In diesem Jahr feiert die Kunstschmiede Besenius ihr 200-jähriges Bestehen: eine schöne Gelegenheit, diese Institution des luxemburgischen Handwerks zu besuchen (Journalisten lieben Jubiläen). Jeff und Lex Besenius repräsentieren die siebte Generation an der Spitze dieses Unternehmens, das in Niederfeulen gegründet und 1980 nach Mertzig verlegt wurde. Es fertigt vor allem moderne Metallkonstruktionen (Geländer, Tore, Treppen …), übernimmt aber auch die Restaurierung von Kulturgütern. So hat Besenius unter anderem an den Balkonen des Großherzoglichen Palastes, am Tor der Orangerie in Echternach und am Schiefermuseum in Martelange gearbeitet, ganz zu schweigen von den unzähligen Schlössern, die das Großherzogtum prägen. „ Aufgrund unserer langjährigen Erfahrung sind wir manchmal damit befasst, alte, durch Kunstschmiedearbeiten entstandene Elemente zu restaurieren“, erklärt Jérémy Hainaux, Mitgeschäftsführer des Unternehmens. „Wir lassen die Spuren der Vergangenheit und die natürlichen Abnutzungserscheinungen erhalten und reparieren lediglich die Beschädigungen..… aber wir können die Haltbarkeit dennoch verbessern, dank Behandlungen wie der Verzinkung “. In den schönen Anwesen mischen manche Eigentümer gerne Altes und Zeitgenössisches und schwören auf den selbstpatinierenden Cortenstahl : Sein rostiges Aussehen verleiht dem Ganzen einen besonderen Charme.
In der Werkstatt lässt man sich von Lex Besenius führen, der schon als kleiner Junge vorhatte, das Familienunternehmen zu übernehmen – abgesehen von einer kurzen Phase in seiner Jugend, in der er sich eher als Illustrator von Kinderbüchern sah. „Der künstlerische Blick ist in diesem Beruf hilfreich“, erklärt der Absolvent der Akademie der Schönen Künste in Brüssel. „Hier habe ich alle Bereiche durchlaufen: Zeichnen, Design, Produktion, Montage…“. Vor den Lagerbeständen, wo große Metallplatten (Stahl, Aluminium, Edelstahl, Messing…) lagern, sind eine Schneidemaschine und eine computergesteuerte Biegemaschine die einzigen Hightech-Geräte. Neben den Schweißplätzen stehen der Kohleofen, der Fallhammer, der Amboss und der Hammer nach wie vor im Mittelpunkt eines Berufs, der im Wesentlichen handwerklich geblieben ist. Wenige Wochen vor seiner Pensionierung, nach 22 Jahren im Unternehmen und einem ganzen Leben als Schmied, bestätigt José Barros, dass sich seine Arbeitsabläufe nicht verändert haben. „Ob es sich um ein modernes Teil oder um eine Restaurierung handelt, die Arbeit ist dieselbe“, sagt er.
Die Schmiede Besenius mit ihren 24 Mitarbeitern führt Aufträge aller Art aus: von einer Tribüne für das Fußballstadion im benachbarten Ettelbruck bis hin zu einer tannenbaumförmigen Backform für die Konditorei „Jos et Jean-Marie“, die nur einen Katzensprung entfernt liegt. „Wir arbeiten vor allem an Projekten, die etwas aus dem Rahmen fallen, einzigartig sind und niemals in Serie hergestellt werden“, erklärt Lex Besenius. Eine Philosophie, die gut zu einem der jüngsten Projekte passt, an dem die Schmiede beteiligt ist: das Wohnmodul HUUS, für dessen technische Entwicklung und Bau sie verantwortlich war. Es besteht aus einem umgebauten Seecontainer und einer zusätzlichen Metallkonstruktion, um ihm ein Stockwerk hinzuzufügen, und wurde vom Designer Steve Krack entworfen, der an diesem Tag zu Besuch war. „Es ist eine Antwort auf die Wohnungskrise in Luxemburg“, erklärt er. „Dieses temporäre, nachhaltig konzipierte Modul, das sich leicht überallhin transportieren lässt, bietet eine erschwingliche Lösung für junge Berufstätige, Studierende oder Flüchtlinge.“ Die Konstruktion, die mitten im Atelier steht, ist komplett ausgestattet und dank ihrer drei berührungslosen Metallschichten gut isoliert: ein sogenanntes „thermisches Trennverfahren“, das dem bei Isolierflaschen verwendeten entspricht.
In Mertzig treffen verschiedene Epochen aufeinander: Am Fuße des HUUS-Moduls steht ein Geländer, das kürzlich in den Kellern der Kathedrale Notre-Dame in Luxemburg wiederentdeckt wurde, bereit zur Auslieferung, nachdem es eine kleine Auffrischung erhalten hat. Die Kupferembleme und der Handlauf aus Messing wurden gereinigt, und einige gebrochene und verbogene Teile wurden wieder zusammengesetzt und gerichtet. „Auch wenn wir ein modernes Unternehmen sind und die Restaurierung nur einen geringen Teil unserer Tätigkeit ausmacht, ist dies für uns eine Quelle des Stolzes“, bemerkt Lex Besenius. Genau wie diese alten Türen aus denkmalgeschützten Häusern, die unersetzbar sind und denen die Schmiedekunst einen neuen Rahmen oder ein zuverlässigeres Schloss verleiht, ist das Haus Besenius gewissermaßen ein Hybrid: eine jahrhundertealte Geschichte und ein jahrhundertealtes Know-how, gestützt auf die Technologien von heute.