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Brauereien ohne festen Standort

Die Welt der luxemburgischen Mikrobrauereien hat sich in den letzten rund zehn Jahren weiterentwickelt, seit junge Brauer und Unternehmer neue Marken ins Leben gerufen haben: The Twisted Cat, Echternacher Brauerei…

Erschienen in Ausgabe November 2023
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Die Welt der luxemburgischen Mikrobrauereien hat sich in den letzten rund zehn Jahren weiterentwickelt, seit junge Brauer und Unternehmer neue Marken ins Leben gerufen haben: The Twisted Cat, Echternacher Brauerei, Wolff Brewing, Satori, Totenhopfen Brauhaus, Wait and see… Ob sie nun Anhänger der belgischen Tradition, von leichten und klaren Pils oder von angelsächsischen IPAs sind, haben viele von ihnen das „Gypsy Brewing“ (oder „nomadisches Brauen“) für sich entdeckt, bei dem die Ausrüstung einer Gastbrauerei genutzt wird, um die eigenen Sude herzustellen. Eine in der Brauereibranche durchaus übliche Praxis, die jedoch in Luxemburg besonders verbreitet ist, da die Suche nach geeigneten und erschwinglichen Räumlichkeiten dort einem Kreuzweg gleicht, insbesondere in der Hauptstadt.

Joseph Wolff, der Wolff Brewing im Jahr 2022 nach seinem Abenteuer bei der Stuff Brauerei gegründet hat, fährt zu Heischter nach Heiderscheid, um dort sein Bier zu brauen. „Bei Stuff hatten wir unsere eigenen Räumlichkeiten, aber ich habe bereits bei anderen gebraut, wenn ich mehr produzieren musste. Bei Wolff Brewing habe ich noch nicht genug Kapital, um eigene Räumlichkeiten zu mieten“, erklärt er. Joseph, ein in Brüssel ausgebildeter Britisch-Luxemburger, legt Wert auf Ausgewogenheit und obergärige Biere mit ausgeprägteren Geschmacksnoten. Er ist auch offen für gewagtere Rezepte („die Leute lassen sich auch gerne überraschen“). Wenn er zusätzliche und spezielle Ausrüstung benötigt, braut er auch bei Freunden in Belgien. „Ich behalte immer die Kontrolle über das Rezept und die Qualität“, betont er.

Patricia Garbelini und Sergio Leal vom Totenhopfen Brauhaus bereisen die ganze Welt, um jedes neue Rezept gemeinsam mit einer Partnerbrauerei zu entwickeln – von den USA über Brasilien bis hin zu Portugal, Deutschland und Osteuropa. „Das nomadische Brauen war für uns weniger eine Idee als vielmehr eine Notwendigkeit“, erklärt Patricia. Totenhopfen hat diese Herausforderung jedoch zu einem festen Bestandteil seiner Identität gemacht und hebt gerne die bereichernden Aspekte dieser internationalen Kooperationen hervor. „Sie fördern den interkulturellen Austausch und die Kreativität. Sie ermöglichen es, den Verbrauchern eine breitere Palette an Aromen und Techniken näherzubringen. Durch die Zusammenarbeit können wir voneinander lernen und haben gleichzeitig die Möglichkeit, mit unkonventionellen Rezepten zu experimentieren“, erläutert die Brauerin.

So arbeitet Totenhopfen beispielsweise derzeit daran, Laktose aus neuen Rezepten im „Pastry“-Stil zu entfernen: Der Erfahrungsaustausch bringt verschiedene Wege hervor, um das gewünschte Gleichgewicht zu erreichen. Patricia betont die Gemeinsamkeiten und das Vertrauen, die für eine solche Fernbeziehung notwendig sind. „Das ist entscheidend, da wir nicht jeden Tag in der Brauerei vor Ort sein können“, merkt sie an. Unter den zahlreichen geplanten Kooperationen bereitet sich Totenhopfen darauf vor, mit Sibeeria in Tschechien an einem Double IPA zu arbeiten oder gemeinsam mit den Rumänen von Bereta ein Sauerbier mit Aromen von Guave, Rote Bete und Limettenschale zu entwickeln. Auch Joseph Wolff hat bereits Erfahrungen mit dieser Art der Zusammenarbeit gesammelt: Sein Dark IPA „Rosa Luxembourg“ entstand in Zusammenarbeit mit einer spanischen Brauerei. „Jeder hat sich ein Rezept ausgedacht, dann haben wir es aufeinander abgestimmt“, beschreibt er. Heute ist das Bier in beiden Ländern erhältlich.“

Wolff Brewing und Totenhopfen haben noch ein weiteres Ziel: die Eröffnung eines „Brewpubs“, einer Mischung aus Bar und Brauerei. Doch die Begrenzung der Schanklizenzen, deren Kosten und die Konzentration in den Händen der großen Brauereien erschweren ein solches Projekt. Joseph Wolff hat zwar eine Lizenz erhalten, sucht aber noch nach geeigneten Räumlichkeiten. Patricia meint dazu: „Für kleine, unabhängige Unternehmen hat sich die Lage hinsichtlich der Möglichkeiten seit 2016 nicht wesentlich verbessert, und auch der Immobilienmarkt in Luxemburg stellt uns vor große Herausforderungen. Um in diesem Umfeld erfolgreich zu sein, muss man auf Kreativität setzen oder Möglichkeiten in den Nachbarländern ausloten.“