Glaubt man dem Titel der Ausstellung von Roland Quetsch, so verwandelt sich der große Saal des Ausstellungsortes in einen Mischpult oder eine Mischkonsole: Crossfade. Übersetzt bedeutet das: Crossfade, ein Begriff aus der Audiotechnik, der das Hin und Her beschreibt, wenn man die Lautstärke eines Signals verringert und gleichzeitig die eines zweiten erhöht. In der Ausstellung von Roland Quetsch gilt dies jedoch vor allem für die Materialien und Formen, die von Kompositionen, die eher Objekte, ja fast Skulpturen sind, zu frei schwebenden Leinwänden übergehen, die auf jegliche andere Unterlage verzichten. Und eine ganze Wand ist ebenfalls in die Fülle von Punkten und Pinselstrichen eingefangen, in Aquarellen auf Papier. Man erkennt schnell, dass sich der Besuch der Ausstellung somit als Eintauchen in die Farbe erweist – als Ankerpunkt, ständige Obsession oder Begeisterung des Künstlers.
Die Ausstellung umfasst etwa vierzig Werke, von denen die meisten – abgesehen von den Aquarellen – etwa 30 bis 20 cm groß sind und somit ein durchaus ansprechendes Format aufweisen. Sie entstanden über einen Zeitraum von etwa fünfzehn Jahren, von 2009 bis 2024, doch man sollte hier nicht von einer Retrospektive sprechen, wenn es sich um jemanden handelt, der in der Blüte seines Lebens steht. Das hindert den Besucher jedoch nicht daran, die Ausstellung als eine Art Parcours zu begreifen, mit gewissen Kreuzungen oder sogar Brüchen, wobei jedoch von Anfang bis Ende eine allgemeine Ausrichtung beibehalten wird.
Um es kurz und bündig zu machen, auch wenn wir dabei etwas vereinfachen: Lassen Sie uns zwei Punkte, zwei Momente hervorheben – einen früheren und einen, der gewissermaßen dessen (zumindest vorübergehender) Höhepunkt darstellt. Roland Quetsch präsentierte sich vor einiger Zeit als Konstrukteur, als jemand, der zusammenführt, vereint, auch wenn der Drang, zu stören, das eigene Werk zu verfremden, stets vorhanden ist; und beides ist immer offensichtlich, sichtbar, als Operation und Schöpfung erkennbar und stark verankert. So verhält es sich auch mit diesen zusammengesetzten Plattenstücken mit ihren farbigen Leinwänden, die in einer Verschiebung, einem Versatz gefangen sind; das Bild eines ausgezogenen Akkordeons liegt nahe, doch wir erfassen das Werk bis in sein Innerstes. Manchmal hält Roland Quetsch es einfach und konfrontiert uns mit einem großen Winkel, zwei im rechten Winkel zueinander angepassten Teilen ; das ist direkt, das ist radikal. All diese Werke zeigen den Künstler im Ringen mit der Materialität, Holz, Metall, Baumwolle; an anderer Stelle kommen noch Kohlenstofffasern, Glasfasern und Lack hinzu, um einen festen Träger zu schaffen, der mal von Figuren belebt wird, die in einer Bewegung gefangen sind, mal von Figuren, die in ihrer Geometrie so streng sind, dass nur die Farbe sie zum Leben erweckt.
Auch im vergangenen Jahr wurden wieder Holzlatten zusammengefügt – zu zweit („Hamningberg Batteri“, 123 x 30 x 33 cm) oder zu viert, in leuchtenden Farben und mit schönen Kontrasten. Und so vollzieht sich der Übergang mühelos zur Leinwand und zum Papier (für die Aquarelle), die das Holz als Malgrund abgelöst haben. Wie Farbspuren – dieselben Farben, von gleicher Intensität, gleicher Lebendigkeit –, wie ein Tanz der Stempel für wirbelnde Markierungen füllen sie die Leinwände, die Aquarelle, und die Anhäufung, die Überlagerung ist nun leichter geworden; weg mit der Starre des Materials, es geht nur noch um Fließendheit und Klarheit.
Dieser andere Roland Quetsch – aber hat er sich wirklich verändert, oder ist er im Grunde derselbe geblieben? Die Ausstellung lässt uns dies an einer der Wände in einer Art Opulenz auf einer Fläche von nicht weniger als vier Metern Breite und mehr als fünf Metern Höhe sehen oder sogar erleben. So wie man es mit Wäsche macht, wie auf einem riesigen Wäscheständer, baumeln Stofffetzen herab, nebeneinander und übereinander, in der Freude an einem höchst bunten Farbenspiel. Natürlich ruft eine solche Frage – vor dem Hintergrund dessen, was uns die mehr oder weniger jüngere Kunstgeschichte gelehrt hat und worauf die Galerie immer wieder zurückkommt – alle möglichen Überlegungen hervor, die alle Fragen umfassen, die die Malerei betreffen. Und dass Roland Quetsch sich damit auseinandersetzt, lässt sich erahnen. Das ist jedoch kein Grund, sich nicht der Begeisterung hinzugeben, zumal der Künstler ausdrücklich dazu einlädt: The day I forgot about the deamons.
„Crossfade“ von Roland Quetsch in der Galerie Ceysson & Bénétière im Wandhaff, noch bis zum 10. Januar