Seit einigen Wochen schmücken sich die Straßen und Innenräume der Häuser mit Lichtern, Kugeln, Tannenbäumen, Sternen und allerlei anderen weihnachtlichen Dekorationen aller Art – anlässlich dieser einzigartigen und besonderen Zeit, die die Weihnachtsfeiertage darstellen. Was den Außenbereich betrifft, entwickelt jede Gemeinde, ja sogar jedes Stadtviertel ihr eigenes und oft einzigartiges künstlerisches Konzept für die Weihnachtsdekoration, die den öffentlichen Raum manchmal schon ab den ersten Novembertagen erobert. Seien wir ehrlich: Auch wenn es manchmal recht gelungen ist, ist es oft von zweifelhaftem Geschmack, manchmal geradezu blendend, wobei das Hauptziel darin besteht, dass es so hell wie möglich leuchtet.
Nehmen wir zum Beispiel das Rousegäertchen, auch bekannt als Place des Martyrs, ein kleiner Park inmitten der Avenue de la Liberté, dessen Name an die zahlreichen Rosensträucher erinnert, die ihn säumen – in Erinnerung an die Belle Époque, als das Land als „Land der Rosen“ bekannt war und hier nicht weniger als 260 Rosensorten gezüchtet wurden. Auf dem Papier und elf Monate im Jahr hat dieser Garten alles, was einen charmanten, romantischen Ort mit dem bürgerlichen Flair des Viertels ausmacht. Und zack, im November scheint ein riesiger, glitzernder Tunnel ihn schlichtweg verschlingen zu wollen, wodurch dieser kleine, unauffällige und bezaubernde Platz plötzlich den Anschein von Maßlosigkeit erhält, wie man ihn von einem Einkaufszentrum in den Vereinigten Arabischen Emiraten kennt. Sicherlich sind Traditionen wichtig und die aktuelle Zeit lädt dazu ein, den „Weihnachtszauber“-Effekt zu übertreiben, aber müssen wir uns wirklich so viel davon und buchstäblich so viel davon vor die Augen werfen lassen?
Um auf diesen Weihnachtsdekorationswahn zu reagieren, der jedes Jahr sowohl die Behörden als auch die meisten Menschen zu packen scheint – und ohne den „Grinch“ spielen zu wollen –, wollen wir den Ursprüngen des Ganzen auf den Grund gehen. Es überrascht nicht, dass sich zu diesem Thema zahlreiche mehr oder weniger abwegige Theorien die Waage halten, die diesmal jedoch keinerlei Zusammenhang mit einem sehr zuckersüßen kohlensäurehaltigen Getränk in den Farben des Weihnachtsmanns haben. Alle Quellen scheinen sich auf eine Epoche – das Mittelalter – und einen Zeitpunkt – die Wintersonnenwende (am 21. Dezember für diejenigen, die auf der Nordhalbkugel leben) – zu einigen. In der heidnischen Tradition steht der Baum für die Erneuerung des Lebens. Was gibt es also Schöneres, als ihn in den Mittelpunkt der Feierlichkeiten zur Wintersonnenwende zu stellen, die – wenn auch nicht ohne Mühe – die allmähliche Rückkehr zu den „schönen Tagen“ ankündigt. Die Christen machen sich dieses Symbol zu eigen und machen ihn zum Baum des Paradieses, in Anlehnung an das Kreuz Christi, dessen Aufgabe auf Erden und im Himmel darin besteht, die Menschheit zu retten – nichts Geringeres, in aller Demut. Dem Ursprung nach sollte es eigentlich ein Apfelbaum sein oder ein mit Äpfeln geschmückter Baum, in Anspielung auf die verbotene Frucht und all das Leid, das diese Frucht auf der ganzen Erde und für alle Ewigkeit verursacht hat. Im Dezember Obstbäume zu finden, seien wir ehrlich, ist nicht gerade einfach. Der Tannenbaum hat sich daher sehr schnell als Baum der Saison durchgesetzt, geschmückt mit Äpfeln, rund, rot … kann jeder folgen? Hinzu kamen alle möglichen runden und roten Gegenstände, und als die Äpfel knapp wurden, begann man, Kugeln aus Glas herzustellen, dann aus Kunststoff, dann mit Glitzer außen und Styropor innen, in allen Farben, selbst in den unwahrscheinlichsten. Anschließend fügte man den Stern ganz oben auf dem Baum hinzu, der den Stern von Bethlehem symbolisierte, und die Bourgeoisie schmückte ihre Bäume, um sich von der Masse abzuheben, mit Kerzen (versucht das bitte nicht zu Hause nachzumachen, die Feuerwehr dankt es euch).
Lichterketten und andere Licht- (und Lärm-)Belästigungen haben hingegen mehr mit der Erfindung von Thomas Edison (die Lichterketten wurden von einem Verwandten, Edward Hibberd Johnson, erfunden), der Globalisierung und somit mit dem sehr zuckersüßen amerikanischen Getränk in den Farben des Weihnachtsmanns als mit irgendeiner Tradition oder der Idee, die Dunkelheit der finstersten Tage zu erhellen. Ein kleiner Tipp für die Dekoration? Alle Einrichtungsmagazine und -blogs sind sich einig: Weihnachten 2021 steht im Zeichen einer (überraschenden) Rückkehr zu Pflanzen, Natürlichkeit, Umweltfreundlichkeit und den Farben Grün und Rot – mit einem Hauch von Retro-Verrücktheit. Befolgen Sie also diese guten Ratschläge: Besorgen Sie sich einen Baum, rote Äpfel und ein paar Kerzen – das ist pflanzlich, natürlich, umweltbewusst, grün und rot. Bringen Sie diese Dinge doch gleich zum Place des Martyrs, um die so schönen und zarten Rosenbüsche zu schmücken.