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Freiwillige für den Ernährungswandel

Als Rosalie Adèle und Erika Salbego im Oktober 2024 in Teranga ankamen, waren die Wände grau und Stromkabel hingen von der Decke herab. Das „Maison de la transition alimentaire“ in Schifflange, wo die beiden jungen…

Erschienen in Ausgabe Mai 2025
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Als Rosalie Adèle und Erika Salbego im Oktober 2024 in Teranga ankamen, waren die Wände grau und Stromkabel hingen von der Decke herab. Das „Maison de la transition alimentaire“ in Schifflange, wo die beiden jungen Frauen ihren Einsatz beim Europäischen Solidaritätskorps begannen, öffnete im darauffolgenden Monat seine Türen. Im Frühjahr 2025 ist der neue Ort der Begegnung und des Austauschs von SOS Faim farbenfroh und einladend – ganz im Sinne der Bedeutung seines senegalesischen Namens, der mit „Gastfreundschaft“ übersetzt werden kann. Die 22-jährige Erika stammt aus einem kleinen Dorf in Italien, hat einen Abschluss in Politikwissenschaften und bereits mehrere Auslandserfahrungen hinter sich. Rosalie, eine 20-jährige Deutsch-Französin aus der Normandie, die sich nach ihrem ersten Studienjahr im Fach Angewandte Fremdsprachen neu orientieren wollte, hat sich im Großherzogtum Zeit zum Nachdenken genommen. „Ich kannte Luxemburg bisher nur aus der Serie ‚Capitani‘“, verrät sie. Und schwärmt von der kulturellen Vielfalt des Landes.

An drei Tagen in der Woche empfangen die beiden Freiwilligen von SOS Faim Luxembourg Neugierige im Erdgeschoss des solidarischen „Tiers-Lieu“, wo Getränke, Bücher und Spiele auf sie warten. Die Kochworkshops finden im ersten Stock statt, wo ein Aufenthaltsraum auch als Besprechungs- und Vorführraum dient. Eine Terrasse führt in einen kleinen Garten, in dem letzte Woche im Rahmen eines gemeinschaftlichen Arbeitseinsatzes die ersten Bäume gepflanzt wurden. Im obersten Stockwerk schließlich befinden sich acht Zimmer, die sich Rosalie und Erika mit sechs Studierenden teilen. Wenn Teranga geschlossen ist, organisieren sie die kommenden Aktivitäten. Gemeinsam mit Kindertagesstätten haben sie bereits bunte Crêpes mit Spinat- und Rote-Bete-Saft zubereitet, einen Kurs über die wohltuende Wirkung von Pflanzen abgehalten, gefolgt von einem Sammelausflug in der Umgebung des Zentrums, oder auch Vorlesestunden angeboten. Am 22. März, anlässlich des Weltwassertags, hat Erika zudem einen Workshop initiiert, um die Kinder für ihren Wasserverbrauch zu sensibilisieren. „Wir haben sie zu ihren Gewohnheiten befragt, und bei jeder positiven Antwort mussten sie ihren Handabdruck auf einem Planeten hinterlassen, den Rosalie gezeichnet hatte“, erklärt die Italienerin. Nach einer Weile war auf der Erde kein Platz mehr frei!

Auch Erika und Rosalie haben seit Beginn ihres Engagements viel gelernt. Rosalie berichtet: „In den ersten Wochen haben wir uns intensiv informiert und anhand der Ziele für nachhaltige Entwicklung den Zusammenhang zwischen Ökologie, Hunger und Ungerechtigkeiten hergestellt …“ Früher, wenn die Zwanzigjährige an Ökologie dachte, hatte sie vor allem Abfall- oder Energiemanagement im Kopf. Heute achtet sie mehr auf ihre Ernährung und kauft, soweit möglich, Bio- und regionale Produkte. „Aber im Winter ist das schwer, wenn man keinen Kohl mag! “, gesteht sie. Erika, mit der sie zusammen kocht, hat ihre Ernährungsgewohnheiten ebenfalls geändert: „Wir schränken unseren Fleischkonsum ein und ersetzen ihn durch andere Proteinquellen“, versichert sie, bevor sie einen Schluck Kombucha trinkt.

Die Ausgewogenheit zwischen Stadt und Natur, die Schifflange bietet, hat auch die europäischen Freiwilligen überzeugt.
„Alles ist mit dem Zug oder Bus erreichbar, und der Wald liegt direkt nebenan!“, freut sich Rosalie. Erika hebt ihrerseits die Sauberkeit der Stadt und die große Anzahl an Festivals hervor, die für den Sommer geplant sind. Beide betonen zudem, dass sie von der Aufgeschlossenheit der Menschen, denen sie in Luxemburg begegnet sind, positiv überrascht wurden. „Die Leute beurteilen mein Sprachniveau nicht“, berichtet die Italienerin, die gut Französisch beherrscht und mit Deutsch begonnen hat. Der Kontakt zu den Menschen und die gesellige, herzliche Atmosphäre bei Teranga gefallen Rosalie am besten. „Noch immer denken zu viele Leute, es handele sich um ein Café wie jedes andere und sie müssten etwas konsumieren“, bedauert jedoch Erika, die es liebt, ihnen das Gegenteil zu beweisen.

Auch wenn Rosalie zunächst nicht genau wusste, was sie erwarten würde, als sie sich für ein Jahr Freiwilligenarbeit bei Teranga verpflichtete, betont sie nun, dass diese Erfahrung sie in ihrer Entscheidung bestärkt, Politik zu studieren. Auch Erika hatte zuvor noch nie Freiwilligenarbeit geleistet, und die Philosophie von SOS Faim gefällt ihr sehr: „Es geht nicht nur um persönlichen Gewinn, sondern um konkrete Maßnahmen, die der gesamten Menschheit zugutekommen“, versichert sie. Sich in einem Projekt zu entfalten, das selbst noch im Aufbau ist, bedeutet auch, seine Aufgaben täglich anzupassen und große Selbstständigkeit zu genießen. „Es ist ein bisschen wie unser Baby“, sagt Rosalie lachend, die sich ebenso wie Erika schon sehr auf den Tag der offenen Tür bei Teranga am 17. Mai freut. p