Nach mehreren Reisen rund um die Welt hat sich Gaëtan Couffignal auf eine Reise begeben … mit dem Fahrrad. Seine Reiseziele wechseln: Der Ingenieur entdeckt nicht nur seine Heimatregion Bordeaux neu, sondern erkundet auch andere europäische Routen. Bestehende Radwege wie die „Loire à Vélo“ oder die „Belle Via“, aber auch noch unbekannte Routen wie der Jakobsweg, Amsterdam–Paris oder auch … die „Tour du Luxembourg“, die er im vergangenen Mai absolvierte. Als er sich eine Karte ansah, weckte dieses „winzige Land“ Gaëtans Neugier, und ihm wurde klar, dass er nicht viel darüber wusste: „ nbsp;Ich hatte nur das Bild von Banken und europäischen Institutionen im Kopf und wollte mehr darüber erfahren “. So beginnt eine siebentägige Reise über 624 Kilometer und 5 750 Meter Höhenunterschied.
Da das Filmen Gaëtans andere Leidenschaft ist, hat er vor fünf Jahren seinen YouTube-Kanal „Cyclo Voyage avec Gaetan“ ins Leben gerufen, auf dem seine 12.700 Abonnenten fast 300 Videos entdecken können. Der 30-Jährige teilt dort nicht nur seine Abenteuer und zahlreiche praktische Tipps, sondern auch ausführliche Interviews mit anderen Radtouristen. „Mein Ziel ist es, den Menschen Lust zu machen, sich mit dem Fahrrad auf den Weg zu machen, um neue Gegenden zu erkunden“, erklärt er. Gaëtan Couffignal bietet zudem von Frühling bis Herbst „Radtouren“ verschiedener Schwierigkeitsgrade an. Einmal im Jahr wird eine Nacht im Biwak organisiert. Auch wenn das Video sein bevorzugtes Format bleibt, hat er zudem drei Bücher veröffentlicht. Im Jahr 2022 erschien „Compostelle à vélo“, im vergangenen Herbst folgten „Saône-et-Loire“ und „Le Tour du Luxembourg à vélo“. Alle Bücher sind in zwei Teile gegliedert. Der erste Teil ist als Reisetagebuch gestaltet, während der zweite Teil mit dem Titel „Erfahrungsbericht“ eher praktischer Natur ist und die Etappen, den Schwierigkeitsgrad, das Budget sowie die Campingplätze beschreibt, auf denen der Ingenieur Halt gemacht hat.
Gaëtan hatte sich das Großherzogtum viel stärker urbanisiert vorgestellt, als es tatsächlich ist. „Als ich die Hauptstadt verließ, kam ich schnell an die Mosel und wusste gar nicht, dass es dort all diese Weinberge gibt, dann kam die Luxemburger Kleine Schweiz, die Schlösser, die Terres Rouges …“. Aufgrund dieser abwechslungsreichen Landschaften, von denen er keine Ahnung hatte, hält der Mann aus Bordeaux diese Reise für eine seiner schönsten. Er hatte auch nicht mit so steilen Anstiegen gerechnet und rät daher, unbedingt auf den Höhenunterschied zu achten! Er, der eigentlich nicht damit gerechnet hatte, den ehemaligen Radprofi Andy Schleck zu treffen, erfährt zufällig, dass der Champion doch Zeit hat. „Ich musste einen großen Umweg fahren, aber das hat sich gelohnt“, sagt Gaëtan. Eine lange Strecke bedeutet aber auch Pannen. Gleich zu Beginn seiner Expedition hört Gaëtan ein „ungewöhnliches“ Geräusch, das von seinem Fahrrad kommt. Er hält bei einem Geschäft an, doch die benötigten Ersatzteile sind nicht vorrätig, also fährt er weiter. Mitten im Nirgendwo gibt der Freilauf den Geist auf. In der zweiten Hälfte seiner Reise muss er daher ständig Druck auf die Pedale ausüben, damit diese bei Abfahrten nicht von selbst durchdrehen. „So eine Panne passiert ständig“, relativiert der Reisende.
Neben dem Buch soll im Laufe des Jahres 2026 auch ein Kurzfilm über seine Reise durch Luxemburg erscheinen. Im Gegensatz zu den Filmen, die er von seinen anderen Reisen gedreht hat, wird dieser nicht chronologisch, sondern thematisch aufgebaut sein. Gaëtan wird darin zeigen, was ihn positiv überrascht hat, wie zum Beispiel die Kriegsdenkmäler, die die Landschaften im Norden prägen, oder die Bedeutung des Radsports im Großherzogtum. Er hofft, seinen Film auf mehreren Festivals präsentieren zu können, ähnlich wie seine „Tour de l’Alsace“, die beim Internationalen Festival für Radreisen gezeigt wurde. „Mein Film landete inmitten von Extrem-Expeditionen auf anderen Kontinenten – jener Art von Reisen, von denen man träumt, die aber unerreichbar scheinen … während meine Erlebnisse schon in den Ferien möglich sind“, erzählt er. Ob durch Videos in den sozialen Netzwerken, Bücher oder längere Filme – die Botschaft ist dieselbe: „Auch ihr könnt das schaffen.“ Man muss kein Spitzensportler sein und auch nicht in teure Ausrüstung investieren – es reicht, in dem Tempo zu radeln, das einem selbst gefällt!
Seit mehreren Jahren leitet Gaëtan nun schon Radtouren und hofft, bei seinen beiden Töchtern „einen kleinen Samen zu säen“. Er schätzt besonders die Langsamkeit, zu der das Fahrrad zwingt. „ nbsp;In einer Welt, in der alles immer schneller wird, bringt uns das Fahrrad zurück in die Gegenwart, zu den Empfindungen, zu den Gerüchen. Die Reise ist nicht das Ziel, sondern der Weg, sie ist ein fortwährender Prozess “. Ob er nun an nichts oder an viele Dinge denkt – der Dreißigjährige lernt dabei auch, allein zu sein. Eine Einsamkeit, die schöne Begegnungen ermöglicht. Und am Ende jedes Abenteuers gibt der Radreisende zu: „ Ich habe nur einen Gedanken im Kopf: wieder loszufahren ! “