Adrien Wira ist zehn Jahre alt. In einem Sportgeschäft in Metz beginnt eine Liebesgeschichte mit dem Kauf seines ersten Paars kultiger Sneaker: dem Jordan 6. Wie alle, die in den 90er Jahren aufgewachsen sind, wurde er mit den Heldentaten der NBA-Stars groß – und er hat bereits ein gutes Auge dafür. „Mir war aufgefallen, dass das Kindermodell nicht die gleichen Details hatte wie das für Erwachsene“, erzählt der junge Vierzigjährige, der mittlerweile seinen „Traumjob“ ausübt: Schuhdesigner. Sein Studio befindet sich im 1535° Creative Hub in Differdange, wo sich Unternehmer aus den Bereichen Tech, Videospiele, Design und Mode treffen … Dort empfängt er uns, gemütlich auf einem Sofa sitzend, eine Dose Energy-Drink in der Hand. Das kann er auch gut gebrauchen: Als freiberuflicher Designer arbeitet er an zahlreichen Projekten, vor allem für Sportmarken. Zu seinen Erfolgen zählen Entwürfe für Hummel, Brooks, Anta, Balmain und Adidas. Bei der Marke mit den drei Streifen hat er seine Sporen verdient: Nach einem Studium der Bildenden Künste in Metz und einem Master in Produktdesign am Creapole in Paris klopfte Adrien an die Tür des Unternehmens mit Sitz in der Nähe von Nürnberg. Er bekam dort ein Praktikum und blieb schließlich neun Jahre lang. „Ich habe vor allem in den Bereichen Performance und Kids gearbeitet, wo ich technisch gesehen enorm viel gelernt habe“, erklärt er. „Ich wurde in Disziplin geschult und habe diese Mentalität beibehalten.“
Eine Anforderung, die mit einer guten Portion Fantasie einhergeht und die Adrien in den unterschiedlichsten Sportarten, vom Fußball bis zum Cricket, einsetzt. Er zeigt uns ein Paar Fecht-Schuhe, das er kürzlich entworfen hat – mit gewagter Form und einem Hauch von Farbe. „Ich wollte, dass Fechter einen Schuh haben, der für ihren Sport geeignet ist und dabei auch noch Stil hat“, sagt er. „Bei mir bestimmt vor allem die Funktion die Form.“ Auf seinen Reisen zu den Fabriken, mit denen er in Europa und Asien zusammenarbeitet, macht er sich mit den Produktionsprozessen vertraut, denn „es reicht nicht aus, mit einem Entwurf am Computer Träume zu wecken“. Spritzguss von Kunststoffteilen, Leder sowie EVA-Sohlen, die leichter und flexibler sind als Gummi, sind für ihn kein Geheimnis mehr.
Inmitten der von ihm geschaffenen Modelle, die an der Wand seines Ateliers ausgestellt sind, fällt eine „Mecha“-Figur ins Auge – diese japanischen Roboter gehören zu seinen Inspirationsquellen. „Science-Fiction, Videospiele, Automobildesign, aber auch die Natur inspirieren mich ebenso wie Architektur oder Produktdesign im Allgemeinen“, zählt Adrien auf. Da ihm seine Unabhängigkeit am Herzen liegt, gründete er 2019 seine eigene Marke, Sole Architects, für die er das Modell „1.618“ entwickelte. Der Name bezieht sich auf den Goldenen Schnitt und steht für ein Paar Schuhe, das mit einem alchemistischen Zeichen und dem Symbol des allwissenden Auges verziert ist. „Ich interessiere mich auch ziemlich für Esoterik“, lächelt er und erklärt, dass er nur einen kleinen Teil seiner Zeit seiner Marke widmen kann, da sich die Beratungsprojekte häufen. „ Das ist zwar ein bisschen frustrierend, aber Sole Architects, das sich vor allem an Fans von
Sneakern richtet, beschert mir schöne Momente: Kürzlich hat mir eine Boutique in Mexiko-Stadt ein Foto geschickt, auf dem etwa fünfzehn Leute in der Schlange standen, um meine Schuhe zu kaufen.“
Adrien ist selbst ein „Sneaker-Fan“, aber er ist dabei, sich davon zu heilen. Zu Hause hat er etwa sechzig Paare, vor allem Pump, Air Max und Torsion – „die Modelle, von denen ich als Teenager geträumt habe; das reicht mir“, erklärt der Unternehmer. „Jetzt, wo es mein Beruf ist, muss ich mehr Abstand gewinnen und mich ein wenig von der Mode lösen.“ An Plänen mangelt es ihm nicht: Sole Architects weiterzuentwickeln und „ein bisschen mehr Verrücktheit“ hineinzubringen, weitere Marken im Lifestyle- und Kinderbereich zu lancieren, sich anderen Branchen zu öffnen; er hat gerade seinen ersten Auftrag für das Design von Modeaccessoires an Land gezogen. „Aufgrund meiner Erfahrung wurde ich ein wenig automatisch in Richtung Schuhdesign gelenkt, aber manchmal sehne ich mich nach anderen Dingen…&“, verrät der Designer, dessen oberstes Ziel es ist, einen Basketballschuh zu entwerfen. Eine Möglichkeit, „den Kreis zu schließen“ für diesen hyperaktiven Enthusiasten, der stets auf der Suche nach neuen Spielwiesen ist.