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Bildende Kunst 4 Min. Lesezeit

Wieder eine Verbindung zur Natur herstellen

Unter der Leitung eines begeisterten Vermittlers, Yohan, ließen wir uns auf eine Entdeckungsreise durch zwei Ausstellungen mit dem Label „Esch2022“ in Belval entführen: „Respire – Für ein klimafreundliches Design“ (bis…

Erschienen in Ausgabe August 2022
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Unter der Leitung eines begeisterten Vermittlers, Yohan, ließen wir uns auf eine Entdeckungsreise durch zwei Ausstellungen mit dem Label „Esch2022“ in Belval entführen: „Respire – Für ein klimafreundliches Design“ (bis zum 29. September) und „Earthbound – Im Dialog mit der Natur“ (die gerade zu Ende gegangen ist). Beide greifen Umweltbelange auf und knüpfen Verbindungen im Geflecht aus Kunst und Wissenschaft.

Der Rundgang beginnt an der Massenoire mit „Respire – für ein klimabewusstes Design“, einem interessanten Projekt des DMLab (Laboratoire du Design des milieux) der Ensad (Ecole nationale supérieure d’art et de design) in Nancy, das gemeinsam mit Esch2022 ins Leben gerufen wurde. Schon der Titel wirft Fragen auf. Klimadesign, was ist das eigentlich? Ein neues Feld des Designs, das „die Materialität unserer Lebenskontexte und atmosphärische Phänomene bei der Gestaltung von Objekten und Räumen berücksichtigt“ mit dem Ziel, „natürliche Bedingungen wiederherzustellen, die eine symbiotische Beziehung zwischen allen Lebewesen und der Welt gewährleisten“.

Konkret betrachtet die Ausstellung – zwischen historischem Rückblick, wissenschaftlichen Daten und sinnlichen Erfahrungen – die Atmung als Ausgangspunkt für eine „neue Art des Seins und Handelns“. Sie gliedert sich in drei große Themenbereiche: die Atmung in unserem Alltag (die fünfzehn Kubikmeter, die wir täglich einatmen), die Messungen der Luftqualität im Zeitverlauf (mit einer Zeitleiste vom 19. Jahrhundert bis heute) und die neuen biobasierten Materialien, die von jungen Designern gestrickt wurden. „Respire“ ist lehrreich und pädagogisch, aber auch spielerisch und interaktiv und verbindet Umfragen und Erhebungen, insbesondere am Arbeitsplatz (man analysiert die Luft, die ein Bäcker oder ein DJ einatmet), mit Schautafeln und Kurven, Spielen und Visualisierungen.

Sehenswert ist auch die virtuelle „Formensammlung“, die Designer, Künstler und Korbflechter miteinander verbindet und Tische und Regale mit Korbwaren präsentiert – darunter einige ungewöhnliche Stücke wie die schwindelerregenden Stöckelschuhe – sowie eine Auswahl an Seilen, Fäden und Hanfwolle, dem wichtigsten Bio-Material unserer Regionen. Wir sind jederzeit eingeladen, mitzumachen, insbesondere indem wir „Smart Citizen“ werden, um die Luftqualität in der Stadt unserer Wahl in Echtzeit zu bewerten. Schließlich erinnern Plakate mit Forderungen an die lobenswerte Gemeinschaftsaktion der Studenten aus Nancy, mit der sie auf die Luftverschmutzung aufmerksam machen.

Nur wenige Meter weiter erreichen wir die Möllerei, wo die spektakuläre, immersive und visionäre Ausstellung „Earthbound – Im Dialog mit der Natur“ zu sehen ist, die vom Haus für elektronische Künste (HEK) in Basel produziert wurde. In Zeiten des Klimawandels und seiner extremen Erscheinungsformen sowie angesichts der Tatsache, dass menschliche Aktivitäten die Umwelt weiterhin schwer beeinträchtigen, möchte „Earthbound“ mithilfe von Technologie unsere Verbindungen zur Natur hinterfragen und aufzeigen, wie wichtig es ist, neue Verbindungen zu schaffen, um harmonisch und nachhaltig zusammenzuleben. Die Ausstellung umfasst 19 vielfältige Werke (Multimedia-Installationen, Videos, virtuelle Realität …) von interdisziplinären Künstlern (darunter auch Ingenieure), die sich der digitalen Kunst und der Wissenschaft bedienen.

Schon beim Betreten der riesigen Industriehalle fällt das beeindruckende digitale Gemälde „Quantum Memories – Probability – Square“ des in Los Angeles lebenden türkischen Künstlers Refik Anadol (von dem derzeit ein Werk im Centre Pompidou-Metz ausgestellt ist) ins Auge. Vor unseren Augen ziehen unendliche abstrakte Landschaften vorbei, die sich ständig wandeln und von künstlicher Intelligenz aus Hunderten von Millionen von Bildern generiert werden. Eine Reflexion über das Gedächtnis der Natur, die sich auch in der Videoinstallation „Floralia I – IV“ der Kanadierin Sabrina Ratté wiederfindet, die ausgestorbene Pflanzen zeigt, die jedoch in digitalen Archiven erhalten geblieben sind.

Im Laufe des Rundgangs erwarten uns weitere eindrucksvolle Erlebnisse. So zum Beispiel „The Intimate Earthquake Archive“ von Sissel Marie Tonn und Jonathan Reus, zwei in den Niederlanden ansässigen Künstlern. Ausgestattet mit einer Weste, die mit Sensoren versehen ist, spüren wir körperlich die Erschütterungen vergangener Erdbeben, die vom Menschen verursacht wurden und mit Gasbohrungen in Zusammenhang stehen. Das einfühlsame Werk „Atmospheric Forest“ des lettischen Künstler- und Forscherpaares Rasa Smite und Raitis Smits lädt dazu ein, in einen Wald einzutauchen, um die unsichtbaren Austauschprozesse der Bäume nachzuvollziehen und zu verstehen, wie sich der Klimawandel negativ auf diese Austauschprozesse auswirkt und ein ganzes Ökosystem schwer beeinträchtigt. Vom Wald zum Ozean führt eine weitere Reise, die man sich vorstellen muss, um zum „kinetischen Haus“ „Korallysis“ des mexikanischen Künstlers Gilberto Esparza, der das Bewusstsein für die Zerstörung der Korallenriffe schärft und dagegen kämpft, indem er beschädigte Riffe wieder zum Leben erweckt.

Entdecken Sie auch das interessante Projekt „Deep Swamp“ der australischen Digitalkünstlerin und Ingenieurin Tega Brain, die drei identische Miniatur-Sümpfe in drei Aquarien nachgebildet hat. Sie entwickeln sich im Laufe der Tage unterschiedlich, da jedes unter dem Einfluss einer künstlichen Intelligenz (mit spezifischen Zielen) steht, die auf seine Lebensbedingungen einwirkt. Die Entwicklung bleibt spannend – die Ergebnisse werden am Ende dieser erstaunlichen Ausstellung mit vielfältigen Verzweigungen veröffentlicht.