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Bildende Kunst 4 Min. Lesezeit

Simon an der Kohle

Die Galerie Reuter Bausch stellt die von Simon Demeuter gemalten Hommagen an die Bergleute aus

Erschienen in Ausgabe Mai 2024
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Eine Porträtgalerie stolzer Bergleute © Samantha Wilvert

In der Ausstellung „Love is a burning thing“ vor zwei Jahren waren Cowboys zu sehen, die sich ihre Zigarette anzündeten – gezeichnet von Simon Demeuter mit dicken, farbenfrohen Strichen. Inspiriert von den Marlboro-Werbungen der 1970er Jahre ließen diese Figuren eine Form von extremer Männlichkeit erkennen, die den homoerotischen Idealen à la George Quaintance oder Tom of Finland nahekam, sich dabei jedoch vom Realismus dieser Vorbilder entfernte. In anderen Serien greift der Künstler weitere Symbole auf, die traditionell mit Männlichkeit assoziiert werden: den Großvater, griechische Skulpturen, Gladiatoren…

Die Serie „Charbon“, die derzeit bei Reuter Bausch ausgestellt ist, schlägt in die gleiche Kerbe. Die Figur des Bergarbeiters ist in die Dunkelheit eingebettet, hier vor einem nachtblauen Hintergrund. Wo die Cowboys vom Licht ihrer Zigaretten beleuchtet wurden, werden die Bergarbeiter nun von den Lampen in den Stollen ins Rampenlicht gerückt. In beiden Fällen arbeitet der Künstler mit Unifarben. Die kräftigen Farbflächen in Rosa, Gelb, Grün oder Rot unterstreichen die Schlichtheit der Linienführung. Man erinnert sich dabei auch an die abstrakteren Gemälde, „Windows on Fire“, die beweisen, dass die Farbe das wichtigste Mittel des Künstlers ist, um eine Emotion, einen Eindruck, eine Empfindung, eine Stimmung oder einen körperlichen oder geistigen Zustand hervorzurufen.

Farbe geht nicht ohne die Linie. Inspiriert von Volkskunst, Kino oder Musik interessiert sich Simon Demeuter, der Grafikdesign studiert hat, ebenso sehr für Techniken wie für die Komposition: Er freut sich, hochwertige Neonfarben gefunden zu haben, um die mit Ölpastell gezeichneten Linien hervorzuheben, und gewinnt durch das Experimentieren mit verschiedenen Techniken an Selbstvertrauen. „Ich habe immer noch eine Art Komplex, weil ich Malerei nicht studiert habe und mich ganz allein damit auseinandergesetzt habe. Aber je mehr Zeit vergeht, desto mehr schätze ich sie. “

Simon Demeuters malerisches Schaffen ist geprägt von dem Streben nach einer extremen Vereinfachung der Formen, nach idealisierten Darstellungen, die – wie der Künstler selbst sagt – „von sanften und kräftigen Körpern bevölkert“ sind. Die Gesichter der Bergleute lassen sich auf wenige Striche reduzieren, die Augen, den Mund, den Schnurrbart, die Zigarette und den Helm andeuten. Ein Zeichenstil, der an Cocteau oder Matisse erinnert, die Simon Demeuter gerne zitiert: „ Durch meine Bilder versuche ich, dank meines Blicks verborgene Schönheiten zum Vorschein zu bringen, sie hervorzuheben. ‚Überall gibt es Blumen für den, der sie sehen will‘, sagte Matisse. Jetzt sehe ich sie auch “.

Simon Demeuter, 1991 in Soignies (unweit von La Louvière in Belgien) geboren, schöpft hier aus seinen Kindheitserinnerungen. Die Landschaften dieser Region sind von ihrer Bergbauvergangenheit geprägt. Die schwarze Erde der Halden ist heute von Grün bedeckt, doch diese Hügel bleiben die Narben einer einst blühenden Industrie. „Ich hatte nie eine besondere Bindung zu meiner Heimatregion. Ihr Charme entging meiner Wahrnehmung, während andere darin eine einzigartige Schönheit sahen “, erzählt er. Sein Lebensweg hat ihn von dieser Gegend entfernt, sein Studium führte ihn nach Brüssel, heute arbeitet er in einem Atelier in Paris. „Aber die Zeit erinnert uns an unsere Herkunft, unsere Vergangenheit bleibt in uns verankert.“ Aus einer gewissen Melancholie vergangener Zeiten schöpfend, würdigt Simon Demeuter diese Männer und Frauen, oft Einwanderer, die auf der Suche nach einem besseren Leben nach Belgien gekommen sind. Trotz einer schlichten Ästhetik unterscheiden sich die Figuren deutlich voneinander, wie in einer echten Porträtgalerie: hier ein Bart, dort volle Lippen, eine Mütze oder ein Helm, eine Spitzhacke oder eine Schaufel, eine Zigarette, eine Flasche oder eine Pfeife.

Nostalgie spielt in Simon Demeuters Werk oft eine Rolle. „Der Lauf der Zeit und das unaufhaltsame Vergehen aller Dinge sind wiederkehrende Themen in meinen Werken“, erklärt der Künstler. Er geht von einem Objekt, einer Figur oder einer Landschaft aus und bearbeitet diese schichtweise und durch Ausradieren, wobei er mit gestischen Variationen, Farben oder Größen spielt, um die Spuren seiner Emotionen wiederzufinden. So spricht er von den Werken Munchs, in denen er „eine Art Melancholie, Traurigkeit und Ernsthaftigkeit“ sieht, „die mich schon immer geprägt haben.“ Die Bergleute sind aus den Tiefen der Erde hervorgekommen und blicken uns stolz an.

„Charbon“ von Simon Demeuter ist bis zum 1. Juni in der Galerie Reuter Bausch in Luxemburg zu sehen