Wildblumen in Keramikvasen schmücken eine Vitrine der Valerius Gallery. Die Künstlerin Lib Shkupolli machte 2024 bei der Veranstaltung „Young Luxembourg Artists“ (YLA) mit Skulpturen auf sich aufmerksam, die sich mit dem Thema Männlichkeit auseinandersetzten. Obwohl sie zum Verkauf stehen, sind diese Kreationen streng genommen nicht Teil der Ausstellung. Doch die Vasen und Wildblumen laden dazu ein, „Elementary“ zu besuchen, wo Martin Paaskesen und Ricardo Passaporte mit Früchten und Haustieren die Künstler der Sommerausstellung sind.
Sie sind alltäglich, so wie es im Alltag Obstschalen und oft auch Haustiere sind. Alltäglich auch, wie es zeitgenössische Kunstwerke sein können. Das gilt für beide Künstler. Doch so einfach dieser Ausdruck auch erscheinen mag, so einfach sind weder ihre Malerei noch ihre Techniken. Zumindest auf den ersten Blick.
Martin Paaskesen, den die Galerie Valerius seit mehreren Jahren treu begleitet und ausstellt, ist bekannt für seine Arbeiten mit Jute, die das „grundlegende“ Element seines Schaffens bilden. Zu sehen sind hier groß- und mittelformatige sowie sogar ganz kleine Gemälde, die alle das Markenzeichen des dänischen Malers tragen: farbige Quadrate, die an Post-its erinnern. Die Farben der Motive sind kräftig, die Darstellung wirkt auf den ersten Blick einfach.
Für die Serie aus neun Obstschalen – mittelgroße Formate von 80 x 65 cm, die in drei Reihen nebeneinander angeordnet sind – zeigt Martin Paaskesen seine ganze Kunst, diese Jutequadrate sowohl als Unterlage für die Schalen als auch als eigenständiges Element des Bildes zu gestalten: Sie sind stets einheitlich bemalt – in Ecru, Weiß, Grün, Blau – oder in zwei Farbtönen – Ocker und Schwarz, Ocker und Orange. Die horizontale Linie grenzt die Fläche ein, auf der das Objekt steht, wie eine Tischdecke auf einem Tisch. Bei zwei vertikalen Streifen am Bildrand handelt es sich um Vorhänge. In manchen Fällen lässt sich nur anhand des Schlagschattens der Schale erkennen, dass sie auf einer Oberfläche steht.
Die Früchte werden in den Grundfarben dargestellt, die ihren tatsächlichen Farbtönen entsprechen: grüne und bläuliche Trauben, rote Kirschen, orangefarbene Zitrusfrüchte und gelbe Bananen. Manchmal sind die Früchte von einem schwarzen oder weißen Umriss umgeben, manchmal ausgeschnitten und aufgeklebt. Sie wirken voluminös und haben eine einheitliche Farbe. Es kann auch vorkommen, dass sie lediglich durch einen weißen Strich angedeutet werden. Die ersten sind also aus Keramik oder Porzellan, die anderen aus Glas. Nur zwei dieser Bilder aus der Serie „Cradle“ sind nicht „realistisch“: eine Schale mit schwarzen Früchten, die wie der Hintergrund des Bildes schwarz sind, aber mit ihrer natürlichen Farbe umrandet sind.
Paaskesen lotet alle Möglichkeiten aus – auf Blättern aus Notizbüchern, sowohl was die Farben als auch die Motive betrifft. Blau wie „Dreams“, gelb wie „Scared Brave“ und zehn ganz kleine Formate (24 x 18 cm), die in zwei übereinander angeordneten Fünferreihen ausgestellt sind. Es wirkt wie ein Kinderreim: ein Fisch, eine Vase, ein Basketball, ein Berg, ein Hai. Elemente, die man bereits gesehen hat oder in Paaskesens zukünftigen Arbeiten sehen wird.
Tiere und Blumen sind ebenfalls Themen des portugiesischen Malers Ricardo Passaporte. In großformatiger Darstellung (200 x 150 cm) sind hier ein Dalmatiner („Dalmatian, Red Background“) sowie Papageien („Bird“, „Red Bird“, „Two Birds“) zu sehen. Und auch ganz kleine Formate (20 x 16 cm). Obwohl er aus der Graffiti-Szene stammt und sich bisher mit Motiven aus den Massenmedien beschäftigt hat, stellt Ricardo Passaporte hier die Einzigartigkeit von Lebensbegleitern wie dem Bichon Frisé dar.
Aber wer sagt uns, dass dieses gemalte Motiv der Wahrheit entspricht? Oder befindet sich der Hund etwa hinter der Vitrine einer Tierhandlung? Es herrscht eine gewisse Unschärfe, die durch Schleifen erzielt wurde. Auf jeden Fall durchqueren wir den Spiegel der Kunst.
Die Ausstellung