Muss man sich zwischen Kinderwagen und Gabel entscheiden? Mit anderen Worten: Ist es eine gute Idee, seine Kinder mit ins Restaurant zu nehmen? Einige Lokale haben diese Frage eindeutig beantwortet, indem sie Kindern unter zehn oder zwölf Jahren schlichtweg den Zutritt verweigern. Diese Restaurants ziehen oft den Zorn empörter Familien in Online-Kommentaren auf sich und riskieren sogar eine Geldstrafe wegen Diskriminierung (die Winstub „Zum Pfifferhus“ in Ribeauvillé im Elsass ist 2022 nur knapp davongekommen). Ihr Argument lautet, ein qualitativ hochwertigeres Erlebnis bieten zu wollen – in ruhiger Atmosphäre und ohne Angst vor unangebrachtem Geschrei von Kindern, denen die gastronomische Qualität des Lokals gleichgültig ist. Übrigens nehmen „No-Kids“-Zonen überall in der Freizeitbranche zu, sei es in Schwimmbädern, Hotels, auf Campingplätzen oder in Verkehrsmitteln. Und auch Hochzeitsfeiern, bei denen die Gäste gebeten werden, ohne ihre Kinder zu kommen, sind gang und gäbe.
Diese Option wird von manchen Eltern akzeptiert, die den Restaurantbesuch als Gelegenheit sehen, dem Alltag zu entfliehen oder sich ein gehobenes Gourmetessen zu gönnen. Sie möchten das Verhalten ihrer Kinder nicht vorschreiben, während der Erläuterungen des Sommeliers keine Toilettenpause einlegen müssen, nicht zusehen müssen, wie sich ihr Kind die Nase in der gestärkten Serviette putzt, und sich nicht wegen des lauten Verhaltens der Kleinen blamieren müssen. Es ist ja bekannt: Kinder sind wie Fürze – man erträgt nur die eigenen! Im Gegensatz dazu gibt es Eltern, die einen Restaurantbesuch ohne ihre Kinder gar nicht in Betracht ziehen, weil sie sich auf einen schönen Familienabend freuen und die Gelegenheit nutzen, ihren Kindern den Genuss von gutem Essen und guten Manieren näherzubringen.
Wenn man die Kleinen ins Restaurant mitnimmt, muss man vor dem Essen einige Vorkehrungen treffen. Zunächst geht es um die Wahl des Restaurants. Man sollte langwierige Mahlzeiten mit fünf oder sieben Gängen vermeiden, die dem Gaumen des Kleinkindes nicht zusagen und bei ihm Langeweile und Müdigkeit hervorrufen. Apropos Müdigkeit: Man sollte früh ins Restaurant gehen, am besten nicht allzu weit von zu Hause entfernt. So wird die Geduld der Kinder nicht auf die Probe gestellt, wenn sie Hunger haben. Ganz abgesehen davon, dass das Personal zu Beginn des Service eher bereit ist, auf Sonderwünsche einzugehen. Damit das Essen reibungslos verläuft, sollten wir bei der Reservierung die Anwesenheit und das Alter der Kinder angeben. Mit etwas Glück steht bereits ein Hochstuhl am Tisch bereit. Vielleicht hat der Küchenchef sogar an ein passendes Menü gedacht. Damit die Kinder während des Wartens auf das Essen ruhig bleiben, sollte man Malbücher, Bücher oder kleines Spielzeug mitnehmen. (Die „Wunderwaffe“ in Form eines Tablets, auf dem Folgen von „Trotro“ oder „Peppa Pig“ abgespielt werden, ist angesichts der übermäßigen Bildschirmzeit eher nicht zu empfehlen.) Es ist sinnvoll, den Kindern Verantwortung zu übertragen, indem man sie an die Regeln des guten Benehmens sowie an den respektvollen Umgang mit anderen Gästen und dem Personal erinnert.
Während manche Lokale Kinder verbannen, locken andere Familien mit einem speziellen Angebot: Platz zum Abstellen von Kinderwagen, eine Ecke mit Büchern und Spielen (in vielen Pizzerien oder im „Koeppchen“ in Wormeldange), eine Betreuungsperson für die Kinder während des Essens (beispielsweise beim Brunch im „Mama Shelter“ und im „T’Chiz“ in Belval), ein Spielplatz neben der Terrasse (im „Siewenburen“, im „Torre“, im „Club 5 am Park“ …) sowie kindgerechte kulinarische Angebote. Das Angebot für die „ Esser von morgen “ hat sich in den letzten Jahren erheblich erweitert. Hacksteak oder Nuggets weichen Gerichten von der Speisekarte in kleineren Portionen, damit die Kinder „ wie die Großen “ essen können. Die Köche lassen ihrer Fantasie bei der Anrichtung freien Lauf (in Form von Gesichtern oder Tieren) und spielen mit unterschiedlichen Texturen (zum Beispiel Gemüsechips). Auch der deutsche Brauch des „Räubertellers“ – ein leerer Teller, der meist kostenlos ist und von dem Kinder den Eltern das Essen „stehlen“ dürfen – könnte sich weiter verbreiten.
Die Geschmackserziehung, das Erlernen der Saisonabhängigkeit und die Einführung in die Gastronomie erfolgen auch durch Aktivitäten wie Kochworkshops (im „Atelier de Bertrand“ in Merl oder im „Schou“ im Schouweiler-Park) sowie durch Bücher. Die Kinder- und Jugendliteratur ist reich an Kochbüchern, bietet aber auch Erläuterungen zu Lebensmitteln, zur Geschichte der Ernährung oder zu verschiedenen Essgewohnheiten. Um bei lokalen Titeln zu bleiben, empfiehlt sich „P’tit Chef“ des Kochs Killian Crowley (vom „Beim Schlass“ in Wiltz), illustriert von Clémentine Latron und erschienen bei Perspektiv Editions in vier Sprachen (Französisch, Deutsch, Luxemburgisch und Englisch).