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Stil 4 Min. Lesezeit

Nicht ganz perfekt

Emma ist Psychotherapeutin. Steve ist Experte für Lichtgestaltung, da er viele Jahre lang insbesondere für die großen Bühnen des luxemburgischen Theaters und als Freiberufler tätig war. Der einen fehlte ein kreativer…

Erschienen in Ausgabe Juli 2024
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Emma ist Psychotherapeutin. Steve ist Experte für Lichtgestaltung, da er viele Jahre lang insbesondere für die großen Bühnen des luxemburgischen Theaters und als Freiberufler tätig war. Der einen fehlte ein kreativer Aspekt in ihrem Berufsleben. Dem anderen gefiel die Idee, sein Fachwissen in einer gemeinsamen kreativen Tätigkeit mit seiner Lebenspartnerin einzubringen. Beide wirken pragmatisch und ergebnisorientiert. Als Emma beschließt, in die Fußstapfen ihrer Mutter zu treten und sich für Keramik zu interessieren, rät Steve ihr, „etwas Funktionales“ zu machen. Da die beiden gerade in ein neues, noch recht leeres Haus gezogen sind, in dem es noch an Lampen mangelt, und da die Beleuchtung für Steve extrem wichtig ist, beschließt Emma, Leuchten herzustellen, die Steve anschließend mit Kabeln und Glühbirnen ausstattet. So entstand „Tiptop Luuchten“ – handgefertigte Keramikleuchten aus Luxemburg. Ihr Markenzeichen? Vom Modernismus inspirierte Formen, die derzeit zwar nur in einer begrenzten Anzahl von Modellen erhältlich sind, jedoch in ständig wechselnden Farben und Nuancen hergestellt und mit außergewöhnlichen Kabeln und Glühbirnen veredelt werden. „Das Wesentliche für uns ist es, im wahrsten Sinne des Wortes Licht in die Häuser unserer Kunden zu bringen“, lächelt Emma, „und gute Laune.“ Sie fertigen kein Stück zweimal, dennoch bleiben die Preise erschwinglich. „Es ist uns wichtig, unsere Kreationen nicht einer breiten Kundschaft vorzuenthalten, die nicht unbedingt über ein riesiges Budget verfügt.“

Nachdem sie ihr eigenes Zuhause dekoriert hatten, begann das Paar, seine Kreationen auf ländlichen Märkten wie dem „Koll an Aktioun“ in Martelange oder dem „Open Air Konstfestival“ in Lellingen anzubieten. Bald werden sie zu regelmäßigen Teilnehmern an Märkten lokaler Designer wie dem „Augenschmaus“ in der Rotonde. Dort lernen sie andere luxemburgische Kreative kennen. „Wir haben mit Oriane Bruyat (Malerin) zusammengearbeitet. Giamba (Illustrator und Skater) ist eine Inspiration für uns, aber auch Rambazamba (Ohrringe und Accessoires) in Bezug auf die Farbgebung… “.

Die Kundschaft scheint von der kleinen, aber vielseitigen Auswahl an Stehlampen und Kronleuchtern begeistert zu sein. „ Der Herstellungsprozess ist so beschaffen, dass es unmöglich ist, zwei völlig identische Stücke zu erhalten “, erklärt Emma. „ Es gibt immer Unvorhergesehenes, es ist utopisch, alle Schritte der Herstellung kontrollieren zu wollen “. Jede Form wird dreimal in einem Ofen gebrannt, in den sie investiert hat, um mehr Spielraum zum Ausprobieren und Testen zu haben, anstatt Öfen in Keramik-Lehrzentren zu nutzen, die gemietet werden müssen. „Ich habe Hunderte von Versuchen unternommen, bevor ich den richtigen Weg gefunden habe – sowohl beim Brennen der Formen als auch bei der Suche nach der besten Methode zur Vorbereitung und Verfeinerung der Glasur.“ Zunächst bereitet sie die Formen vor und lässt sich dabei von der Natur und Alltagsgegenständen inspirieren. Nach dem ersten Brand wird das Produkt geschliffen und anschließend ein zweites Mal gebrannt. Die Glasur wird für den letzten Brand aufgetragen. Manchmal muss dieser Vorgang je nach gewünschter Deckkraft und Endfarbe mehrmals wiederholt werden. „Das ist eine echte Wissenschaft“, erklärt Emma. Dies steht im Gegensatz zu dem – archaischen? – Schaffensprozess schlechthin, nämlich dem Formen von Ton.

Emma hat sich für einen Ofen der bekannten Marke Nabertherm entschieden, mit dem Gedanken im Hinterkopf, ihn leicht wieder verkaufen zu können, falls das Unternehmen nicht in Schwung kommen sollte. Was jedoch keineswegs der Fall ist. Die beiden erhalten auch Bestellungen (die Lieferzeit beträgt bis zu einigen Monaten), und die Produkte finden schnell Abnehmer. Aber die beiden lassen sich davon nicht stressen. Ihr Schaufenster ist auf Instagram, eine Website gibt es noch nicht, aber sie werden einen kleinen Showroom im Lebensmittelgeschäft „Am Duerf“ in Schrondweiler einrichten. Da das zweite Kind des Paares erst vor kurzem zur Welt gekommen ist, haben sie beschlossen, eine Pause einzulegen, und stehen kurz davor, mit ihrer kleinen Familie für einige Monate mit dem Wohnmobil auf Reisen zu gehen. Um neue, inspirierende Eindrücke zu sammeln … und mit vielen originellen Ideen im Kopf zurückzukommen.