Den großen Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften, die gemeinhin als die „Big Four“ bezeichnet werden, mangelt es angesichts ihrer stetig wachsenden Mitarbeiterzahlen nicht an Arbeit im Land. Und nicht weniger logischerweise geraten sie regelmäßig in die Kritik. Betrachtet man übrigens eine Karte der Hauptstadt, auf der ihre Standorte gut verteilt sind – zwei im Südwesten in Gasperich, die beiden anderen im Nordosten in Kirchberg –, wäre man versucht zu sagen, dass sie die Stadt in einer Zange halten. Ein wenig Abwechslung (eine Auszeit abseits des Finanzbereichs) würde sicherlich gut tun.
Sie verstehen nicht, worauf ich hinauswill. Deloitte, EY, KPMG und PwC werden immer häufiger hinzugezogen, wenn es darum geht, eine neue Führungsposition zu besetzen, man greift sogar auf sie zurück, wenn ein Fußballverein den Eigentümer wechseln will oder muss (und KPMG hat in diesen Tagen zwei oder drei Käufer für den AS Saint-Etienne ausfindig gemacht, darunter einen kambodschanischen Prinzen). Wenn man beim Mudam einen Blick zurückwirft, folgen Momente der Entspannung in recht kurzen Abständen aufeinander. Langfristiges Denken scheint nicht in der DNA der Institution verankert zu sein. Headhunter – welcher Art auch immer – sollen bereits auf der Suche nach einem Nachfolger für Frau Cotter aktiv geworden sein (wir wollen hier nicht näher auf andere Posten eingehen, die in letzter Zeit oder in naher Zukunft von Veränderungen betroffen sind).
Bei solchen Angelegenheiten kommt es ganz auf das Profil an. Es sei denn, man geht den Dingen von Grund auf nach und hinterfragt die eigentliche Funktion des Museums, sein Wesen – was vielleicht nicht das vorrangige Anliegen ist, war es jedenfalls in der Vergangenheit nicht, woraus sich eine Art Erbsünde ergibt, von der man sich in diesem Bereichman sich auch hier nicht so leicht befreien kann (es erübrigt sich, ausführlich darauf einzugehen, angefangen bei der Täuschung durch den Namen selbst, für ein Haus, in dem die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts völlig und seltsamerweise – doch dafür gibt es zahlreiche Gründe – fehlt). Man kann einfach sagen, dass die Entscheidung, das Museum zu errichten und ernsthaft mit dem Sammeln zu beginnen, in eine Zeit fiel, in der die moderne Kunst ihrem Ende entgegen ging.
Warum dieser Rückblick? Wir leben in einer Zeit, in der so viele Fragen aufkommen, die auch die Zukunft der Museen stark betreffen. Darauf haben kürzlich die Gesprächsrunden zum 60-jährigen Jubiläum der Stiftung Nordrhein-Westfalen und zum 100. Geburtstag von Werner Schmalenbach hingewiesen. Der Gründer stand damals vor Entscheidungen und hat diese auf vorbildliche Weise gemeistert. Mehr als ein halbes Jahrhundert später stehen wir nun an einem neuen Scheideweg, und wir wollen hier nur zwei Wege nennen, die Entscheidungen erfordern werden. In einer globalisierten Welt führt kein Weg an einer Überprüfung, einer Neubewertung eines Schönheitskanons – im weiteren Sinne eines ästhetischen Kanons – vorbei, von dem wir wissen, dass er nur allzu sehr an eine bestimmte (mehr oder weniger weitreichende) Epoche und einen bestimmten Ort gebunden ist. Es ist kein Zufall, dass die Documenta 15 im nächsten Jahr das Werk eines indonesischen Künstlerkollektivs namens ruangrupa sein wird, das aus etwa zehn Künstlern besteht und seinen Sitz in Jakarta hat. Dies wird die Lage radikal verändern.
Ein weiterer Aspekt, der zur Diskussion steht: das Eigentumsrecht an den Sammlungen selbst, ohne dabei bis zur Französischen Revolution zurückgehen zu müssen, um deren öffentliches Eigentum zu bekräftigen. Dabei ist heute ein Trend zur Privatisierung zu beobachten (wie sieht es mit den Werken des Mudam aus – sind sie unveräußerlich, oder hängt ihre Zukunft von der Stiftung ab?). Eine ebenso drängende Frage stellt sich, wenn man zur unvermeidlichen Digitalisierung übergeht, die sich der Kontrolle der öffentlichen Hand entziehen könnte. In diesem Zusammenhang konnte man nur überrascht sein über bestimmte Personalwechsel, die in letzter Zeit in Frankreich stattfanden; sie zeigen, wohin die Reise in Zukunft geht: sich im öffentlichen Sektor einen Namen machen und anschließend im privaten Sektor Geld verdienen (zugegebenermaßen mit anderen Mitteln und ganz anderen Möglichkeiten).