Sich selbstständig machen: Nicolas Devaux hegte diesen Plan schon seit langem. Dass er jedoch an die Spitze eines Unternehmens gelangen würde, das ein Vorzeigeprodukt im Bereich der Reinigungsmittel anbietet, hatte er nicht unbedingt erwartet. Das Unternehmen Wasch, das der aus Aix-en-Provence stammende Franzose gemeinsam mit seiner belgischen Partnerin Sarah Weyssow gegründet hat, ist das Ergebnis des gemeinsamen Werdegangs der beiden ehemaligen Mitarbeiter aus der IT- und Finanzbranche. Es ist auch ein Zeichen für eine immer deutlicher werdende Entwicklung: die von jungen Menschen, die sich dem ökologischen Unternehmertum zuwenden, das einen Sinn vermittelt, der konventionellen Unternehmen oft fehlt. Für Nicolas und Sarah kam der Auslöser während einer (Traum-)Reise nach Bali, wo ihnen bewusst wurde, dass selbst im Paradies Plastik allgegenwärtig ist (einschließlich des Mikroplastiks, von dem die Meere nur so wimmeln). „Das war ein Schock“, der zu dem Entschluss führte, dazu beizutragen, diesen oft völlig unnötigen Abfall zu reduzieren. Nach einigen Recherchen stellten Sarah und Nicolas fest, dass es eine Nische im Bereich der Waschmittel gibt, die alle in Plastikbehältern verkauft werden (während andere Bereiche wie die Kosmetikbranche nach und nach mit alternativen Produkten gesättigt sind). So beschlossen sie während des Lockdowns, Rezepte für selbstgemachtes Waschmittel zu testen, zunächst in Blockform. Sie erkennen jedoch schnell, dass sie mit Laboren zusammenarbeiten müssen (immer auf der Basis natürlicher Produkte), um die richtigen Dosierungen zu ermitteln und eine im Vergleich zu herkömmlichen Produkten zufriedenstellende Wirksamkeit zu erreichen.
Eineinhalb Jahre lang führten sie umfangreichere Tests durch und entschieden sich schließlich für eine zu 96 Prozent biologisch abbaubare Flüssigformel. Wasch macht übrigens ganz offen deutlich, dass seine Produkte nicht ganz die Leistung chemischer Waschmittel erreichen, denen häufig beispielsweise UV-Modifikatoren zugesetzt werden, die die Farbbrillanz der Wäsche verstärken, ohne jedoch einen Einfluss auf die eigentliche Reinigungswirkung zu haben. Ein weiterer wenig empfehlenswerter Trick: Duftkapseln, die sich an der Wäsche festsetzen, beim Tragen auf der Haut zerplatzen und kontinuierlich Duft verströmen. Dies ist im Hinblick auf mögliche Hautreaktionen nicht ganz risikofrei. „Man kann nicht alles haben“, sagt Nicolas, „und unsere Priorität liegt ganz klar auf dem Schutz der Gewässer, der Ozeane und der Gesundheit.“ Denn selbst Kläranlagen schaffen es nicht, alle chemischen Stoffe zurückzuhalten, von denen ein Teil im Grundwasser landet. Ein Anliegen, das offensichtlich viele Verbraucher teilen, denn die Bestellungen bei Wasch reißen nicht ab. Dank der Unterstützung durch Partner „wie Cactus, das uns eine gute Platzierung in den Regalen verschafft“, und anderer wie LuxCaddy und Kilogram für den Online-Verkauf wächst die Marke rasant.
Im Rahmen eines Wettbewerbs von LuxInnovation rät ihnen ein Coach, 10-Liter-Pfandflaschen anzubieten, die dem Verbraucher das Leben erleichtern (und günstiger sind) und die Wasch direkt nach Hause liefert und wieder abholt. Ein Erfolg. Nicolas kündigt im Februar 2021 seine bisherige Stelle, seine Partnerin steigt im Juni 2022 vollzeitlich ein. Da sie schnell an die Grenzen ihrer Produktionskapazitäten gestoßen sind, arbeiten die beiden seit kurzem mit Yolande Coop zusammen, einer auf Seifenherstellung spezialisierten Werkstatt zur beruflichen Inklusion in Betzdorf, die zum Netzwerk der sozialen Einrichtungen „Elisabeth“ gehört. Diese Zusammenarbeit ermöglicht es, die aktuelle Nachfrage gerade so zu decken. Gespräche mit weiteren Dienstleistern laufen bereits. Mittelfristiges Ziel ist es, das Sortiment um Mehrzweckreiniger und Geschirrspülmittel zu erweitern. Außerdem streben sie eine Ausweitung des Angebots in der Großregion an, auch wenn erste Werbekampagnen dort nicht das gleiche Interesse weckten wie in Luxemburg.
Wasch hat seinen Sitz im Innovation Hub, einem auf Ökotechnologien spezialisierten Gründerzentrum in Dudelange, das in Zusammenarbeit mit LuxInnovation und Technoport rund zehn Start-ups beherbergt. „Ein erstklassiger Standort und ein anregendes Umfeld“, so Nicolas, der insbesondere das dort verfügbare Coaching-Angebot lobt. „Im Allgemeinen sind jedoch viele Fördermittel für Unternehmen aus der IT- und Finanzbranche reserviert und weniger für den Umweltsektor; erstere wecken nach wie vor das größere Interesse der Investoren“, meint er, „auch wenn der Trend positiv ist“. Fördermittel, die gerade jetzt gut kämen, da man gegen die Inflation und deren Tendenz ankämpfen muss, die Verbraucher zu billigen Industrieprodukten zu drängen … auf Kosten des Planeten.