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Stil 4 Min. Lesezeit

Frische Luft

Der Sommer ist nicht nur eine Gelegenheit, neue Aktivitäten auszuprobieren, sondern auch die Zeit, in der man die gleichen Dinge wie sonst tun kann – nur eben im Freien statt drinnen. Das sorgt für die kleine Portion…

Erschienen in Ausgabe August 2025
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Der Sommer ist nicht nur eine Gelegenheit, neue Aktivitäten auszuprobieren, sondern auch die Zeit, in der man die gleichen Dinge wie sonst tun kann – nur eben im Freien statt drinnen. Das sorgt für die kleine Portion Fantasie, die wir alle brauchen.

Zunächst einmal ist es Musik, die wir unter freiem Himmel genießen dürfen. Nun ja, „dürfen“ – das gilt zumindest für die Blues’n’Jazz-Rallye oder die Konzerte im Kinnekswiss. Die Veranstaltungen im weniger idyllischen Rahmen der LuxExpo sind nicht unbedingt als Wohltat für das Publikum zu verstehen: Der Preis für eine Eintrittskarte für eine einzige Band liegt dort fast so hoch wie der für einen ganzen Tag bei einem Festival anderswo in Europa. Der größte Reiz eines Open-Air-Konzerts liegt natürlich in der Zuschauerzahl, die nicht mehr durch die Kapazität eines Saals begrenzt ist. Wer Anfang Juli Joyce DiDonato gehört hat, wird festgestellt haben, dass zwischen den Picknickdecken und den Anglersesseln nicht mehr viele Grashalme übrig waren, zwischen denen man sich einen Weg bahnen musste, um hoffentlich nicht auf einen Baumstamm im Stadtpark blicken zu müssen.

Ebenfalls im Bereich Kultur: Die Open-Air-Kinovorführungen darf man auf keinen Fall verpassen. Kein dunkler Saal, da es überhaupt keinen Saal gab. Hier wurden die Sitzplätze bereitgestellt und waren ordentlich am Knuedler aufgereiht. Wer bequeme Sessel und andächtige Stille schätzt, um einen Film in vollen Zügen zu genießen, sollte lieber weiterziehen. Hier geht es darum, aufzustehen, um sich ein Bier oder einen Burger zu holen, die Kapuze überzuziehen, wenn einem ein bisschen kalt ist, und sich mit dem Nachbarn zu unterhalten, wenn einem danach ist – schließlich hört man ohnehin die Leute auf den umliegenden Terrassen, und Cargolux hat es nicht für nötig befunden, die Überflüge über der Hauptstadt jeden Abend für zwei Stunden auszusetzen.

Auch Restaurantbesuche bleiben von dieser Überlegung nicht verschont. Im Sommer muss man sich nicht nur für ein Restaurant, ein Menü und Getränke entscheiden, sondern steht auch vor der schwierigen Wahl zwischen Innenraum und Terrasse. Bei schönem Wetter ist es verlockend, sich für den Außenbereich zu entscheiden, doch das bringt verschiedene Herausforderungen mit sich. Erstens kühlt Ihr Essen viel schneller ab, sofern es nicht ohnehin schon kalt serviert wurde. Entscheiden Sie sich daher lieber für einen Salat, der mit den Zielen vereinbar ist, die Sie sich in Bezug auf Ihren „Summer Body“ gesetzt haben. Zweitens ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass der Kellner Sie vergisst, vor allem, wenn Sie auf der anderen Straßenseite sitzen, zwischen einem Parkplatz und einer Straßenlaterne. Schließlich riskieren Sie einen erbarmungslosen Kampf gegen eine ganze Heerschar von Wespen, aus dem Sie zwar zweifellos als Sieger hervorgehen werden, aber vielleicht um den Preis des 12-Euro-Weinglases, in dem sich ein Hymenopterer ertränkt hat.

Draußen könnte man die ungemütliche Situation drinnen fast schon genießen: Das Zubereiten von Essen für die ganze Familie wird zu einer Grillparty, die Zeit, die man im Auto auf dem Weg zur Arbeit verbringt, kommt einer Auszeit in der kühlen Luft im Cabrio gleich – oder, noch besser, einer Radtour. Das Schwimmen von Bahnen inmitten des Chlorgeruchs wird zu einem Bad und Faulenzen am Pool. Selbst die Arbeit im Homeoffice hat allen das geboten, was Bauarbeiter das ganze Jahr über kennen – allerdings unter weitaus anstrengenderen Bedingungen: draußen zu arbeiten. Für die „Büroangestellten“ reicht es – sei es auf einer Terrasse oder am Wasser – aus, über eine gute Internetverbindung zu verfügen. Ist es ein bedeutender Fortschritt des technologischen Wandels, dass man in Bermudashorts Zusammenfassungen und überarbeitete Budgets erstellen, an Videokonferenzen teilnehmen und dabei ein Foto eines fiktiven Büros als virtuellen Hintergrund verwenden kann, während man die Familie bittet, im Pool bitte etwas leiser zu sein ? Manche Kollegen aktivieren ihre „Out-of-Office“-Nachricht nicht mehr, die signalisierte, dass sie ihre E-Mails mehrere Wochen lang nicht lesen würden. Doch auch wenn sie das Büro nicht wirklich verlassen haben, ist vor allem ihr Büro auf Ausflugsstimmung !
Warum sollte man der Klimaanlage im Büro, im Auto, im Restaurant oder im Kino entfliehen, um sich in die verschmutzte, abgestandene Luft zu begeben – mal feucht und heiß, mal kalt und windig, von taubengroßen Insekten befallen, mit allergieauslösendem Pollen gesättigt und dem unaufhörlichen Lärm von Motoren aller Art ausgesetzt ist? Wahrscheinlich, um für ein paar Wochen im Jahr wieder den Kontakt zur Natur zu spüren, ohne den Schutz eines Daches und vier Wände, mit nichts als leichter Kleidung und einer Sonnenbrille als einziger Schutz, und uns so auf die letzte Prüfung vorzubereiten, die uns der luxemburgische Sommer bereithält – den sommerlichen Höhepunkt, den man nur im Freien erleben kann: die Schuberfouer mit ihren Menschenmassen, ihrem Geschrei, ihren Gerüchen … und ihrem Air Maxxx.