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Bildende Kunst 3 Min. Lesezeit

Sich in den Hintergrund drängen

Bea Bonfanti greift eine sehr alte Technik und deren traumhafte Darstellung auf: den Wandteppich. Zu sehen in der Galerie Nosbaum Reding

Erschienen in Ausgabe Oktober 2022
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Man sagt uns einen strengen Winter voraus. Es ist also ratsam, sich gegen die Kälte zu wappnen, indem wir unsere Wände wärmer gestalten. Das kann man ganz wörtlich nehmen, indem man Vorhänge daran aufhängt – und warum nicht gleich einen Hauch von Traumwelt und esoterischer zeitgenössischer Kunst hinzufügen?

Bea Bonafini präsentiert uns all dies mit „Unearthly“ in der Galerie Nosbaum Reding. Sie ist nicht die Erste, die sich wieder der Textilkunst, der Wandteppichkunst, zuwendet, deren Ursprünge bis ins Mittelalter zurückreichen, als es noch keine anderen Möglichkeiten gab, die Räume von Schlössern zu heizen und zu schmücken. So sind auf der diesjährigen Kunstbiennale in Venedig eine beeindruckende Anzahl gewebter Werke zu sehen, deren Motive zum Großteil aus komplexen Flechtwerken bestehen, die mit Edelsteinen verziert sind.

Bea Bonafini arbeitet nicht auf traditionelle Weise am Webstuhl. Sie verwendet Teppichreste – oder besser gesagt: Stücke aus hochwertiger Wolle. Teppichboden, der früher bei unseren Großeltern den gesamten Boden der Räume bedeckte, ist aus der Mode gekommen (die Belgier sagen „tapis-plain“, was das Aussehen ganzer Räume gut veranschaulicht). In Baumärkten und Einrichtungsgeschäften findet man jedoch Teppichböden in kleinen Formaten, die vor allem zur Dekoration von Babyzimmern beliebt sind. Luxushersteller hingegen stellen weiterhin Teppiche aus hochwertiger Wolle nach Entwürfen von Designern her – eine Technik, die sich Bea Bonafini zunutze macht, um ihre zeitgenössischen Werke zu schaffen. Diese Verarbeitungsmethoden erfordern zunächst die Erstellung des „Entwurfs“, was somit ebenfalls eine Anlehnung an die Kunst der Wandteppichherstellung darstellt.

Aus dem Mittelalter sind uns außergewöhnliche Werke überliefert, wie beispielsweise die Erzählung des Bayeux-Teppichs oder die „Dame mit dem Einhorn“. Auch die Renaissance stand dem in nichts nach und legte den Schwerpunkt auf mythologische Szenen, die Fürsten und Könige schätzten, um ihre Person und ihre Macht mithilfe der Mythologie und antiker Helden zu verherrlichen. Machen wir nun einen großen Sprung in der Geschichte: Am Bauhaus gab es zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Weberei, deren außergewöhnliche Künstlerinnen, Anni Albers und Gunta Stöltzl, endlich als gleichwertig mit ihren männlichen Kollegen dieser avantgardistischen Schule anerkannt wurden. Eine weitere Frau, Sheila Hicks, war die Erste, die zeitgenössische dreidimensionale Textilwerke schuf, die den Jahren der Frauenbefreiung entsprachen: rund, voluminös.

Bea Bonfanti knüpft buchstäblich an all diese Darstellungen an den Wänden der Galerie Nosbaum Reding an – mit handgefärbten und getufteten Bambusseiden: von Gelb über Rot bis hin zu Rosa bei zwei Zwillingsstücken und zwei weiteren Werken in Pastelltönen, Blau und Beige. Ihre Ausdruckskraft und Poesie entspringen ihrer Form, die die traditionelle Geometrie des Teppichs durchbricht, und die Leere – die beispielsweise auf die kleinen Weblöcher von Kelim-Teppichen verweisen könnte – ist in ihren Kreationen ein Zwischenraum, der sie miteinander verbindet.

Zwei weitere Werke kehren zur traditionellen rechteckigen Form und zur figurativen Darstellung zurück. Diese Arbeiten sind in Pastellfarben auf einer Intarsie aus Wollteppichen ausgeführt. Eine Taucherfigur wird nicht flach an der Bildleiste präsentiert, sondern so, dass sie sich von der Wand abhebt und senkrecht zur Wand steht, was sie der Bildhauerkunst annähert. Hier und da unterbrechen Gemälde mit esoterischen Motiven (Gouache und Aquarell auf graviertem Korkhintergrund) den Rhythmus der Wände, an denen sich ein gemalter Fries von Werk zu Werk zieht. Die Wandteppiche und Gemälde sind Abfolgen zahlreicher traumhafter Episoden, die uns Bea Bonafini erzählt. Geschichten, die der uralten Kunst der Wandteppichherstellung eine neue Episode hinzufügen.

„Unearthly“ von Bea Bonafini ist noch bis zum 5. November in der Galerie Nosbaum Reding zu sehen