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Ich gehe arbeiten

Geräumiges, sonnendurchflutetes Wohnzimmer, Blick auf einen Garten mit Bäumen, große, ruhige Terrasse: „Madame Witzeg“ genießt eine privilegierte Lage in Belvaux, im selben Gebäude wie das Integrierte Zentrum für…

Erschienen in Ausgabe Mai 2023
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Geräumiges, sonnendurchflutetes Wohnzimmer, Blick auf einen Garten mit Bäumen, große, ruhige Terrasse: „Madame Witzeg“ genießt eine privilegierte Lage in Belvaux, im selben Gebäude wie das Integrierte Zentrum für Senioren (Cipa). Das Restaurant öffnete am 23. Januar seine Türen, nach einer mehrmonatigen Einlaufphase, in der sich das Team mit den Abläufen vertraut machen und an die Arbeitsabläufe gewöhnen konnte. Karin Reding, die Projektleiterin dieses Vorhabens, das zu den rund dreißig geschützten Werkstätten in Luxemburg gehört, legt großen Wert auf Details: Jeder Mitarbeiter muss den Ablauf der Aufgaben so genau wie möglich kennen, auch um im Umgang mit den Gästen möglichst sicher aufzutreten. Träger des Projekts ist der Verein „Trisomie21 Lëtzebuerg“, dessen Ziel es ist, Menschen mit Trisomie 21 dabei zu unterstützen, ein möglichst unabhängiges Leben zu führen, insbesondere durch die Förderung ihrer beruflichen Eingliederung. Das inklusive Projekt „Madame Witzeg“ legt den Schwerpunkt gerade auf den Kontakt der Mitarbeiter mit den Gästen und damit auf die Sichtbarkeit des Teams, das sich aus Menschen mit kognitiven Herausforderungen wie dem Down-Syndrom oder körperlichen Einschränkungen zusammensetzt. Die Küche ist übrigens verglast und für die Gäste einsehbar. Teamgeist steht an erster Stelle, denn das Konzept sieht vor, dass die Mitarbeiter lernen, die verschiedenen Aspekte des Gastronomieberufs zu beherrschen: von der Zubereitung der Speisen über den Service am Tisch und das Abwaschen bis hin zum Eindecken der Tische und der Reinigung des Bodens. Alle Aufgaben werden unter Berücksichtigung der individuellen Lernfähigkeiten aufgeteilt. „Ich stelle eine unglaubliche Entwicklung fest, langsam, aber kontinuierlich, ohne sichtbare Grenzen, sowohl was das technische Know-how als auch die sozialen Kompetenzen betrifft“, sagt Karin, diplomierte Erzieherin und ausgebildete Sozialarbeiterin. „Das ist ein langfristiger Prozess“, erklärt sie weiter. „Auch wenn einige unserer Kollegen bereits über Berufserfahrung verfügen, ist es für die meisten die allererste praktische Tätigkeit im Gastronomiebereich.“ Das Team, bestehend aus elf Personen, darunter zwei ehrenamtliche Mitarbeiter, wird von vier Verantwortlichen geleitet: Neben der Geschäftsführerin sind dies ein Küchenchef, eine Konditorin und eine diplomierte Erzieherin.

Bei ihren Begegnungen mit Menschen mit Behinderung hatte Karin schon seit langem festgestellt, wie groß deren Arbeitswillen ist. Oft musste sie sie enttäuschen, vor allem weil die Wartezeiten für geschützte Werkstätten lang sein können. Nun ist sie stolz darauf, Menschen, für die dies eine neue Erfahrung ist, eine Beschäftigung außerhalb der Einrichtung und die Möglichkeit zu einem erfüllten sozialen Leben bieten zu können. „Die Menschen erhalten die Chance, sich eine neue Identität aufzubauen, und finden neue Stabilität im Leben“, betont sie. Die Mitarbeiter von Frau Witzeg sind ausnahmslos begeistert und stolz darauf, sagen zu können: „Ech gi schaffen“.

Ein gewisses Bedauern ist die rechtliche Hürde, die das Team von Karin Reding noch daran hindert, in Sachen Ausbildung den nächsten Schritt zu gehen. Um nach Belvaux zu gelangen, nutzen die Mitarbeiter nach Möglichkeit öffentliche Verkehrsmittel (und versuchen dabei, die damit verbundenen Hindernisse zu umgehen), und einige nutzen den Mobibus (der sich noch in der Einführungsphase befindet), da sie keinen Führerschein besitzen. Andere sind weiterhin darauf angewiesen, dass ihre Familie sie mit dem Auto mitnimmt.

Die je nach Saison angepasste Speisekarte umfasst zahlreiche „Witzegkeeten“ (kleine Portionen) wie Rote-Bete-Carpaccio mit Ziegenkäse, Spargelcreme, aber auch lokale Klassiker wie Gromprekichelcher oder Wäinzoossis sowie stets ein Fischgericht. Das Leitmotiv lautet: regionale und hausgemachte Gerichte anzubieten. Bei den Desserts bleibt es klassisch: Panna Cotta, Fruchtsorbet, Käsekuchen, aber auch der gute Schoki von Madame. Die Bestellungen werden mithilfe einer Auswahltafel entgegengenommen, auf der sich der Gast eine Persönlichkeit aussucht (Spaßfaktor garantiert). Die Gerichte gibt es auch zum Mitnehmen – vorzugsweise in der Ecobox, ganz im Sinne der Nachhaltigkeit. Derzeit ist das Restaurant nur mittags geöffnet, mit Ausnahme von Themenabenden wie den „Spargel-Owender“ Ende Mai, die beide schon seit Wochen ausgebucht sind. Oder Sonderveranstaltungen wie das „Slow Dating“, das gemeinsam mit Info Handicap organisiert wird. Ein großes Plus: Im Hinterzimmer verfügt das Restaurant zudem über einen Keelebunn für alle, die einen unterhaltsamen Abend buchen möchten (mindestens fünfzehn Personen).