu immer gehobener wurden und Poke Bowls einen westlichen Einfluss erhielten. Man trank Spritz, Kombucha, IPA-Biere und Orange Wine… Der aktuelle Trend ist Bubble Tea: grüner Tee oder Milchtee, serviert mit gesüßten Tapioka-Perlen und Früchten. Wie so viele andere Trends hat auch dieser etwas Zeit gebraucht, um bei uns Fuß zu fassen, vor allem weil es in Luxemburg relativ wenige Menschen asiatischer Herkunft gibt. Denn der „Boba-Tee“ entstand in den 1980er Jahren in Taiwan und wurde durch Einwanderer in Kalifornien und deren Kinder populär gemacht (in diesem Bundesstaat leben die meisten taiwanesischen Einwanderer in den USA).
Seine Ursprünge sind unklar, doch es scheint, als sei er aus der Verschmelzung zweier Traditionen entstanden. Seit der Tang-Dynastie (genau wie der gefriergetrocknete Orangensaft) im siebten Jahrhundert in China wurde schwarzer Tee (auf Chinesisch „roter Tee“ genannt) oft mit Butter, Sahne oder Milch getrunken, auch wenn dieser Brauch in Vergessenheit geriet, bevor er in den ehemaligen britischen Kolonien wieder eingeführt wurde. Andererseits entsprachen die Tapioka-Perlen – ein aus Maniok hergestelltes Produkt, das über Südostasien nach Taiwan gelangte – mit ihrer charakteristischen, federnden, gummiartigen und zähen Konsistenz, entsprachen einem bereits tief verwurzelten Geschmack für gelatineartige, stärkehaltige Desserts wie Sagoperlen in süßen Suppen. Irgendwann kam jemand auf die Idee, diese beliebten Elemente in einem einzigen Getränk zu kombinieren. Der Name „Boba“ stammt von einem Slangausdruck, der „Titten“ bedeutet – in Anspielung auf die Form der Tapioka-Kugeln. Im Laufe der Zeit hat sich das Getränk weiterentwickelt und bietet nun eine immer größere Auswahl an Toppings: Obst, Sirup, Mandelgelee, Taro, Kräuter…
In den 2000er Jahren entwickelten sich die „BBT-Shops“ zu echten Treffpunkten für Jugendliche asiatischer Herkunft in Los Angeles und Umgebung. Das Getränk hat sich als Symbol für all jene etabliert, die sich zum „AZN Pride“ bekennen, den Stolz auf ihre asiatischen Wurzeln, ein Phänomen, das von der zweiten Generation getragen wird, die sich besonders darüber freut, dass sich eine echte asiatische Popkultur mit Sushi, Mangas, K-Pop-Bands usw. entfaltet. In dieser Ikonografie bedeutete das Nippen an einem Bubble Tea, zu seinen asiatischen Wurzeln zu stehen. Davon zeugt „Bobalife“, der Pop-Song der Fung Brothers, der chinesisch-amerikanischen Brüder Andrew und David Fung, der alle Aspekte des Getränks beschreibt: „ the flavors are fruity and the straws are big / Iced milk with pudding, fruit tea with aloe / Something for everyone, young kids to adults “
Der Erfolg des Bubble Tea beruht auf einer gelungenen Kombination verschiedener Aspekte, die voll und ganz im Zeitgeist verankert sind. Der süße Geschmack, die weiche Konsistenz und die knalligen Farben wecken auf wunderbare Weise Kindheitserinnerungen und vermitteln ein behagliches Gefühl der Rückkehr in die Kindheit. Die durchsichtigen Becher, durch die man die in den bunten Flüssigkeiten schwimmenden Kugeln sehen kann, sind äußerst „instagramtauglich“. Schließlich macht die unendliche Vielfalt an Geschmacksrichtungen, „Toppings“, Kombinationen und Rezepten jedes Glas einzigartig und individuell gestaltbar – ganz im Stil dessen, was schon in den Anfängen von Subway oder Starbucks so begeistert hat. So gibt es im Bubble House in der Grand Rue in Luxemburg dreizehn Milchtee-Sorten und zehn Früchtetee-Sorten, zu denen noch neun Obstsorten hinzukommen… „Es hat einen kleinen Insider-Charakter, man muss schon ein bisschen Kenner sein, bevor man bestellt: die Größe des Bechers wählen, mit oder ohne Eiswürfel, den Zuckergehalt, die Toppings… Man fühlt sich ein bisschen besonders“, fasst Émilie zusammen, eine Stammkundin, die auch auf das Ritual hinweist, bei dem man den Deckel des Bechers mit der abgeschrägten Seite des breiten Strohhalms durchsticht. Das Gesundheitsargument des grünen Tees (reich an Antioxidantien) kann man getrost vergessen, denn die Süße der Sirupe macht die positiven Effekte zunichte. Hingegen sollte man bedenken, dass Tapiokamehl glutenfrei ist. Diese Aspekte erklären, warum Bubble Tea eine vielversprechende Zukunft vor sich haben dürfte.