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Feuilleton 3 Min. Lesezeit

Neue Energie

Rock

Erschienen in Ausgabe Mai 2022
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Dabei lagen wir doch gut in der Zeit! Aber wir hatten nicht mit den Bauarbeiten im Zentrum von Dudelange gerechnet, die dazu führten, dass wir schließlich den ersten, offenbar sehr intimen Teil des Auftritts von Fernanda Strange verpassten. Schade. Sobald wir uns im Saal eingerichtet hatten, überkam uns wieder, wie jedes Mal, dieses unglaubliche Gefühl, in unserem eigenen Wohnzimmer zu sitzen. Opderschmelz ist gemütlich, gepolstert und unglaublich behaglich. Ganz einfach: Es gibt keine zwei Säle im ganzen Land, die einem dieses Gefühl vermitteln. Kein Wunder, dass die Band des Abends, Go by Brooks, diesen Ort gewählt hat, um eineinhalb Jahre nach ihrem letzten Konzert wieder auf die Bühne zurückzukehren und „This is her war“, ihr brandneues Album, vorzustellen.

Heute Abend werden wir also hier in diesem Saal den Auftritt einer Band erleben, die man einfach lieben muss! Warum lieben wir Go by Brooks? Aus zwei Gründen. Erstens, weil wir wissen, was uns erwartet: geradliniger, melodischer Rock (das Label beanspruchen sie übrigens selbst für sich), gespielt von gewissenhaften und engagierten Musikern. Zweitens, weil diese Band zweifellos eine der sympathischsten des Landes ist. Bei Go by Brooks wird mit einem Lächeln gespielt und bei jedem Song werden tausende von Emotionen geteilt. Nicht mehr und nicht weniger.

Mit „L’éclaireur“, dem Instrumentalstück, das dieses neue Album eröffnet, packt uns der Bezug zu Pink Floyd sofort bei der Kehle. Nicolas Palumbo, der Gitarrist der Band, ist ganz klar ein Fan und geht sogar so weit, ganz am Ende des Stücks Glockentöne erklingen zu lassen, die unweigerlich an das Intro von „High Hopes“ der unangefochtenen Meister des Progressive Rock erinnern. Das wird nicht der letzte Vergleich bleiben…

Aber zu „Go by Brooks“ gehört auch Laetitia Koener, Sängerin, Gitarristin und – gemeinsam mit Nicolas, ihrem Ehemann im Privatleben – Hauptsongwriterin der Band. Laetitia kannten wir früher als zerbrechliche Person, die sich auf der Bühne etwas unbehaglich fühlte und äußerst zurückhaltend war. Aber das, wie man so schön sagt, war früher ! Heute steht eine glückliche, selbstbewusste Frau (die inzwischen Mutter geworden ist) vor uns, die es sichtlich genießt, ihre Kompositionen zu präsentieren, obwohl diese stets von düsteren Texten durchzogen sind.

Die Titel folgen dicht aufeinander: „This is her war“, bei dem die Stimmarbeit bemerkenswert ist, „Downfall“, rockiger und erneut von Pink Floyd beeinflusst, „Another flame“, „Broken“ mit seinem fesselnden Musikvideo, „Lost“, „Le monastère“, „All we are“ mit seinem vom gesamten Saal mitgesungenen Refrain, „Naked soul“, „No more“, das unglaubliche Crescendo von „Apodyopsis“, „Fly away“ und „Kill hope“ – ein Titel, der diese erste Runde mit einem wahrhaft dantesken Solo des Gitarristen abschließt.

45 Minuten lang hat Go by Brooks bewiesen, dass sie nicht mehr die harmlose und etwas „klassische“ Band sind, , die sie früher einmal war, sondern heute eine gut eingespielte Maschine ist, angeführt von einem sympathischen Duo, einem genialen Keyboarder, einem engagierten Bassisten und einem (neuen) Schlagzeuger, von dem Laetitia uns später verraten wird, dass er der Band wirklich neue Energie verliehen hat.

Zur Erinnerung: Obey überlässt diesmal der Frontfrau den Platz für den Solo-Part, und „How to sing to a man“ setzt dem Ganzen endgültig die Krone auf.

Der Abend ist vorbei. Wir verlieren uns (wieder) in den Bauarbeiten im Zentrum von Dudelange und stellen fest, dass wir einen wirklich schönen Abend verbracht haben. Und auch wenn es offensichtlich ist, dass die Kulturfabrik den besten Sound des ganzen Landes hat, ist Opderschmelz doch der Veranstaltungsort, der die schönste Atmosphäre schafft.